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Winden: Kirchenchor St. Urban setzt Schlusspunkt

Winden : Kirchenchor St. Urban setzt Schlusspunkt

Am Scheideweg: In den nächsten Jahren wird das Chorsterben erwartet. Betroffen sind vor allem Männerchöre, aber auch gemischte Singgemeinschaften stehen nicht außen vor.

Und selbst renommierte Chorleiter können diese Entwicklung vielfach nicht aufhalten. Der Grund für diese kulturelle Krise ist der Nachwuchsmangel: Junge Leute sind nur sehr bedingt für das traditionelle Liedgut zu begeistern.

Eine bemerkenswerte Entscheidung hierzu hat der Kirchenchor St. Urban Winden getroffen: Die traditionsreiche Gemeinschaft, um 1900 gegründet, entschied sich nicht für das „Dahindümpeln”, sondern für einen ehrenvollen Schlussstrich. Mit einem letzten Konzert am 27. August 2006 ist das Ende erreicht, und ein „da capo”, also eine Wiederholung, gibt es nicht.

Seit 1978 wird der Chor von Johannes Esser geführt, der zugleich Leiter der Dürener Musikschule und der Cappella Villa Duria ist. Unter seiner Führung erlebte der Chor seinen größten Erfolg: Beim Palestrina-Wettbewerb 1995 in Rom erreichte er einen hervorragenden vierten Platz.

Doch vieles hat sich seither geändert. „Mit drei Konzerten und zehn Gottesdienst-Gestaltungen möchte ich vom 28. November 2004 bis 27. August 2006 die kirchenmusikalische Arbeit in St. Urban noch einmal wie in den besten Zeiten gestalten, um sie dann mit einem sehr guten Gefühl und schönen Erinnerungen zu beenden”, erklärt Esser im Gespräch mit der DZ. Natürlich ist dies nur mit Gast-Sängern möglich.

Wie ist dieser eklatante Nachwuchsmangel zu erklären? „Kinder und Jugendliche sind nicht mehr gewöhnt zu singen”, erklärt Esser. Bei Mädchen sei es immer noch einfacher als bei Jungen. Außerdem würden junge Leute lieber an begrenzten Projekten mitarbeiten als an einer fortlaufenden Chor-Arbeit.

Eine gewisse Ausnahme bilden offenbar Gospel-Chöre. Die Rhythmik dieser Musik reißt junge Leute mit. Allerdings, so der erfahrene Chorleiter, müsse man für ein „Locus iste” von Anton Bruckner auch einen vergleichsweise viel größeren Einsatz erbringen. Von seinen Erfahrungen mit der Cappella Villa Duria sieht Esser eine Nische für Jugendliche bei den Chören, die klare Ziele und eine hohen Leistungsanspruch miteinander verbinden und zudem mit vielfältiger Literatur arbeiten.