Heimbach: Kammermusikfestival am Heimbacher See

Heimbach : Kammermusikfestival am Heimbacher See

Wer den „Spielplatz“ für die mehr als einwöchigen „Spannungen“ am Heimbacher See noch nicht gesehen hat, ist ergriffen. Majestätisch und verspielt zugleich steht da eines der schönsten Jugendstilkraftwerke Deutschlands. Die alten Turbinen an der Kopfseite des Werks bilden eine beeindruckende Kulisse.

Vor dem Kraftwerk haben die Macher von „Spannungen“ Zelte aufschlagen lassen. Organisatoren sind „RWE-Innogy“ und „RWE Power AG“, repräsentiert von Michael Stangel und Dr. Frank Weigand, die Stadt Heimbach mit Bürgermeister Peter Cremer (parteilos), der „Kunstförderverein Kreis Düren“, vertreten mit den Vorsitzenden Dr. Hans-Joachim Güttler und Lars Vogt. Dr. Güttler nannte in seiner Begrüßung die Namen vieler Sponsoren und Unterstützer.

Die Herkunft der Unterstützer lässt darauf schließen, dass das Festival „Spannungen“, das 1998 ins Leben gerufen wurde, kaum seinesgleichen findet. Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU) unterstrich dies: „Es gibt kein Festival auf der Welt, in dem Menschen nur ehrenamtlich arbeiten wie hier.“

Michael Stangel von RWE ergänzte dieses Lob mit einem weiteren positiven Aspekt. „Die Faszination dieser außergewöhnlichen Konzerttage wird von hervorragenden Künstlern in einem historischen Gebäude in einer traumhaften Landschaft erzeugt.“

Doch es ging um Musik. Mittendrin das „Trio e-Moll“ für Violine, Violoncello und Klavier von Dimitri Shostakovich (1906 bis 1975). Der Komponist hatte das Werk 1944 zur Zeit des Zweiten Weltkrieges geschrieben. Lars Vogt, Klavier, Anna Rezniak, Violine, und Julian Steckel, Violoncello, erweckten mit ihren Instrumenten das Vergangene. Es ging um das Leid der russischen Bevölkerung, das Sterben polnischer Soldaten und das industrielle Morden von Juden, Sinti und Roma in den Gaskammern der Nazis.

Dimitri Shostakovich steht mit einigen anderen russischen Komponisten auf dem diesjährigen Programmzetteln von „Spannungen“, weil das Festival — parallel zur WM in Russland — unter der Überschrift „Russland“ steht. Immer schon, so kann man in den Geschichtsbüchern lesen, hatten die Deutschen und die Russen auf dem Gebiet der Kultur verbindende Gemeinsamkeiten. Einige Redner wiesen in ihren Ansprachen darauf hin, dass die oft beschworene Tiefe der Seelen von Russen und Deutschen sich sehr ähneln.

Tiefe und Dramatik

Das „Trio e-Moll“ ist ein beeindruckendes Werk mit Tiefe und verstörender Dramatik. In seinen vier Sätzen — Andante-Moderato, Allegro con brio, Largo und Allegretto-Adagio — spiegelt es eine Zeit der Verwirrung. Eine aufregende Sturm- und Drangzeit, deren furiose Streitigkeiten im Konzert aufgegriffen wurden.

Die Musiker bearbeiteten leidenschaftlich ihre Instrumente, ließen die Hörer meist ratlos zurück, täuschten Dialogversuche auf schlüpfrigen Wegen vor, um ein wenig Harmonie vorzugaukeln, wobei Dissonanzen wach rüttelten. Alle Interpreten spielten auf einem Weltklasseniveau.

Dramatisches Werk

Umrahmt war dieses dramatische Werk Shostakovichs von acht Duos für Violine und Violoncello von Reinhold Glière (1875 bis 1956) und von Felix Mendelssohn-Bartholdys (1809 bis 1847) „Quintett Nr. 2 B-Dur“ für zwei Violinen, Antje Weithaas und Florian Donderer, beide Violine, Barbara Buntrock und Timothy Ridout, beide Viola, und Julian Steckel, Violoncello. Dass romantische Musik auch viel Bewegung vermittelt, zeigten die fünf Streicher auf der Bühne. Schwungvoll erzeugten sie parallel zu den Melodien schwungvolle Bilder, eine Art Wettbewerb von fünf Streicherbögen.

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