Düren: Kampf gegen Kinderarmut: Ideen für ein kommunales Handlungskonzept

Düren: Kampf gegen Kinderarmut: Ideen für ein kommunales Handlungskonzept

Über 4200 Kinder und Jugendliche in Düren erhalten Sozialleistungen, knapp 500 weitere einen Kindergeldzuschlag. Per Definition ist damit fast jedes dritte Kind unter 18 Jahren in Düren arm.

Mithilfe von Sponsoren und vielen Einzelspendern hat die „Steuerungsgruppe gegen Kinderarmut“, in der sich neben dem Jugendamt auch Vertreter freier Träger und der beiden großen Kirchen engagieren, in den vergangenen fünf Jahren fast 60 Projekte unterstützt. Mehr als 1000 Kinder und Jugendliche erhielten die Chance, sich an sportlichen und kulturellen Angeboten, aber auch an solchen in den Bereichen Gesundheit und Bildung zu beteiligen, auf die sie ansonsten aus finanziellen Gründen hätten verzichten müssen.

Jetzt will die Steuerungsgruppe den nächsten Schritt gehen. Auf dem 4. Dürener Gipfel gegen Kinderarmut sollen am Donnerstag, 16. Juni, im Haus der Evangelischen Gemeinde zu Düren die Weichen für ein kommunales Handlungskonzept gegen Kinderarmut gestellt werden, erklärt Ina Ruick vom Jugendamt. Alle, die mit den Lebensverhältnissen der Kinder zu tun haben, sollen an einem Strang ziehen.

Gemeinsam Antworten finden

„Jedem Mitarbeiter im Rathaus muss klar werden, dass das Thema Kinderarmut alle angeht“, betont Thomas Floßdorf, Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses. Da geht es um Wohnumfeldverbesserungen ebenso wie um die berufliche Förderung der Eltern. Ziel müsse es sein, gemeinsam Antworten zu finden, wenn klar werde, dass Kinderarmut in einzelnen Stadtteilen besonders auffällig ist.

„Bisher sind viele Stellen mit dem Thema beschäftigt, aber es fehlt die Systematik“, erklärt Ulrich Lennartz vom SkF die Notwendigkeit eines kommunalen Handlungskonzepts. Anstöße erhofft sich die Steuerungsgruppe beim 4. Dürener Gipfel gegen Kinderarmut von Gerda Holz vom Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik aus Frankfurt, die sich seit Jahren mit den Themen Kinderarmut und kommunale Armutsprävention beschäftigt.

Mit einem kommunalen Handlungskonzept wäre die Stadt Vorreiter. Vergleichbare Ansätze gebe es bisher noch nicht, erklärt Ina Ruick. Ein Ansatz könnte aus Sicht von Pfarrerin Vera Schellberg auch sein, in den Schulen, in denen der Bedarf besonders groß ist, mehr Personal einzusetzen, um Talente gezielt fördern zu können.

(ja)
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