Niederzier: Katz- und Mausspiel im Hambacher Forst dauert an

Niederzier: Katz- und Mausspiel im Hambacher Forst dauert an

Der letzte Klimaaktivist im Hambacher Forst hält die Rettungskräfte von Polizei und Grubenwehr auf Trab. Der Mann, der Mitte Zwanzig sein soll, spielt ein gefährliches Katz- und Mausspiel, bringt sich selbst und seine Retter in Lebensgefahr. Freiwillig will er damit aber erst aufhören, wenn RWE die Zusage gibt, den Wald nicht zu roden. Laut seinen Mitstreitern freut er sich über jede Stunde Verzögerung.

Beinahe hätten die Beamten den Waldbesetzer gestern gefasst, aber eben nur beinahe. In sechs Metern Tiefe unter der Erde des Hambacher Forstes harrte der letzte Waldbesetzer bei Redaktionsschluss noch immer aus. Dabei waren die Beamten so nah dran, konnten den Mann durch einen Rettungsschacht sogar schon sehen. Doch dann entwischte er ihnen. „Er will nicht gerettet werden”, sagte Polizeisprecher Anton Hamacher nach einem weiteren Tag aufwendiger Maßnahmen.

Am späten Donnerstagabend hatte die Polizei das Küchengebäude der Aktivisten, unter dem sich der Schacht befindet, abgebaut und damit die Vorbereitung für die Grabungen abgeschlossen. Quasi vor der „Haustür” der Hütte, in unmittelbarer Nähe zu der Höhle, in der sich der Aktivist aufhielt, hat sich dann ein sogenannter Saugbagger positioniert.

„Dieser ermöglicht ein Arbeiten mit möglichst wenig Erschütterungen und funktioniert wie ein Staubsauger”, erklärte ein Polizeisprecher. Das Erdreich müsse dafür nicht einmal gelockert werden. Der Saugbagger saugte den Platz für Betonringe mit mehr als zwei Meter Durchmesser frei. Stück für Stück bauten Polizei und Grubenretter so einen sicheren Parallelschacht.

Ein kleiner Erdrutsch, der den Aktivisten nicht gefährdet haben soll, spielte der Polizei in die Karten: Sie konnten den Mann sehen und wollten ihn herausholen. Doch der Mann floh. „Dabei hat er eine Stütze umgetreten und einen Teil des Systems zum Einsturz gebracht”, schilderte ein Sprecher. Nach diesem Ereignis war klar, dass der Mann doch nicht an einen Betonklotz gekettet ist, wie er selbst zuvor gesagt haben soll.

Nach dem Einsturz wirkten die Rettungskräfte zunächst ein wenig ratlos, an dieser Stelle konnten sie nicht mehr weiterarbeiten. Mit einer Kamera orteten sie den Mann und stellten Sprachkontakt her. „Dem Mann geht es gut”, sagte ein Polizeisprecher. Er werde mit Frischluft versorgt.

Anschließend begann die Grubenwehr den Schacht, den die Aktivisten gegraben hatten, zu erweitern und zu stabilisieren. Bislang war dieser zu schmal und fragil, und damit für die Grubenretter nicht nutzbar. Langsam aber sicher arbeiteten sie sich am Abend voran.

Das Gelände ist von Bauzäunen umgeben, etwa 100 Polizisten sind stets vor Ort. Zudem sind ehrenamtliche Einsatzkräfte von THW und Freiwilligen Feuerwehren, Statiker und Geologen im Einsatz. Polizeiwagen und technische Geräte bestimmen das Bild unter den Bäumen. An der Straßensperre treffen sich immer wieder ein paar Klimaaktivisten, im Wald sind nur noch einige Banner, die nicht im Weg standen, und die Kreuze an den Bäumen zu sehen.

Mehr von Aachener Zeitung