Merzenich: Knöllchen am S-Bahn-Halt: Pendler sprechen von Abzocke

Merzenich: Knöllchen am S-Bahn-Halt: Pendler sprechen von Abzocke

Der Fluch, der dem jungen Mann in dem schwarzen Auto auf den Lippen liegt, ist nicht zitierfähig. Auf der Suche nach einem Parkplatz kurvt er an der Merzenicher S-Bahn-Haltestelle umher, einen freien Platz finden wird er nicht.

Und weil er sieht, dass das Ordnungsamt Knöllchen verteilt, weiß er auch, dass er sich besser nicht an den Straßenrand stellt, wenn er sich die 15 Euro sparen möchte. Der Parkplatz am Naherholungsgebiet kurz vor dem Ortseingang hat noch Plätze frei. Die geplante S-Bahn wird der junge Mann aber nicht mehr erreichen und er ist, wie viele andere Pendler, die in diesen Tagen wegen des Brückenabrisses die S-Bahn in Merzenich nehmen möchten, entnervt.

Parkplätze sind Mangelware: Wegen des Brückenabrisses in Düren fahren viele Pendler mit dem Auto nach Merzenich. Foto: smb

Als die Frau im Wagen vor ihm ihre Diskussion mit der Politesse beendet hat, fährt er kopfschüttelnd weiter. Ein Mann aus Merzenich kommt ihm mit zügigen Schritten und guter Laune entgegen. „Wie gut, dass ich gar kein Auto habe“, kommentiert er lachend, während er seinen Blick über die vielen Autos am Rande der Rapsfelder und Äcker schweifen lässt und zusieht, wie die Politesse ein Knöllchen an die Windschutzscheibe eines Wagens heftet, der sich in einer Kurve auf den Seitenstreifen gestellt hat.

Am Montag, schätzt Bürgermeister Peter Harzheim, hätten 200 bis 250 Autos mehr Merzenich angesteuert als sonst. Der Parkplatz an der S-Bahn-Haltestelle ist aber immer voll, die Kapazität der 350 Plätze erschöpft, weswegen sich die Gemeinde bereits um Fördermittel für eine Erweiterung um 100 bis 120 Plätze bemüht.

Jetzt sieht sie sich mit dem Vorwurf „Abzocke“ konfrontiert und mit Pendlern, die darauf gesetzt hatten, dass das Ordnungsamt angesichts der Ausnahmesituation ein Auge zudrückt. Merzenichs Bürgermeister Peter Harzheim weist die Abzocke-Vorwürfe von sich. Er betont, dass die auf der Zufahrtsstraße stehenden Wagen die Gelenkbusse behindert hätten, so dass busfahrende Pendler am Montag bereits Bahnen verpasst hätten. Um Platz für Gelenkbusse zu schaffen, die den Parkplatz sonst nicht ansteuern, wurden zudem einige markierte Parkplätze gesperrt.

„Wir haben keine Autos abschleppen lassen, weil es immer noch so gerade ging, aber wir mussten handeln“, betont Harzheim, der von einer „unglücklichen Situation“ spricht. Am Dienstag war die Situation schon entspannter.

Die meisten Autos, die an den Wirtschaftswegen parkten, haben übrigens keine Knöllchen bekommen. „Für die Landwirte würde es dort aber eng“, sagt Harzheim, der Pendler für die verbleibenden Tage die Busse ab Düren und die Parkplätze am Naherholungs- und im Gewerbegebiet empfiehlt. Da war auch am Dienstag jede Menge Platz, „und man muss maximal 500 Meter gehen“.

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