Kirchenvorstände der Dürener Pfarrer St. Lukas berichten

Wahlen im Bistum Aachen : Kirchenvorstände aus Düren berichten von ihrer Arbeit

Eine Wahlbeteiligung von deutlich unter vier Prozent, in vielen Pfarreien große Schwierigkeiten, geeignete Kandidaten zu finden – auf den ersten Blick könnte man meinen, dass Gremien, wie der Kirchenvorstand (KV) die Menschen, auch die Katholiken, nicht mehr sonderlich interessieren.

Am Wochenende werden in den 326 Kirchengemeinden des Bistums Aachen neue Kirchenvorstände gewählt. Anlass für unsere Zeitung am Beispiel der Dürener Großpfarre St. Lukas mit knapp 18 000 Gemeindemitgliedern einmal aufzuzeigen, welche Rolle Kirchenvorstandsmitglieder eigentlich übernehmen.

Der Altersdurchschnitt des Kirchenvorstands von St. Lukas liegt bei knapp unter 60 Jahren. Ulrich Kloock ist 50 Jahre alt und seit sechs Jahren KV-Mitglied. Er beendet mit der Wahl am Wochenende (siehe Themeninfo) seine erste Amtsperiode. Lambert Hermanns (80) ist seit 20 Jahren Kirchenvorstand – zuerst in St. Josef, nach der Fusion der sechs Dürener Innenstadtpfarreien vor acht Jahren in St. Lukas. Seine Amtszeit endet erst in drei Jahren, weil immer nur die Hälfte des KVs neu gewählt wird. „Eine gewisse Konstanz“, sagt Hermanns, „ist wichtig. Die Aufgaben sind diffizil. Da ist es sicher sinnvoll, wenn mindestens die Hälfte der Mitglieder damit schon vertraut ist.“

Die Zahl der Mitglieder des KVs richtet sich nach der Zahl der Gläubigen in der Pfarre. In St. Lukas sind es 16 (aktuell zwei Frauen und 14 Männer) plus die beiden Pfarrer Hans-Otto von Danwitz und Ernst-Joachim Stinkes. Anders als der GdG-Rat (früher Pfarrgemeinderat), der sich vor allem um die inhaltliche Ausrichtung, also quasi um das Innenleben einer Pfarre kümmert, sind die Kirchenvorstände für Mitarbeiter, Gebäude, Liegenschaften, Kindergärten, offenen Jugendeinrichtungen und Finanzen der Pfarre zuständig. „Bei St.Lukas“, sagt Ulrich Kloock, „können wir da durchaus von einem mittelständischen Unternehmen sprechen.“ St. Lukas beschäftigt 130 Mitarbeiter und ist beispielsweise zuständig für sechs Kindertageseinrichtungen. Das Haushaltsvolumen beläuft sich auf knapp sechs Millionen Euro pro Jahr. Lambert Hermanns: „Die Verantwortung, die man als Kirchenvorstandsmitglied übernimmt, ist groß. Und bei grobem Fehlverhalten würde man übrigens auch mit seinem Privatvermögen haften. Das ist sicher kein Amt, das man so nebenbei bekleiden kann. Und auch nicht tun sollte.“ Auf der anderen Seite, ergänzt der pensionierte Leiter des Berufskollegs für Technik in Düren, sei es aber auch ein Amt, bei dem man wirklich gestalten könne. „Man bekommt die Chance, an zum Teil einschneidenden Entwicklungen mitzuarbeiten und dafür auch die Verantwortung zu übernehmen.“

Gerade in St. Lukas, betont auch Pfarrer Hans-Otto von Danwitz, seien die Gestaltungsmöglichkeiten in den vergangenen Jahren sehr groß gewesen. „Die Entwidmung von St. Bonifatius mit der Entscheidung, dort eine Kindertagesstätte einzurichten, der Umbau von St. Cyriakus in eine Grabes- und Auferstehungskirche , der Erweiterung aller unserer Kitas für die Schaffung von U3-Plätzen, aber beispielsweise auch der Abriss des Roncalli-Hauses in Düren-Süd sind Themen, die unseren Kirchenvorstand beschäftigt haben und die vor allem die Zukunft unserer Pfarre für die kommenden Jahre entscheidend geprägt haben.“ Für Ulrich Kloock, der aus persönlichen Gründen nicht erneut für den KV kandidiert, sind das alles Gründe, warum dieses Gremium weit mehr ist, als ein „Alt-Herren-Clübchen, das das Geld der Pfarre verteilt“. Kloock: „Mich hat an dieser Aufgabe vor allem gereizt, dass ich einen Einblick hinter die Kulissen unserer Großpfarre bekommen habe.“

Dass die Wahlbeteiligung so gering ist, ist für von Danwitz, Hermanns und Kloock schwer zu erklären. „Viele wissen sicher nicht, was der Kirchenvorstand leistet“, sagt von Danwitz. Und Kloock ergänzt: „Würde man bei der Wahlbeteiligung nicht alle Gemeindemitglieder, sondern nur die Kirchgänger zu Grunde legen, läge die sicher bei 60 Prozent. Ich glaube schon, dass die Menschen, die regelmäßig in die Kirche gehen, interessiert, was wir tun.“ Umgekehrt interessiert die KV-Mitglieder natürlich auch, was die Kirche tut. „Natürlich läuft in der Amtskirche vieles schief“, formuliert es Lambert Hermanns, „trotzdem bin ich aber immer auch kirchentreu. Auch, weil Kirche vor Ort in vielen Belangen viel weiter ist als die Kirche in Rom.“