Kläranlage Düren: WVER minimiert Gestank und kündigt Investitionen an

Millionen für Kläranlage Düren : Der Gestank soll jetzt bis Ostern verschwinden

Jahrelang hat der Wasserverband Eifel-Rur (WVER) die Anwohner im Umfeld der Kläranlage Düren mit der Geruchsbelästigung allein gelassen. Abhilfe wurde versprochen, ohne dass wirklich etwas geschah.

Je nach Windrichtung vermieste der wie faule Eier riechende Schwefelwasserstoff den Bürgern in Teilen von Huchem-Stammeln, Merken und  Birkesdorf den Aufenthalt im Freien.

Eine „Beeinträchtigung der Lebensqualität“, für die sich der seit Juni 2017 verantwortliche Vorstand Dr. Joachim Reichert  bei einem Ortstermin noch einmal  ausdrücklich entschuldigte. Bis Ostern soll das Problem nun verschwinden.

Bis dahin sollen mit gut halbjähriger Verspätung die Arbeiten am Ende 2017 begonnenen Maßnahmenpaket endlich abgeschlossen und die Anlagenteile am Zulauf der Kläranlage, die als größte Geruchsquellen identifiziert wurden, endgültig abgedeckt sein, erklärt der zuständige WVER-Projektleiter Thomas Meurer. Bislang sind der offene Zulauf und das sogenannte Sandfanggerinne, von dem aus das Abwasser (zwischen 800 und 1700 Liter pro Sekunde) auf die Vorklärbecken verteilt wird, nur  provisorisch verkleidet.

Provisorische Abdeckung der Sandfangrinne auf der Kläranlage Düren. Foto: ZVA/Jörg Abels

Dennoch kann seit Dezember die geruchsbelastete Luft zum Teil bereits abgesaugt und durch einen Biofilter geschickt werden,  in wenigen Wochen soll dann der Probebetrieb mit einer Wasserstoffperoxid-Wäsche starten, die die Geruchselemente in der Luft eliminieren wird, erklärt Reichert.  „Das wird bereits eine signifikante Verbesserung der Luftqualität mit sich bringen“, verspricht Meurer.  Als Letztes werden die Rechen- und Sandfangcontainer eingehaust, so dass auch die Luft aus diesen Gebäuden durch die „Waschanlage“ geleitet werden kann.

Insgesamt habe der WVER seit Mitte  2017 bereits 51 kleinere und größere Maßnahmen zur Geruchsminderung umgesetzt, betont der Projektleiter. Gerüche gänzlich vermeiden, werde man aber auch in Zukunft nicht können. Deshalb bittet er die Anwohner, sich auch in Zukunft zu melden. 

Zurzeit hat der WVER auf der Kläranlage Düren noch das Problem, dass die Verbrennungsanlage stillsteht und der anfallende Klärschlamm mit Lkw abtransportiert werden muss.  Doch diese weitere Geruchsquelle sollte in wenigen Tagen wieder versiegen, wenn die nötigen Ersatzteile für die Verbrennung vor Ort geliefert und eingebaut werden können, betont Meurer.

Der provisorisch abgedeckte Zulauf der Kläranlage Düren mit der neuen Abluftreinigungsanlage im Hintergrund. Foto: ZVA/Jörg Abels

Dass sich die Umsetzung der Baumaßnahmen zur Geruchsminderung sehr zum Verdruss der Anwohner noch einmal verzögert habe, begründen Meurer und Reichert mit einer Vielzahl von Faktoren, auch internen Fehlern, wie die WVER-Verantwortlichen selbstkritisch betonen.  Vor allem aber habe es an Problemen mit der Auftragsvergabe und dem Ausfall wichtiger Mitarbeiter der Baufirmen gelegen.  Auch die 2018 explodierte  Legionellenbelastung  im an der Kläranlage ankommenden Abwasser  habe zu  Verzögerungen geführt.

Arbeiter hätten aus Sicherheitsgründen zeitweise maximal sechs Stunden pro Tag und nur mit Mundschutz in den sensiblen Bereichen der Kläranlage arbeiten dürfen. Ein Problem, dass der WVER erst nach mehreren Wochen in den Griff bekommen hat.  „Mittlerweile ist eine großtechnische UV-Behandlungsanlage zur Desinfektion des Abwassers am Ende des Reinigungsprozesses installiert.“ 

95 Prozent frei von Legionellen 

„Das Abwasser, das unsere Anlage verlässt, ist jetzt zu mehr als 95 Prozent frei von Legionellen“, versichert Reichert.  In den kommenden zwei bis drei Monaten will der WVER beobachten,  ob die Desinfektionsanlage einwandfrei funktioniert, Dann sollen die noch bestehenden Warnungen für den Unterlauf der Rur endgültig aufgehoben werden. Ausschließen, dass auch in Zukunft mit dem Abwasser Legionellen in die Kläranlage gelangen, könne man nicht, dafür seien die Lebensbedingungen für die Bakterien im warmen industriellen Abwasser einfach zu gut. 

Rund 3,4 Millionen Euro hat der WVER in den vergangenen Monaten in der Kläranlage Merken investiert. Weitere Millionen werden bis 2024 folgen, kündigt der zuständige Abwasserdezernent Thomas Rolfs an.  Denn die 1974 erbaute und 1992 erweiterte Kläranlage, in der nicht nur das private und industrielle Abwasser aus der Stadt Düren und der Gemeinde Kreuzau, sondern auch einiger weiterer umliegender Orte gereinigt wird, soll mit modernster Klärtechnik ausgestattet werden. 

Auch eine Kapazitätserweiterung um 10 bis 15 Prozent ist geplant. Unter anderem will der WVER die sanierungsbedürftige Kläranlage in Niederzier-Krauthausen schließen und das dort anfallende Abwasser  Richtung Düren pumpen. Der WVER-Vorstand spricht von Investitionen in die Kläranlage Düren im zweistelligen Millionenbereich, die derzeit geplant würden.

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