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Niederzier: Junges Gewalt-Opfer ist traumatisiert

Niederzier : Junges Gewalt-Opfer ist traumatisiert

„Ein Gespräch mit dem Jungen war kaum möglich. Man sah ihm an, dass er einiges mitgemacht hatte”, berichtet Ulrich Weingartz von seiner ersten Kontaktaufnahme mit dem 15-jährigen Opfer fortgesetzter Gewalt unter Schülern an der Gesamtschule Merzenich-Niederzier.

Neun Jugendliche sollen ihren Mitschüler über Wochen derart traktiert haben, dass die Eltern Strafanzeige erstatteten.

Ulrich Weingartz ist Außenstellenleiter des „Weissen Rings” in Düren-Jülich, der sich um die Unterstützung von Kriminalitätsopfern kümmert.

Zusammen mit den Eltern des Jungen führte er ein erstes Gespräch, um weitere Hilfsmaßnahmen einleiten zu können. Sein Eindruck: „Das Opfer war traumatisiert”.

Die sofortige Übergabe eines Beratungsschecks ermöglicht dem Opfer eine kostenlose psychotraumatologische Erstbehandlung, bei der der Grad der Schädigung ermittelt werden soll. Von ihrem Ergebnis hängen Art und Dauer der Therapie ab.

„So wie ich das Opfer kennengelernt habe, könnte diese rund ein halbes Jahr dauern”, vermutet Weingartz, der solche Fälle nicht zum ersten Mal erlebt. Die Zahl von Gewaltfällen an Schulen im Land nehme zu.

Es sei aber beinahe unvorstellbar, „dass so etwas über Monate hinweg passierte”, so Weingartz. Das Opfer müsse versucht haben, es zu „verstecken”.

Vielleicht in der Annahme, dass den Peinigern irgendwann einmal die Lust vergehe, vermutet er. „In dem Zustand, in dem der Junge nun war, war es aber nicht mehr zu verstecken.”

Um das Opfer kümmern sich nun Kollegen aus dem Erftkreis weiter, wo der 15-Jährige lebt. Aber auch um die Täter müsse sich jemand kümmern: „Die können wir nicht einfach im Regen stehen lassen.”

Eine Vielzahl von Gründen würde dazu führen, dass Jugendliche früh auf die schiefe Bahn geraten. Irgendwo, so Weingartz, müssten daber auch diese wieder aufgefangen werden.