Golzheim: Kein Engagementpreis mit NPD-Stimmen: Golzheim verzichtet

Golzheim: Kein Engagementpreis mit NPD-Stimmen: Golzheim verzichtet

Die Mitglieder der Interessengemeinschaft „Golzheim aktiv” sind wütend, fassungslos und traurig. Dabei hatten sie bislang so viel Grund zur Freude. Schließlich war die IG aus dem kleinen Dorf bei der Online-Abstimmung für den Deutschen Engagementpreis im Rennen um Platz eins.

Vor den Golzheimern lag nur das Projekt „Endstation Rechts - Storch Heinar” - eine Internetplattform, die nach eigener Schilderung sachlich und satirisch über rechtsextreme Entwicklungen informiert.

„Mit großer Bestürzung haben wir erfahren, dass auf Internetseiten verschiedener Landesverbände der NPD, rechtsextremer Organisationen und auf deren Facebook-Seiten zu einer Stimmabgabe für die IG ?Golzheim aktiv aufgerufen wurde”, sagt IG-Sprecherin Nicole Monz. „Der Grund dafür ist einzig die Tatsache, dass dem Konkurrenten der Gewinn des Publikumspreises unmöglich gemacht werden soll.”

So wurde vom Facebook-Profil „NPD - Die soziale Heimatpartei” am Freitag folgender Text gepostet: „Den dauerbetroffenen Heulsusen von Endstation Rechts schnappen wir schön die Kohle weg. Abstimmen gegen Antideutsche! Endstation Rechts 10.000 Euro wegschnappen: Wählt alle: Interessengemeinschaft Golzheim aktiv e.V. So gewinnt ein heimatverbundenes Projekt, statt ein antideutsches, und es gehen 10.000 Euro an die Richtigen! Derzeit steht Endstation Rechts mit Storch Heinar auf Platz 1! Also fleißig teilen!” Weitere Facebook-Einträge dokumentieren laut IG, dass es aus diesem Lager Stimmen für die Golzheimer IG gegeben hat. Nicole Monz spricht von mehren hundert Stimmen, die die IG nach den Aufrufen hinzugewonnen habe.

Daraufhin hat die IG „Golzheim aktiv” ihre Teilnahme am Wettbewerb zurückgezogen. „Wir möchten den Wettbewerb nicht mit Stimmen aus dem rechten Lager gewinnen”, sagt Nicole Monz. Die Vorsitzende der IG, Dr. Maria Schoeller, ergänzt: „Wir möchten uns ausdrücklich von jeglichem rechten Gedankengut distanzieren. Wir sind in keiner Weise ein politisch motivierter Verein. Wir möchten die Menschen in unserem Dorf generationsübergreifend zusammenbringen und das Dorfleben mit den Bewohnern und Vereinen attraktiv gestalten. Das ist unsere einzige Motivation.”

Trotz dieser Enttäuschung will der Verein sich nicht von seinem Weg abbringen lassen und seine Ziele weiter verfolgen. „Es war schön zu erleben, wie alle Mitglieder, aber auch viele Menschen über diesen Kreis hinaus, uns unterstützt haben. Das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.”

Die Initiatoren und Förderer des Engagementpreises unterstützen dieses Zeichen gegen Rechts. „Wir werden nicht akzeptieren, dass die Publikumsabstimmung über den Deutschen Engagementpreis von rechtsextremen Gruppierungen missbraucht wird”, sagt Professor Hans Fleisch, der Sprecher des Bündnisses für Gemeinnützigkeit. Welche Auswirkungen die Ereignisse auf den Publikumspreis haben und ob die Abstimmung künftig anders organisiert wird, konnte eine Sprecherin am Sonntag aber noch nicht sagen.