Wenau: Klang des Barockcellos erfüllt die Klosterkirche

Wenau: Klang des Barockcellos erfüllt die Klosterkirche

Unaufgeregt, in sich ruhend, in meditativer Haltung, sitzt Ludwig Frankmar hinter seinem Cello, einem Barockcello von 1756, gefertigt von Louis Guersan, und streichelt mit dem Bogen die fünf Saiten des Instruments. Barockcelli haben eine fünfte Saite, die E-Saite. Und diese fünfte, wie natürlich alle vier anderen auch, weiß der gebürtige Schwede mit Wahlheimat Berlin zu nutzen.

Bei drei Komponisten, Marin Marais (1656 bis 1728), Domenico Galli (1649 bis 1697) und Giovanni Bassano 1558 bis gegen 1617) braucht Frankmar Ständer und Noten. Johann Sebastian Bach und seinen Sohn Carl Philipp Emanuel Bach spielt er auswendig.

Frankmar führt die wenigen Gäste in der Klosterkirche Wenau durch verschiedene Auffassungen von Musik. Marin Marais‘ „Suite in g-Moll“ stimmt die Besucher mit dem weich und warm tönenden Instrument auf einen Konzertabend mit unterschiedlichen Stimmungsbildern ein. Alles fließt, nur hier und da wird es lebhafter und schneller, lange Läufe sorgen für Aufhellung. Von Domenico Galli bringt der Ausnahmecellist zwei Sonaten aus „Trattenimento musicale sopra il Violoncello à solo“ zu Gehör.

Es folgen zwei Ricercate (Vorform der Fuge) von Giovanni Bassano aus „Ricercate Passagi et Cadentie“. Das Cello deutet Zwiegespräche an, führt einen inneren Dialog.

Johann Sebastian Bach und Carl Philipp Emanuel Bach spielt Frankmar spielt ohne Notenunterstützung. Er „kann“ die Bachs, Vater und auch Sohn. Er verwächst mit dem Instrument und spielt — bei meist geschlossenen Augen — die „Sonata per il Flauto traverso solo senza Basso“, die Carl Philipp Emanuel Bach 1747 in Berlin geschrieben hat. In diesem Werk ist vieles zu unterscheiden: sowohl die lauten, auftrumpfenden als auch die zart gehauchten Töne, Einkehr von Leichtigkeit.

Für viele Gäste gestaltete sich die „Suite Nr. 6 á cingue cordes“ von Johann Sebastian Bach zum Höhepunkt des Konzerts. Das Werk beginnt forsch und schnell. Dann wird es langsamer, melancholisch, um gleich wieder zu Dynamik und Temperament zu wechseln. Der Meister der Fuge und des Kontrapunktes, Johann Sebastian Bach, dokumentierte seine große Klasse durch Ludwig Frankmar.

Das Instrument und seine Saiten indes fühlten sich in der Klosterkirche, vor der Pause im Hauptschiff, nach der Pause — eine Neuerung — im restaurierten Kreuzgang, gar nicht so wohl. Nach jedem Satz mussten die Saiten neu gestimmt werden. Eine Ursache dafür war nach Auskunft des Besitzers wohl die hohe Luftfeuchtigkeit.