Straß: Karnevalsmusik „cool hinbekommen“: „Kasalla“ ist für den Echo nominiert

Straß: Karnevalsmusik „cool hinbekommen“: „Kasalla“ ist für den Echo nominiert

„Straß ist ein gutes Dorf“, sagt Florian Peil — und er muss es wissen. Peil (38), Gründungsmitglied, Sänger, Gitarrist und Akkordeonist von „Kasalla“, ist in Straß aufgewachsen ist. Längst ist seine Band, die einst aus einer Bierlaune heraus gegründet wurde, in ganz Deutschland ein Begriff.

Um die 350 Auftritte absolvieren Peil und seine Kollegen jedes Jahr. Zuletzt haben sie im Rahmen ihrer „Heimattour“ auch in Straß ein Konzert gegeben. „Kasalla“ ist in der Kategorie „Volkstümliche Musik“ für den Echo nominiert. Am 12. April fahren Peil und seine Bandkollegen Bastian Campmann, René Schwiers, Sebastian Wagner und Nils Plum zur Preisverleihung nach Berlin. Anlass genug für Sandra Kinkel, sich mit Florian Peil zu unterhalten.

Wie kommt es, dass Sie in Ihrem Heimatort Straß ein Konzert gegeben haben und das auch noch in der ziemlich kleinen Schützenhalle?

Peil: Es ist ja längst ein offenes Geheimnis, dass nur einer unserer Bandmitglieder wirklich aus Köln kommt. Deswegen haben wir uns überlegt, dass wir im Rahmen einer kleinen Tour einmal in die Orte gehen, in denen wir aufgewachsen sind. Deswegen gab es dieses Konzert in Straß. Es ist eine Art Geheimkonzert, für das wir wirklich auch nur in Straß ein bisschen Werbung gemacht haben, damit sich die Straßer und die Leute aus der näheren Umgebung Tickets sichern konnten.

Haben Sie Erinnerungen an den Ort, also ans Schützenheim in Straß?

Peil: Aber hallo! Hier haben wir früher gefeiert, zum Beispiel auch Karneval. In Straß gab es nur eine Kneipe und eben das Schützenheim, wo wir früher schon mal ein Bier getrunken haben. Und auf dem Sportplatz gleich nebenan habe ich als Kind Fußball gespielt.

Was bedeutet Straß für Sie?

Peil: Ich bin regelmäßig hier, weil meine Eltern hier leben. Ich mag das Dorf, aber natürlich bin ich mittlerweile auch schon 20 Jahre weg.

Sie haben „Kasalla“ mit Bastian Campmann vor fast sieben Jahren gegründet. Haben Sie mit so einem Erfolg gerechnet?

Peil: Nein, „Kasalla“ ist aus einer Bierlaune heraus entstanden. Basti und ich haben bei mir zu Hause ein Bier getrunken und darüber gesprochen, dass ich Lieder für die „Bläck Fööss“ schreibe. Irgendwann fiel dann der Satz: „Warum schreibst Du Songs für die ‚Bläck Fööss’? Schreib’ doch deine eigenen Lieder!“ Danach hat es noch sechs Jahre bis zur Gründung von „Kasalla“ gedauert.

Wie viele Auftritte hat „Kasalla“?

Peil: Es hat Jahre gegeben, da haben wir deutlich mehr als 400 Konzerte gespielt. Das war schon ziemlich viel. Während der Karnevalssession haben wir im Schnitt um die 250 Auftritte. Die Zahl der anderen Konzerte haben wir ein bisschen reduziert, dafür sind die Konzerte aber viel größer geworden. Ich denke, wir kommen auf rund 350 Auftritte im Jahr.

Wie erklären Sie sich den

Erfolg?

Peil: Das ist eine schwere Frage, und ehrlich gesagt, kann ich es mir auch nicht so richtig erklären. Als wir uns gegründet haben, waren Kölsche Musik und Karnevalsmusik ziemlich uncool. Wir haben uns vorgenommen, diese Art von Musik eben doch cool hinzubekommen. Das war zunächst einmal ein Experiment, das aber gut funktioniert hat. Wir leben in einer immer globaleren Musikwelt. Ich glaube, da gibt es schon die Sehnsucht vieler Menschen nach einer Nische, einer regionalen Spezialität — so ähnlich wie beim Essen. Aber das hat sich auch erst entwickelt. Wir haben anfangs in Berlin vor 100 Leuten gespielt, mittlerweile kommen mehr als Tausend zu unseren Konzerten.

Können alle die „Kasalla“-Texte mitsingen?

Peil: Ja, können sie. Ich denke, es sind viele Exil-Rheinländer bei unseren Konzerten, aber „Bap“ hat auch gute Vorarbeit geleistet.

„Kasalla“ ist für den Echo nominiert. Was bedeutet Ihnen das?

Peil: Die Nominierung hat uns extrem überrascht. Wir wurden für die Kategorie „volkstümliche Musik“ ausgewählt, was schon ein bisschen skurril ist. Wir treten gegen „Santiano“, „Voxxclub“, die „Kastelruther Spatzen“ und die „Amigos“ an. Wir freuen uns sehr, dass wir in diesem Jahr auch auf dieser Bühne stattfinden und national wahrgenommen werden.

Wie wichtig sind Ihnen Glamour und roter Teppich?

Peil: Nicht wirklich wichtig, aber das findet beim Echo natürlich alles statt. Unsere größte Sorge ist, dass wir aus dem Auto aussteigen und uns keiner erkennt.

Wissen Sie schon, was Sie anziehen werden?

Peil: Wir erscheinen da völlig normal. Das hat uns unsere Managerin Kim Gerstenberg, die übrigens auch aus Düren kommt, auch geraten.

Glauben Sie, dass Sie am Abend der Preisverleihung nervös sind?

Peil: Ich denke, nicht. Wir rechnen überhaupt nicht damit, den Echo zu bekommen und dass wir in Berlin eine Dankesrede halten müssen. Ich glaube, die Echoverleihung wird ein sehr netter Abend, an dem ich viele Leute treffe, die ich Jahre nicht gesehen habe. Ich freu’ mich drauf.

Wie verkraftet eine Familie eigentlich zwei Ausnahmemusiker? Ihr älterer Bruder Roland ist ein erfolgreicher Percussionist.

Peil: Na ja, was heißt schon verkraften? Mein Bruder ist 13 Jahre älter als ich, und wir machen natürlich völlig unterschiedliche Sachen. Aber durch ihn habe ich natürlich hautnah miterlebt, dass es funktioniert, von Beruf Musiker zu sein. Er ist an meinem Weg sicherlich nicht ganz unschuldig.

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