Düren: Kabarett im „Komm“: Wenn Anka Zink eine Reise tut ...

Düren: Kabarett im „Komm“: Wenn Anka Zink eine Reise tut ...

Jahrelang haben die Deutschen diesen einen Titel verteidigt, dieses Spiegelbild der kulturellen Eigenheit, waren sogar ein wenig stolz darauf. Stolz, Reisenation Nummer eins zu sein. Spätestens seit Dienstagabend allerdings ist bei manchem Dürener das Bild sonniger Strände, strahlenden Wassers und totaler Entspannung etwas verzerrt, seit dem Auftritt der Bonner Kabarettistin Anka Zink im „Komm“-Zentrum.

„Leben in vollen Zügen“, so nennt sich ihr derzeitiges Programm, bot sie vor ausverkauften Stuhlreihen. „Es geht um das Reisen“, erklärt Zink, die sogleich mit dem Hammer ausholt: „Reisen macht keinen Spaß.“

Immer wieder Unerwartetes

In ihrer Darbietung seziert sie fein säuberlich jenen Vorgang, den viele ausblenden, denken sie an Urlaub: die Fahrt von A nach B. Dazu hat benutzt sie als Werkzeug zum einen ihre Beobachtungsgabe, eigentlich Unwichtiges aufzugreifen und aus dem Gesamtpaket „Urlaub“ herauszuschneiden. Zum anderen ihren so normal daher kommenden Humor, der trotzdem immer wieder Unerwartetes, Überraschungen hervorholt.

Reisen mache keinen Spaß, so Zink, weil man viel warten müsse. „Ein Großmeister des Wartens ist die Bahn. Die haben da immer noch ein Ass im Ärmel“, stürzt sich die Kabarettistin auf das Unternehmen und ihre bürokratischen Hürden beim Ticketkauf frühmorgens am Schalter. Sie spricht über das Fliegen, und den Nacktscanner im Kontrast zum „Fummelcheck“, ausgeführt von Achmed.

„Nach All-inclusive“

Einmal die Fahrt auseinandergenommen, geht sie über zum eigentlichen Urlaub, „der Erlebnisreise“, die die beste sei. Da bekommt der Zuschauer in rheinländischer Sprachgewandtheit zu Gehör: „Wir wollten nach All-inclusive. Das bedeutet einmal den Verstand abgeben.“ Ein orangefarbenes Bändchen bekomme man dann ums Handgelenk und einem gehöre das ganze Hotel, erklärt Zink.

Sie erzählt das alles ganz vertraut. Überhaupt erscheint ihre Darstellung so konventionell. Das Auffälligste ist da schon ihre leopardengemusterte Bluse, die verrät, wie diese Frau gestrickt sein könnte. Sie schlüpft schnell in verschiedene Rollen — Selbstironie inklusive -, schafft dadurch natürlich eine sehr intensive, bild- und lebhafte Erzählung. Bei den Zuschauern kommt das an. Sie danken es Zink mit viel Applaus und zum Teil aufschreiartigem Lachen.

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