Niederau: Kinder entdecken die Vielfalt des Waldes

Niederau: Kinder entdecken die Vielfalt des Waldes

Den traditionellen Lernort Klassenzimmer haben die Kinder an diesem Tag gerne gegen den Wald eingetauscht. Da ist dann auch der Regen nicht so schlimm, der immer mal wieder die Schüler überrascht. Bei den vierten Waldjugendspielen des Dürener Service Betriebs (DSB) wurden diese ­Woche über 600 Schüler an 16 Stationen im Burgauer Forst über den Wald informiert.

Dabei konnten die Kinder die verschiedenen Aspekte des Waldes — Natur, Erholung, Wirtschaft — aus nächster Nähe kennenlernen. Dass dies in Zeiten von Ganztagsschulen auch nötig sei, betonte die Leiterin der Grundschule Merken, Eva-Maria Rinkens-Seebald, die die Waldjugendspiele geleitet und mitorganisiert hat. „Die meisten Familien haben in der Woche keine Zeit mehr, in den Wald zu gehen“, sagte sie und konstatierte: „In der wenigen Freizeit zeigen viele Eltern ihren Kindern dann nicht den Wald, obwohl er so nah ist.“

In der „Rollenden Waldschule“ konnten die Kinder anhand von Präparaten viele Tierarten aus der Nähe kennenlernen.

Volles Programm

Bei den Aktionstagen im Forst gab es dann das volle Wald-Programm. Nach Stationen zur Funktion des Bodens und der wirtschaftlichen Nutzung des Waldes, hatten die Kinder besonderen Spaß an den Tierstationen. Neben einem 750 Kilogramm schweren Holzrückepferd, das demonstrierte, wie mitunter auch heute noch Pferde in der Holzwirtschaft eingesetzt werden, weckte vor allem das Angebot der Greifvogelstation Hellenthal Begeisterung bei den Kleinen.

Falkner Karl Fischer und sein Team hatten Vögel in jeder Größenordnung mitgebracht — von der kleinen Zwergohreule, die nur etwa 20 cm groß wird, bis zum Weißkopfseeadler, dem Wappentier der USA. Beim Flug über die Köpfe der Schüler breitete dieser dann auch seine großen Flügel aus.

Die Kinder bekamen außerdem die Möglichkeit, einen Kordilleren-Adler auf der Hand zu halten und damit stolz für ein Erinnerungsfoto zu posieren.

Ebenso spannend wie die Greifvögel war die „Rollende Waldschule“ der Kreisjägerschaft Düren, in der zahlreiche Tierarten mithilfe von Präparaten aus nächster Nähe betrachtet und auch angefasst werden konnten. „Die Kinder lernen hier die heimische Tierwelt kennen und sind Arten ganz nah, die sonst gar nicht oder nur aus der Ferne zu sehen sind“, unterstrich Andreas Nießen.

Der Dürener Stadtförster hatte mit seinen Mitarbeitern in den Tagen zuvor die Wege verkehrssicher gemacht und den Parcours aufgebaut, auf dem auch die Waldgeschichte nicht zu kurz kam. So entdeckten die Schulklassen neben Bäumen, die in der Vergangenheit von Blitzen getroffen wurden, auch Schützengräben aus dem Zweiten Weltkrieg.

Seit 1970 gibt es in deutschen Forsten schon Waldjugendspiele, für Schulen aus dem Dürener Stadtgebiet fanden sie dieses Jahr zum vierten Mal statt. Dabei geht es darum, den Wald „nicht nur als grüne Oase kennenzulernen“, wie Rinkens-Seebald erklärte, „sondern in all seinen Facetten.“ Das Angebot ist für die teilnehmenden Schulen kostenlos und findet bei Lehrern und Schülern großen Anklang.

„Die Kinder haben hier sehr viel Spaß“, stellte Ruth Dortu, Grundschullehrerin in Lendersdorf, fest und betonte, dass man versuche, häufig mit den Kindern in den Wald zu gehen und ihn als Lernort zu nutzen. Dass der Wald barrierefrei ist, bewiesen die Organisatoren ebenfalls. Extra für Besucher der Dürener Blindenschule haben sie den Parcours angepasst, damit jeder die tolle Lernerfahrung im Wald mitnehmen kann.

Schulleiterin Rinkens-Seebald und Stadtförster Nießen sind sich sicher, dass sie eine wichtige Aufgabe erfüllen: „Vielleicht tragen wir dazu bei, dass Stadtkinder wieder gerne in den Wald gehen.“

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