Kreuzau: Kirchenaustritte: Gesprächsangebot wird nicht angenommen

Kreuzau: Kirchenaustritte: Gesprächsangebot wird nicht angenommen

17 Menschen sind im vergangenen Jahr in der Pfarre St. Martin Drove aus der Kirche ausgetreten, in St. Heribert Kreuzau haben 26 Personen der Kirche den Rücken gekehrt. In Stockheim waren es neun Kirchenaustritte, in St. Fides Thum und St. Gereon Boich jeweils zwei. Pfarrer Karl Gölden hat all die Menschen, die in diesen Pfarren aus der Kirche ausgetreten sind, angeschrieben.

In seinen Briefen schreibt er, dass er diese Entscheidung achtet, er schreibt aber auch, dass sie „ehrliches Bedauern“ auslöst. Pfarrer Gölden, der 37 Jahre in Bolivien tätig war, lädt die Ausgetretenen zum Gespräch ein. „Es geht nicht um Bekehrung“, erklärt er. „Ich suche das Gespräch, um zu wissen, warum die Menschen aus der Kirche austreten. Ich möchte ihnen zuhören.“

So hat auch Pfarrer Georg Scherer im Pfarrbrief folgende Worte gefunden: „Falls Kritik an der Kirche vor Ort zum Rückzug bewegt, möchte ich Gelegenheit zum Äußern geben, damit Veränderungen möglich werden.“ Scherer bedauert im Pfarrbrief aber auch, dass „undifferenziert verurteilt“ werde, dass bei Spendensammlungen für Hilfsorganisationen Sätze wie „Holt Euch das Geld doch vom Bischof“ fallen würden.

Angenommen hat das Gesprächsangebot bislang niemand. Pfarrer Gölden will die Briefe dennoch weiterhin verschicken, wenn Menschen aus der Kirche austreten. Er will weiterhin das Gespräch suchen. „Ich möchte gerne wissen, was für die Menschen anstelle des Glaubens rückt“, beschreibt der Pfarrer. Arbeit und Geld würden heute sicherlich eine sehr große Rolle spielen. „Es bleibt wenig Zeit für andere Dinge“, betont der Pfarrer.

Er weiß, dass für viele Menschen die Skandale in der Kirche ausschlaggebend sind und für ein „Jetzt reicht‘s“ sorgten. Er weiß aber auch, dass diejenigen, die austreten, sich schon länger von der Kirche entfernt haben und die Skandale nur einen letzten Anstoß geben. Materielle Gründe spielten sicher eine Rolle für die Austritte. Und es sei für die Kirche nicht mehr einfach, die Menschen zu erreichen.

„Mich ärgert, dass es oftmals Menschen sind, die im Dienst der Kirche stehen, die mit ihren Handlungen Austrittswellen verursachen“, sagt Pfarrer Gölden und nennt die Pädophilie-Fälle sowie die Debatte um den Limburger Bischof Tebartz-van Elst. „Die Reihe von Skandalen in der Kirche muss enden“, fordert der Pfarrer.

Die positiven Seiten der Kirche würden weniger wahrgenommen, sagt er mit Blick auf Einrichtungen wie Altenheime, Jugendtreffs, Kindergärten. Bestandteil des Alltags zu sein, sei aber auch wichtig, richtig und gut — nicht überall wo Kirche drin sei, müsse das auch groß drangeschrieben werden.

(smb)
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