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Kreis Düren: Kitas zwischen Bürokratie und Baurecht

Kreis Düren : Kitas zwischen Bürokratie und Baurecht

Düren Drohen die traditionellen Übernachtungsfeste in Kindertagesstätten für die Jungen und Mädchen, die nach den Sommerferien in die Grundschule kommen, künftig an der Bürokratie zu scheitern? Die Landesregierung Nordrhein Westfalens hält sie jedenfalls für genehmigungspflichtig.

Für viele Kindergartenkinder ist es ein Highlight: die Übernachtung in der Kita am Ende der Kindergartenzeit, bevor die angehenden i-Dötzchen in die Schule entlassen werden. Mit dem kleinen Abenteuer für die Kita-Kinder könnte allerdings möglicherweise bald Schluss sein, denn laut einem Erlass vom zuständigen NRW-Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung sind solche Veranstaltungen baurechtlich in den meisten Fällen nicht rechtens.

In einem Schreiben des Ministeriums heißt es, dass das Übernachten in Kitas nur dann erlaubt ist, wenn eine entsprechende Baugenehmigung vorliegt, die Übernachtungen miteinschließt. Sei das nicht der Fall, handele es sich um eine „genehmigungspflichtige Nutzungsänderung“. Demnach muss jede Kita einmalig prüfen, ob eine solche Genehmigung vorliegt und ansonsten eine Nutzungsänderung bei der kommunalen Bauaufsicht beantragen. Ansonsten müssten neue Brandschutzkonzepte erstellt und dazugehörige bauliche Maßnahmen vorgenommen oder angepasst werden.

„Grundsätzlich ist das richtig“, sagt Ansgar Kieven, Leiter des Jugendamtes der Stadt Düren als Träger von zehn städtischen Kitas. „Richtig ist aber auch, dass es schon heute viele Einrichtungen gibt, in denen Kinder auch schlafen.“ Zum Beispiel, weil die Jungen und Mädchen noch ihren Mittagsschlaf brauchen. „In Kitas, in denen es schon Schlafplätze gibt“, sagt Kieven, „dürfen auch angehende Schulkinder zum Abschluss des Kindergartenjahres übernachten. Dann braucht es keine Nutzungsänderung. Normale Gruppenräume dürfen allerdings nicht zum Schlafen genutzt werden.“

Der Kreisverband Düren der Arbeiterwohlfahrt ist Träger von 22 Kindertagesstätten in Stadt und Kreis Düren. Awo-Geschäftsführerin Leonore Küpper-Beckers: „Für unsere Kinder ist die Übernachtung sehr wichtig. Mit vielen anderen Kindern zum ersten Mal woanders schlafen, ist eine besondere Erfahrung, die wir den Kindern nicht nehmen wollen.“

Alle Awo-Kitas, ergänzt Küpper-Beckers, seien mit Brandmeldeanlagen ausgestattet.“ Darüber hinaus sei es wichtig, für die Übernachtung in der Kita Nachtwachen einzurichten. „Bei uns gibt es solche Wachen, und ich denke, so steht den Übernachtungsfeiern nichts mehr im Wege.“

Der katholische Kindergartenträger Profinos unterhält allein im Kreis Düren 32 Kindertagesstätten. Auch hier sind Übernachtungen zum Abschluss der Kindergartenzeit natürlich ein Thema. „Es ist unglaublich, wie sehr die Kinder sich auf diese Nacht im Kindergarten freuen“, sagt Nadine Scherner, pädagogische Leiterin von Profinos. „Aus pädagogischer Sicht ist diese Übernachtung sehr wichtig.“

Gleichwohl kennen auch Nadine Scherer und ihre Kollegin Sandra Montzka die Problematik. „Die baurechtlichen Voraussetzungen“, sagt Montzka, „sind nicht neu. Die hat es immer schon gegeben.“ Deswegen würden die Verantwortlichen der Profinos-Einrichtungen alle Übernachtungen in den Kitas immer Polizei und Feuerwehr melden und bei den betroffenen Bauämtern der Kommunen einen Antrag auf vorübergehende Nutzungsänderung stellen. Montzka: „Damit sind wir immer gut gefahren.“

Neu sei eine Arbeitsschutzproblematik. „Die Erzieherinnen dürfen nicht länger als zehn Stunden am Stück arbeiten und müssen davor und danach Ruhephasen einhalten.“ Wie dieses Problem gelöst werden könnte, würde derzeit geprüft. Denkbar sei zum Beispiel, die Übernachtungen am Wochenende stattfinden zu lassen. „Wir suchen aber noch nach Lösungen“, sagt Montzka. „Und werden das Thema bei einer Leiterinnenkonferenz diskutieren.“