Vossenack: „Kein Ort für Verehrung“: Mahnmal der „Windhund-Division“ umstritten

Vossenack : „Kein Ort für Verehrung“: Mahnmal der „Windhund-Division“ umstritten

Was der „Flammenengel“ für die Stadt Düren ist, ist die „Windhund-Division“ für den Hürtgenwald: Es besteht offensichtlich Diskussionsbedarf. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie ein verantwortungsvolles Gedenken der Toten des Zweiten Weltkriegs aussieht, wie eine Gesellschaft ihre Geschichte aufarbeitet.

In der vergangenen Woche war der umstrittene Schöpfer des Mahnmals, das an die Zerstörung Dürens im Zweiten Weltkrieg erinnert, Thema eines offenen Gesprächs am Jahrestag des Luftangriffs. Das Fazit der Historiker: Adolf Wamper hatte ein NSDAP-Parteibuch. Aber dieses sollte ihm Aufträge verschaffen, er sei ein Mitläufer der „mildesten Sorte“.

Diese Skulptur wurde als Mahnmal für die Gefallenen der „Windhund“-Division errichtet.

Kritik wurde in der Vergangenheit auch an den Infotafeln laut, die auf private Initiative in Vossenack am Mahnmal der „Windhund-Division“ aufgestellt wurden. „Die Taten der Division werden illustriert, aber es fehlt eine kritische Auseinandersetzung mit der Rolle der Wehrmacht“, monierten die Bundestagsabgeordneten Dietmar Nietan (SPD) und Oliver Krischer (Grüne). Das vermittelte Geschichtsbild entspreche nicht dem Stand der Forschung, besonders werde der Befehlshaber der Division, General Gerd Graf von Schwerin“, „beinahe glorifizierend“ dargestellt. Eine Kriegsgräberstätte sei aber „kein Ort für Verehrung und Helden-Mythen“, sondern ein Ort des Gedenkens und der Versöhnung.

Das Gelände des vom Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge (VDK) gepflegten Soldatenfriedhofs gehört dem Kreis. Auf einer benachbarten Parzelle, ebenfalls im Besitz des Kreises, steht das Mahnmal. Wie Landrat Wolfgang Spelthahn, der auch Kreisvorsitzender des VDK ist, bestätigte, sei der VDK-Landesverband auf Initiative der im Kreistag vertretenen Fraktionen und der Bundestagsabgeordneten in Absprache mit der Gemeinde Hürtgenwald angeschrieben worden. Die Politiker bitten darum, die „Dokumentation“ einer historischen Aufarbeitung zu unterziehen. Mit Bezug auf die Bezeichnung „Ehrenfriedhof“ wurde ebenfalls um eine Einschätzung gebeten. Die Soldatenfriedhöfe in Vossenack und Hürtgen werden so bezeichnet, der VDK nutzt sonst den Begriff „Kriegsgräberstätten“.

„Ich möchte den Soldaten nicht die Ehre abschneiden, aber dort liegen nicht nur ehrbare Menschen“, sagte Dietmar Nietan. Der SPD-Politiker ist Mitglied des VDK-Landesvorstands. In Vossenack sei beispielsweise Generalfeldmarschall Walter Model beigesetzt worden. „Außer Neo-Nazis möchte wohl niemand prominente NS-Vertreter ehren“, mutmaßt Nietan. Auch er sehe eine Pflicht der Gesellschaft, der Toten zu gedenken. „Aber alles muss auf einer adäquaten Basis stehen.“

Der Begriff „Ehrenfriedhof“ biete Rechtsradikalen die Möglichkeit, das Gedenken im Sinne ihrer Ideologie umzudeuten. „Dort liegen tote Soldaten. Viele von ihnen waren sehr junge Männer, deren Tapferkeit von einem verbrecherischen System missbraucht wurde“, sagt Nietan. Nicht der „Mythos der Kameradschaft“ stehe im Vordergrund, sondern eine Aufarbeitung, die weitere Kriege verhindere.

Die Soldaten verteidigten nicht die Heimat, sondern sie verlängerten mit dem Befolgen der Befehle, „bis zur letzten Patrone zu kämpfen“, das Morden und den NS-Terror, bilanziert der renommierte Historiker Ian Kershaw in seinem aktuellen Buch „Das Ende, Kampf bis in den Untergang — NS-Deutschland 1944/45“. Auch General von Schwerin sei keine heldenhafte Figur, betont der Historiker. Er habe weder die angesichts der militärischen Lage sinnlosen Durchhaltebefehle verweigert, noch humanitäre Hilfe für die Bevölkerung organisiert.

In der akuten Krisensituation habe er den Möglichkeiten entsprechend alles geleistet, um die Befehle des Regimes auszuführen. Erst in der „wetterwendischen“ Nachkriegserinnerung sei er zum „Retter von Aachen“ erhoben worden. Eine Darstellung, die sich so auch in Vossenack findet. Die Aachener Historiker Christoph Rass, René Rohrkamp und Peter M. Quadflieg haben die Rolle Schwerins bereits 2007 untersucht. Im Zuge dieser Forschungsarbeit wurde eine nach dem General benannte Straße umgetauft. Unter anderem, weil von Schwerin zwei Jugendliche erschießen ließ, die zwei Brote gestohlen hatten.

Auf die Bitte aus dem Kreis Düren kam Mittwoch auch eine Antwort des VDK, berichtete Nietan. Wenn gewünscht, wird der wissenschaftliche Beirat des Volksbundes Empfehlungen zu einem zeitgemäßen Gedenken in Vossenack erarbeiten. Der VDK empfahl zudem, den Begriff „Ehrenfriedhof“ nicht zu verwenden.

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