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Kinkels Woche: Singende Kollegen und rasende Fahrlehrer

Kinkels Woche : Von einem rasenden Fahrlehrer und singenden Kollegen

Eine Bürgerabstimmung über einen Spielplatz-Standort, weil Politiker nicht entscheiden wollen, rasende Motorradfahrer in der Eifel und Sportler, die gerne auch einmal dick sein dürfen. Die Woche in der Lokalredaktion war trotz Osterferien wieder ziemlich abwechslungsreich. Aber lesen Sie selbst!

Oft sind es ja gerade die Dinge, die direkt und unmittelbar vor der eigenen Haustür passieren, die Menschen dazu bewegen, sich zu engagieren. Zum Beispiel im kleinen Heimbacher Stadtteil Vlatten mit knapp 900 Einwohnern, die mobil machen, weil in ihrem Dorf fünf neue Windräder geplant sind, die höher sind als der Kölner Dom. Innerhalb von zwei Tagen hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die schon eine eigene Internetseite hat, und es geschafft hat, noch vor dem Bürgermeister zu einer Info-Veranstaltung einzuladen.

Dass Bürgerbeteiligung nicht immer funktioniert, zeigt das Beispiel Müddersheim. Dort leben immerhin knapp 750 Menschen, der Ort ist gut sechs Quadratkilometer groß. Müddersheim braucht einen neuen Standort für den Spielplatz. Die Vettweißer Gemeindeverwaltung plädierte für einen Standort am Sportplatz am Ortsrand. 150 Bürger sprachen sich bei einer Unterschriftensammlung dafür aus, den neuen Spielplatz an einem zentraleren Ort (von sechs Quadratkilometern!) zu bauen.

Bis hierhin ist alles gut. Wenn denn die Vettweißer Kommunalpolitiker eine Entscheidung getroffen hätten. Dafür haben die Bürger sie schließlich gewählt. Haben Sie aber nicht. Sie lassen lieber die 627 wahlberechtigten Müddersheimer am Sonntag abstimmen. Mit Wahlunterlagen und Wahllokal – eben allem, was dazugehört. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Wahlbeteiligung ziemlich gering sein wird. Schon jetzt kündigt der Bürgermeister aber an, der Empfehlung der Bürger trotzdem folgen zu wollen – egal, wie viele abstimmen.

Die Düren Demons starten in die neue American Football-Saison. Foto: Jan Reuvekamp

Ganz ehrlich? Es gibt Situationen, da sind Bürgerentscheidungen gut und richtig. Aber nicht, wenn es um einen neuen Standort für einen Spielplatz geht. Bei so einer Frage sollten Politiker in der Lage sein, sich selbst eine Meinung zu bilden (gerne auch im Gespräch mit den Bürgern) und eine Entscheidung zu fällen. Das ist nämlich ihre Aufgabe – übrigens auch bei vermeintlich unangenehmen Themen.

Dass am Osterwochenende die Motorradfahrer das schöne Wetter zu Eifeltouren genutzt haben, war zu erwarten. Dass viele deutlich zu schnell unterwegs waren auch. Dass aber ein Fahrerlehrer aus Köln mit 111 Stundenkilometern an der Abtei Mariawald vorbeigerast ist, wo nur 50 km/h erlaubt sind, ist schon ein starkes Stück. Von Vorbildfunktion hat dieser Zeitgenosse vermutlich noch nie was gehört. Mich würde mal interessieren, wie er seinen Schülern erklärt, warum er jetzt eine Weile weder fahren noch unterrichten darf...

Die Menschen in Morschenich sind in diesen Tagen Kummer gewohnt. Der Konflikt um den Hambacher Forst wird in ihrem Dorf besonders deutlich. Viele sind schon umgesiedelt und haben Sorge, dass Morschenich nach der Entscheidung der Kohlekommission überhaupt nicht mehr weggebaggert werden muss. Aktivisten, die den Restwald retten wollen, haben in Morschenich ihr „Hambi-Camp 2.0“ eingerichtet.

Immer wieder kommt es zu Hausfriedensbruch, weil Aktivisten leer stehende Häuser besetzen. Erst in dieser Woche gab es einen größeren Polizei- und Feuerwehreinsatz, weil Besetzer vom Dach eines Hauses geholt werden mussten. Ganz abgesehen davon, wer so einen Polizeieinsatz eigentlich bezahlen muss, sind die Geschehnisse in ihrem Heimatort für die Morschenicher sicherlich unerträglich. Ihnen ist zu wünschen, dass endlich Ruhe einkehrt.

American Football hat in Düren schon mehr als 15 Jahre Tradition. Am Samstag, 4.Mai, starten die Düren Demons mit ihrem einem Heimspiel und ihrem neuen Trainer Sebastian Granderath in die neue Saison. Und der hat etwas Bemerkenswertes gesagt: „Für American Football braucht man schlanke, wendige, aber auch große, dicke Sportler.“ Wer hätte gedacht, dass es neben dem Sumoringen noch anderen Sportarten für korpulentere Menschen gibt. Die findet man übrigens beim Football eher schwer, hat Granderath noch hinzugefügt. Das liegt aber vermutlich daran, dass die Großen und Dicken immer in der ersten Reihe stehen und die geballte Kraft der Angreifer des gegnerischen Teams ziemlich ungebremst abbekommen…

Ich habe Ihnen zwar immer wieder mal vom Testosteron-Zimmer und dem Rosa Salon in unserer Redaktion erzählt, nie aber von unserer „Außenstelle Aachen“ und dem Kollegen, der dort arbeitet. Das ist ein ganz Netter, vor allen Dingen deshalb, weil er immer ein Liedchen auf den Lippen hat, dass er uns textmäßig fast jeden Morgen per E-Mail übermittelt. Gestern war es „Einsamkeit“ von den „Bläck Fööss“.

Logisch, dass ich sofort mit einem Mutmacher gekontert habe, nämlich „Und immer, immer wieder geht die Sonne auf“ von Udo Jürgens. Übrigens hat das mit dem Singen in der Redaktion eine sehr lange Tradition. Ich singe gerne, aber nur nach eigenen Angaben sehr gut. Deswegen haben mir die Kollegen das laute Trällern nur montags erlaubt. Umso mehr freue ich mich natürlich über die Gelegenheit des virtuellen Gesangs….

Ihnen und Ihren Lieben wünsche ich ein schönes Wochenende und einen erholsamen ersten Mai. Wie immer gilt: Ich freue mich auf Anregungen und Kritik. Schreiben Sie mir einfach eine Mail.