Kinkels Woche: Graue Vorgärten, Motocross-Fahrer und EU-Projekte

Kinkels Woche : Von Kiesgärten, Stützrädern und Europa im Kreis Düren

Brauchen wir mehr Grün in unseren Vorgärten? Und mehr Diskussionskultur in manchen politischen Gremien? Und warum spielt Europa auch im Kreis Düren eine Rolle? Antworten gibt es hier. Lesen Sie selbst!

Überall wird in diesen Tagen über Steinvorgärten diskutiert. Klar, über Geschmack kann man in dem Zusammenhang nicht streiten, und vermutlich gibt es wirklich Menschen, die grauen Kies in größeren Mengen schön finden. Dass unser Vorgarten zu Hause in Sachen Grün und Gestaltung noch sehr viel Luft nach oben hat, sage ich nur, damit Leser dieser Kolumne, die meinen Garten kennen, jetzt keinen Lachkrampf bekommen. Frei nach dem Motto: Die, die mit Gartenarbeit nichts am Hut hat, schreibt über Gärten. Tut sie aber trotzdem.

Ich kann Menschen, die sich möglichst pflegearme Gärten wünschen, sehr gut verstehen. Und ja, in unserem Vorgarten überwiegen auch die Pflastersteine, die meine Großeltern ausgesucht haben, deutlich das Grün. Aber es gibt Pflanzen, immerhin. Und die Diskussion um Steingärten ist gut und wichtig. Weil wir immer mehr dafür sorgen, den Lebensraum von Insekten zu zerstören. Imker Peter Hendle aus Heimbach hat uns anlässlich des „Weltbienentag“ ein Interview gegeben und ausdrücklich gesagt, dass Pflanzen für Insekten das A und 0 sind. Vielleicht können sich das auch die Freunde von Steingärten ein bisschen zu Herzen nehmen.

In dem Zusammenhang habe ich sehr über die Mail von Dirk Heidbüchel gelacht. Der ist Landschaftsgärtner und hat schon vor sieben Jahren ein Schild mit der Aufschrift „Dieses ungepflegte Grundstück gehört nicht zu Haus Nummer 8“ fotografiert. Zu sehen ist satter, grüner Rasen mit gelben Blümchen. Von ungepflegt weit und breit keine Spur. Es sei denn, man mag Kies…

Ohne Worte ... Foto: Dirk Heidbüchel

Die Enttäuschung von Rainer Bartz ist nachvollziehbar. Bartz ist seit 23 Jahren Vorsitzender von Jugendsport Wenau, dem zweitgrößten Fußballverein im Kreis Düren. Seit 1999 hat der Club in seine Sportanlage mehr als eine Million Euro investiert, nur knapp 80.000 Euro hat die Gemeinde Langerwehe übernommen. Jetzt muss der Kunstrasenplatz saniert werden, und Jugendsport Wenau möchte dafür 69.202 Euro aus der Gemeindekasse haben. Die Entscheidung wurde vertagt. Dem Verein wurde vorgeworfen, keinen soliden Finanzierungsplan vorgelegt zu haben. So weit so gut. Langerwehe muss sparen.

Gerade wurde die Trägerschaft für die Gemeindebücherei abgegeben, beim Töpfereimuseum soll es massive Einsparungen geben. Da ist es nur richtig, wenn die Kommunalpolitiker sich gründlich überlegen, wofür sie das eigentlich nicht vorhandene Geld ausgeben. Gleichwohl sind Fragen wie die der CDU-Fraktionsvorsitzender Astrid Natus-Can, ob man sich Sorgen um einen Verein machen müsse, der angeben würde aufgrund seiner finanziellen Situation keine weiteren Darlehensaufnahmen mehr verantworten zu können, einer guten, konstruktiven Diskussion nicht förderlich. Im Gegenteil: Sie sorgen für Unmut, schaffen Nebenschauplätze und lassen nicht wirklich darauf hoffen, dass sich für die Wenauer Fußballer möglichst bald eine Lösung findet, mit der alle leben können.

Zwei Dinge haben mich wirklich in dieser Woche überrascht – und beide haben mich gleichermaßen gefreut. Es gibt unzählige Projekte im Kreis Düren, die unmittelbar mit Europa zu tun haben, und zwar nicht nur am Forschungszentrum und an der Fachhochschule Aachen, sondern auch in Nideggen und an den diversen Europaschulen im Kreis Düren. Europa ist also gar nicht so weit weg, wie viele Menschen glauben. Mindestens genau so erfreulich ist die Tatsache, dass schon heute viel mehr Menschen für die Europawahl Briefwahl beantragt haben als vor fünf Jahren. Das lässt auf eine einigermaßen gute Wahlbeteiligung hoffen. Und ganz ehrlich? Nicht wählen zu gehen, ist einfach keine Option. Machen Sie bitte am 26. Mai Ihr Kreuzchen – allein schon, um zu zeigen, wie wichtig Europa ist.

In den vergangenen Jahren wurde im Kreis Düren eigentlich immer nur über Schulschließungen und -zusammenlegungen diskutiert. In Nörvenich ist genau das Gegenteil der Fall. Die Gemeinde wächst, die Geburtenraten steigen – und die Grundschule wird bald zu klein sein. Für die Ratsmitglieder bedeutet das viel Arbeit. Die jüngste Sitzung hat schlappe dreieinhalb Stunden gedauert. So lange wurde über den Erweiterungsbau diskutiert. Schön, dass keiner darüber gemeckert hat, sondern sich alle zumindest in einem Punkt einig waren: Es ist schön, dass Nörvenich (wieder) eine kinderreiche Kommune wird.

Die Grundschule Nörvenich muss erweitert werden. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

Als Tim Prümmer drei Jahre alt war, hat sein Vater ihn zum ersten Mal mit zu einem Motocross-Rennen nach Kleinhau genommen. Der kleine Tim, heute übrigens WM-Dritter in der Seitenwagenklasse, war so begeistert, dass er sofort ein eigenes Kindermotorrad verlangt hat. Der Vater hat nicht lange überlegt und seinem Sohnemann versprochen, eine Motocross-Maschine zu bekommen – allerdings erst dann, wenn Klein-Tim ohne Stützräder Fahrradfahren kann. Tja, mit so viel Willen hat Papa Prümmer dann wohl nicht gerechnet. Fakt ist aber: Die Stützräder kamen am nächsten Tag ab, und eine Rennfahrer-Karriere begann.

Ich bin Ihnen noch eine Erklärung aus der vergangenen Woche schuldig: Die beiden Herren aus dem Testosteron-Zimmer haben mir – glaubhaft – versichert, dass das „Kölsche Jrundjesetz“ nicht aufgehängt wurde, um ihr Zusammenleben zu regeln, sondern um den Kolleginnen zu zeigen, wie die Einstellung der Herren ist. Nötig wäre das natürlich nicht gewesen, aber damit kann ich leben. Das „Kölsche Jrundjesetz“ ist für mich der Inbegriff von Toleranz, gutem Miteinander, von „leben und leben lassen“. Und das gilt natürlich auch für das Testosteron-Zimmer und den Rosa Salon.

Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich wie immer an dieser Stelle ein schönes Wochenende. Wenn Sie mir schreiben wollen, tun Sie das viel und oft! „Kinkels Woche“ macht eine kurze Pause, weil die Autorin eine Auszeit braucht. Am 1. Juni bin ich aber wieder für Sie da! Bis dahin.

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