Kaninchenzüchter Christoph Schumacher im Interview

Ein Kaninchenzüchter im Gespräch: „Wir sind tierverrückte Individualisten“

Unter Kaninchenzüchtern sticht Christoph Schumacher hervor. Nicht nur, weil er 43 Jahre alt ist und damit zu den jüngeren gehört, sondern auch, weil er einer von nur einer Handvoll professionellen Züchtern in Deutschland ist.

Entsprechend erfolgreich ist der Schlicher mit seinen Tieren, hat schon alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt und wurde nun wieder dafür ausgezeichnet, dass er in zwei Rassen das schönste Tier Deutschlands hat. Mit Anne Welkener sprach er über die Entwicklung in der Branche, über Kaninchenfleisch und die Zukunftsaussichten des Hobbys Kaninchenzucht.

Herr Schumacher, ich unterstelle mal, dass die Blütezeit der Kaninchenzucht vorbei ist. Wie sexy ist das Hobby heute noch?

Schumacher: Die Zahlen sind deutlich rückläufig. Als ich vor 30 Jahren angefangen habe, waren wir doppelt so viele. Jetzt gibt es 110.000 Züchter im Zentralverband. Das liegt auch daran, dass uns viele Steine in den Weg gelegt werden: Die Gerüche stören heute mehr Nachbarn als früher, damals war die Mistentsorgung kein Thema, heute gibt es viele Auflagen. Und Platz im Garten für Ställe haben auch weniger Leute. Umso stolzer sind wir, in unserem 2017 gegründeten Kaninchenzuchtverein R10 Schlich/D’horn/Merode neben 13 aktiven Mitgliedern auch fünf Jungzüchter unter 18 Jahren zu haben. Das ist vergleichsweise viel.

Spezialisiert hat sich Christoph Schumacher auf die Zucht von Lohkaninchen. Foto: ZVA/Anne Welkener

Sie haben selbst mit elf Jahren angefangen. Waren Sie „familiär vorbelastet“?

Schumacher: Nein, bei uns in der Familie hat vorher niemand gezüchtet. Im Gegenteil: Ich habe meinen Vater angesteckt und jetzt züchten er und meine Kinder auch.

Erinnern Sie sich noch an ihre ersten Tiere?

Schumacher: Ja, die habe ich Silberpelz und Klopfer genannt. Bei der Rasse bin ich auch geblieben, Lohkaninchen züchte ich noch heute.

Als professioneller Züchter haben Sie sicher noch andere Rassen, oder?

Schumacher: Ja, ich habe rund 500 Tiere von insgesamt zehn Rassen. Bei Hobbyzüchtern sind es meist 20 bis 30 Tiere von ein bis zwei Rassen.

Bei 500 Tieren vergeben Sie sicherlich keine Namen mehr. Wann haben Sie damit aufgehört?

Schumacher (lacht): Direkt nach Silberpelz und Klopfer.

Wie hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten die Kaninchenzucht verändert? Gibt es Schönheitsideale und Trends?

Schumacher: Es gibt Rassen, die modern sind. Heute werden deutlich mehr kleinere und buntere Rassen gezüchtet als früher. Bei den Rassestandards ist das Niveau deutlich höher geworden. Das ist wie beim Fußball: Ein 70er-Jahre-Team würde gegen ein heutiges verlieren. Mit einem meiner Tiere von damals, würde ich heute keinen Blumentopf mehr gewinnen.

Apropos hohe Standards: Was passiert mit Tieren, die da nicht mithalten können?

Schumacher: Tiere die nicht zu 100 Prozent dem Rasseoptimal entsprechen, gebe ich an Liebhaber ab. Es bekommt keins den Hals umgedreht.

Essen Sie selbst Kaninchenfleisch?

Schumacher: Ja gerne, das ist lecker. Wir schlachten vielleicht ein, zwei Mal im Jahr für den Eigenbedarf. Das gehört zum Hobby dazu. In den ersten Jahren wurden noch einige meiner Tiere zum Verzehr geschlachtet, aber nach den 90er-Jahren ist die Nachfrage stark zurückgegangen. Die Generation, die Kaninchenfleisch gern ist, ist fast ausgestorben.

Wagen wir abschließend noch einen Ausblick: Stirbt auch die Kaninchenzucht bald aus?

Schumacher: Nein, sicherlich nicht. Ich glaube, dass sich die Zahl der Züchter auch in den nächsten 30 Jahren noch mal halbieren wird, aber der harte Kern wird bleiben. Wir sind einfach tierverrückte Individualisten.

Mehr von Aachener Zeitung