Karls Erlebnis Dorf Elstal stellt 10000 Wanderstöcke aus Düren aus

Ungewöhnliche Sammelleidenschaft : Tausende Stöcke wandern Richtung Berlin

Mehr als 7000 Wanderstöcke liegen bereits gebündelt in der Garage zum Abtransport bereit, fein säuberlich sortiert nach Herkunftsregionen. Knapp 3000 weitere schlummern noch auf dem Dachboden des Hauses von Herbert Schröder in Lendersdorf.

Aber auch sie wird der Rentner in den kommenden Tagen reisefertig machen. Denn für den 70-Jährigen, der in den vergangenen 20 Jahren eine der wohl größten Spazierstock-Sammlungen weltweit zusammengetragen hat, geht ein Traum in Erfüllung.

Mit dem Karls Erlebnis-Dorf in Elstal bei Berlin, direkt angrenzend an Sielmanns Naturlandschaft Döbritzer Heide, hat der Lendersdorfer nach langem Suchen endlich einen Partner gefunden, der sein ungewöhnliches Hobby dauerhaft der Öffentlichkeit präsentieren möchte. Im September wandern die 10.000 Stöcke, die mit ungleich mehr Wanderabzeichen verziert sind, Richtung Berlin. Dort werden sie zunächst eingelagert und sollen ab Ostern 2021 in einem Neubau der nun anstehenden Parkerweiterung ausgestellt werden.

„Die Zusammenarbeit mit Karls ist für mich wie eine Sechser im Lotto“, freut sich der 70-Jährige, der in den vergangenen Jahren   vergeblich in der Region nach einer geeigneten Ausstellungsmöglichkeit gesucht hatte. Vor Jahren waren seine Stöcke einmal im Merzenicher Heimatmuseum zu sehen, ein Teil auch einmal in Bonn. Seit den ersten Berichten auch in dieser Zeitung vor rund zehn Jahren ist seine Sammlung nahezu explodiert.

Auf den Geschmack gekommen

Auslöser der ungewöhnlichen Leidenschaft war ein Spazierstock, den er zum 50. Geburtstag geschenkt bekommen hatte. Ihm folgten zunächst ein paar weitere, bis Herbert Schröder auf den Geschmack gekommen war. Seitdem reist er von Trödelmarkt zu Trödelmarkt, immer auf der Suche nach neuen Stöcken, die oft auch im Internet angeboten werden. „Ich habe aus jedem Bundesland Stöcke abgeholt“, sagt er nicht ohne Stolz, von Rostock bis München führte ihn seine Sammelleidenschaft bereits.

Der 70-Jährige könnte stundenlang Geschichten rund um seine Stöcke erzählen, „hinter jedem steckt schließlich ein Menschenleben”. Und natürlich auch über die vielen tausend Abzeichen aus dem deutschsprachigen Raum, aber auch aus den Niederlanden und sogar aus Großbritannien, die verraten, wohin des Weges es den einstigen Besitzer einmal geführt hat. „Die schönsten sind die aus der damaligen DDR, oftmals kleine Bilder“, betont der Rentner, der auch eine musikalische Ader hat und viele Jahre mit seiner Tochter Martina und Jürgen Pusch als „Hydranten Musikanten“ unterwegs war.

Kaffeekannen als Vorbild

Auf Karls Erlebnis-Dörfer wurde Herbert Schröder per Zufall aufmerksam, beim Ostseeurlaub im vergangenen Oktober. Im Vergnügungspark Rövershagen der Kette, unweit von Rostock, ist die größte Kaffekannensammlung der Welt zu sehen. „Da sagte meine Frau, das wäre doch auch was für meine Spazierstöcke“, erinnert sich Herbert Schröder.

Gesagt getan. Er nahm Kontakt zu den Parkmachern auf, war im Juni drei Tage zu Gast in Rövershagen und wurde „handelseinig“. Wichtig ist ihm, dass seine Sammlung, die einen kaum zu beziffernden ideellen Wert hat, in seinem Eigentum bleibt. Er stellt sie lediglich als Dauerleihgabe zur Verfügung. Und nicht nur die 10.000 Stöcke: Auch einige der mittlerweile 470 Milchkannen, die Herbert Schröder zusammengetragen hat, um in ihnen Spazierstöcke zu lagern, Schaufensterpuppen mit Wanderbekleidung, Wanderhüte und -rucksäcke gehen mit nach Elstal, um die Ausstellung auch richtig in Szene setzen zu können.

Und was macht der 70-Jährige ab September mit dem wiedergewonnenen Platz in Haus und Garage? „Ich werde auf jeden Fall weiter Spazierstöcke sammeln“, kündigt er an. Wer also noch einen Spazierstock – vielleicht vom Opa – besitzt, und ihn in guten Händen wissen möchte, findet in Herbert Schröder weiterhin einen dankbaren Abnehmer.

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