Düren/Jena: Klara Muhle auf dem Sprung in der Bundesliga

Düren/Jena: Klara Muhle auf dem Sprung in der Bundesliga

Mit drei Jahren stand der Entschluss fest: „Ich möchte im Tor stehen”, erklärte Klara Muhle Trainer und Eltern. Von ihrer Freundin bekam sie die Torwart-Handschuhe geschenkt, weil die keine Lust mehr hatte, die Bälle zu fangen. Fortan versuchte also Klara, das Tor der Bambini von Viktoria Birkesdorf so sauber wie möglich zu halten.

Das war 1993. 18 Jahre später schickt sie sich an, die Nummer 1 zwischen den Pfosten des Bundesligisten USV Jena zu werden. Und freut sich auf die morgen beginnende Weltmeisterschaft im eigenen Land.

Der Weg der 21-jährigen Studentin (Geschichte und Englisch auf Lehramt) in den Kader des Bundesligisten im Osten Deutschlands war nicht immer einfach. Denn Klara Muhle machte ihre entscheidenden Schritte nicht über Mädchen-Mannschaften. Gewiss, die Dürenerin spielte auch für das langjährige Aushängeschild des Kreisdürener Frauen-Fußballs, den SC Mausauel-Nideggen.

Ihre sportliche Entwicklung verdankt sie aber eher einem anderen Umstand: „Wenn ein Mädchen aus Spaß an der Sportart Fußball spielen will, dann soll es in Mädchen-Mannschaften kicken. Wenn es aber mehr aus seinem Talent machen will und kann, dann soll es so lange wie möglich in Jungen-Teams spielen.” Denn die Fußballer des sogenannten starken Geschlechts sind eben körperlich robuster und schneller.

Respekt durch Paraden

Klara Muhle, die Torhüterin, ging diesen Weg. Bis zur B-Jugend hütete sie mit einer Sondergenehmigung das Gehäuse von Viktoria Arnoldsweiler. Innerhalb ihres Vereins wurde sie schnell akzeptiert, den Respekt der Gegner verschaffte sie sich durch ihre Paraden. Und doch war es manchmal ein dorniger Weg: „Spieler und Trainer der gegnerischen Teams, die zum ersten Mal auf uns trafen, haben oft abwertend geschaut”, erinnert sie sich.

Provokationen waren an der Tagesordnung: „Jungs stellten sich beispielsweise hinter mein Tor und versuchten verbal, mich aus der Ruhe zu bringen.” Es gelang den pubertierenden Knaben nicht. Klara Muhle wehrte mehr Bälle ab, als den Jungen auf und neben dem Feld lieb war: „Ich glaube, etliche empfanden es als Kränkung, dass sie gegen mich kein Tor schossen.” Mit den Kleeblättern wurde sie Kreismeister. 2007 wechselte sie zum Zweitligisten Brauweiler-Pulheim.

Ein kleiner Knick folgte. Die Lust am Fußball verlor sie für kurze Zeit, den Vertrag beim 1. FC Köln löste sie auf. Beim TSV Stockheim kickte sie ein halbes Jahr im Feld.

Und dann kam 2010 der Anruf aus Jena: Der Universitäts-Sportverein signalisierte Interesse, Klara Muhle zögerte. Der USV lud sie in die kleine Stadt ein. Der Wochenendtrip überzeugte sie. Die Torhüterin unterschrieb für zwei Jahre, zog vom Westen in den Osten, setzte sich auf die Ersatzbank. Denn ihre Kontrahentin Jana Burmeister bot im Kölner Pokalfinale gegen den FCR Duisburg eine überragende Partie. Zu allem Überfluss verletzte sich Muhle im September.

Jetzt werden die Karten neu gemischt. Burmeister wechselt nach Wolfsburg, ihre Stellvertreterin möchte in der kommenden Saison unter der neuen Trainerin Martina Voss-Tecklenburg, der ehemaligen Nationalspielerin, das Trikot mit der Nummer 1 überstreifen. Das ist ihr Ziel. An nationale Berufungen verschwendet die U-17- und U-23-Nationalspielerin vorerst keinen Gedanken: „Erst muss ich wieder auf längere Zeit konstant gute Leistungen bringen.”

Zunächst aber freut sie sich auf die WM im eigenen Land. Spielerinnen des USV werden als Botschafterinnen ihrer Sportart beim „Rudelgucken” in der Goethe-Galerie, vergleichbar dem Dürener Stadtcenter, immer mitfiebern und den deutschen Nationalspielerinnen die Daumen drücken: „Ich hoffe natürlich, dass die deutsche Mannschaft Weltmeister wird, aber es ist halt ein Turnier.”

Und speziell in den K.o.-Spielen könnte auch der Power-Fußball der deutschen Mannschaft mal ins Stottern geraten. Sicher ist sich Muhle, dass der Frauen-Fußball dank der WM eine weitere Aufwertung erhält, auch kritische Geister verstummen lässt. Aber dennoch bezweifelt sie, dass sich die Erfolge des Nationalteams in den Zuschauerzahlen bei den Bundesligaspiegeln niederschlägt: „Bei 400 bis 500 Fans wird wohl weiter unser Durchschnitt liegen.” Von Vorteil sei die geringe Resonanz aber in einem Punkt: „Ich kann eigentlich unerkannt durch die Stadt gehen und in aller Ruhe studieren.”

Jenny Napieraj fährt zur Militär-Fußball-WM

Jenny Napieraj, die ehemalige Junioren-Nationalspielerin und aktuelle Spielerin des Meisters und Bezirksliga-Aufsteigers Alemannia Straß, ist in den Kader der Bundeswehr-Auswahl für die Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft berufen worden.

Bundestrainerin Kerstin Stegemann nominierte Napieraj nach mehreren Lehrgängen in Warendorf. Die WM findet vom 11. bis 24. Juli in Rio de Janiero statt.

Mehr von Aachener Zeitung