Langerwehe/Düren: Kein interkommunales Gewerbegebiet von Gemeinde und Stadt?

Langerwehe/Düren: Kein interkommunales Gewerbegebiet von Gemeinde und Stadt?

Wenn der Langerweher Rat am Donnerstagabend zusammentrifft, wird ein Punkt verhandelt, der bereits am Mittwoch für Aufsehen, Erstaunen und Spekulationen sorgte: Im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung soll entschieden werden, dass die Gemeinde mit der Stadt Düren kein gemeinsames Gewerbegebiet entwickeln wird.

Lange Zeit sah es nach dem genauen Gegenteil aus: Langerwehe und Düren wollten 110 Hektar Land für die Ansiedlung von Unternehmen zur Verfügung stellen. Nun wollen alle im Langerweher Gemeinderat vertretenen Fraktionen diesen Weg offenbar nicht mehr gehen und das Gebiet stattdessen mit einem anderen Partner entwickeln. In Rede steht der Energiekonzern RWE, der über ein Tochterunternehmen (RWE Power) die Braunkohletagebaue in der Region betreibt.

Dunkle Wolken über dem geplanten Gewerbegebiet bei Langerwehe: Entscheidet der Rat der Töpfergemeinde heute Abend, aus dem gemeinsam mit der Stadt Düren geplanten Projekt auszusteigen? Foto: Ingo Latotzki

Die sich anbahnende Kehrtwende rief in Düren am Mittwoch Erstaunen und Kopfschütteln hervor. „Ich habe keine Erklärung“ sagt zum Beispiel Henner Schmidt, der Fraktionsvorsitzende der SPD im Dürener Rat. Noch in der vergangenen Woche habe es „ein gutes Gespräch“ mit den Spitzen der Fraktionen und den beiden Bürgermeistern gegeben. Nichts habe darauf hingedeutet, dass es Donnerstagabend in Langerwehe eine Abstimmung über den Ausstieg aus dem gemeinsam geplanten Gewerbegebiet geben könnte.

Auch Thomas Hissel, der Chef der Dürener Wirtschaftsförderungsgesellschaft, war „erstaunt und verwundert“. Beide Kommunen seien auf einem „guten Weg“ gewesen.

Das geplante Gebiet liegt zu rund 90 Prozent auf Langerweher Gebiet, nur zehn Prozent gehören Düren. Die Rurstadt hätte aber die Vermarktung übernommen, die Erlöse sollten geteilt werden, auch wenn darüber abschließend noch nicht verhandelt worden war. Düren wäre auch in der Lage gewesen, Ausgleichsflächen anzubieten, die jede Kommune bereithalten muss, wenn sie ein Gewerbegebiet schaffen will. Zudem wollte die Stadt der Gemeinde eine Fläche für Windräder anbieten, die sie selbst nicht so ohne Weiteres bereitstellen könnte.

Warum also nun die sich abzeichnende Entscheidung am Donnerstagabend? Langerwehe Bürgermeister Heinrich Göbbels hatte immer betont, seine Gemeinde sei bei dem Projekt „nicht der Juniorpartner“. Dem Vernehmen nach fühlen sich die Verantwortlichen der Töpfergemeinde nicht als gleichberechtigte Partner. Außerdem soll es aus Langerwehe Kritik geben, dass die Stadt Düren nun doch nicht der Indeland Gesellschaft beitreten wird und statt dessen betont, dass sie mit ihrer neu aufgestellten Wirtschaftsförderungsgesellschaft eigenständig agieren will..

„Wir haben Alternativen“, sagt Dürens Chef-Wirtschaftsförderer Hissel. Eine interkommunale Zusammenarbeit sei auch mit anderen Gemeinden möglich.

Der Rat der Stadt hat zuletzt beschlossen, an der Kölner Landstraße ein 25 Hektar großes Gebiet zu erschließen. Möglichkeiten für weitere Gewerbeflächen gebe es auch noch an der B56 Richtung Stockheim und im Bereich Talbenden/Rurbenden. So argumentiert auch Dürens CDU-Fraktionschef Stefan Weschke, der die interkommunale Zusammenarbeit mit Kreuzau und Niederzier explizit lobt und für ausbaufähig hält. Mit Blick auf die Entscheidung am Donnerstagabend in Langerwehe spricht er von einer „verpassten Chance“.

Aus der Gemeinde Langerwehe selbst waren mit Verweis auf die nicht-öffentliche Sitzung kaum offizielle Stellungnahmen zu erhalten.

(inla/kin/ja)