Kreis Düren: Junge Torwart-Talente auf den Spuren von Manuel Neuer

Kreis Düren: Junge Torwart-Talente auf den Spuren von Manuel Neuer

„Alles hat bei der vergangenen Fußball-Weltmeisterschaft angefangen“, erinnert sich Jan Mock noch gut an den Beginn seiner Leidenschaft. „Ein paar Freunde von mir und ich haben eine eigene, kleine Bolzplatzmannschaft gegründet. Wir wollten unbedingt auch Fußball spielen. Es wollte nur keiner ins Tor, deshalb habe ich mich dann zwischen die Pfosten gestellt.“

Nicht unwahrscheinlich, dass Manuel Neuer einen nicht unscheinbaren Anteil an dieser Entscheidung hatte. Der Keeper der Deutschen Fußball-National-Mannschaft„spielte“ sich schließlich in die Schlagzeilen, vor allem mit seinen Ausflügen aus dem eigenen Strafraum heraus im Spiel gegen Algerien. Wer erinnert sich nicht?

„Kurze Zeit später habe ich meinem Papa gesagt, dass ich gerne einmal in einem Verein spielen würde“, wuchsen Jan Mocks Ambitionen über einen warmen fußballerfüllten Sommer hinweg. Eine gute Entscheidung. Jan Mock, 2006er-Jahrgang, ist mittlerweile starker Rückhalt der U10-Jugend der Play-it Juniors, vor allem dank seines Spezialtrainings in der Torwartschule von Harald Schenk.

Schenk ist vermutlich jedem Torwart im Kreis Düren ein Begriff. Der ehemalige Torwarttrainer der Jugendabteilung des FC Niederau, der als aktiver Spieler bei diversen Dürener Kubs bis hoch in die Verbandsliga das Gehäuse hütete, hat sich vor drei Jahren selbstständig gemacht. „Schon während meiner Zeit in Niederau haben immer wieder andere Vereine gefragt, ob sie ihre Talente nicht einmal vorbeischicken könnten. Das ist natürlich schwierig, wenn man sonst nur die Torhüter eines Vereins ausbildet. Ich wollte unabhängig sein, und deshalb habe ich dieses kleine Unternehmen gegründet“, erklärt Schenk augenzwinkernd.

Er betreut mit seinem Trainer-Team, das aus Paul Hilgers, Laurin Hilgers, Chris Wirtz und Alex Siep besteht, eine ganze Reihe von talentierten Torhütern. 38 an der Zahl. Das sind eigentlich noch relativ wenige, warum nicht mehr? „Das ist unser Konzept. Jeder Trainer soll sich um maximal vier Torhüter gleichzeitig in einer Trainingseinheit kümmern“, sagt Schenk, der auf gut ausgebildete Übungsleiter setzt.

Bei Trainingsgruppen, die leistungstechnisch aufeinander aufbauen, geht die Rechnung also auf — und so bekommt jeder Schützling die nötige Aufmerksamkeit, schließlich richtet sich das Grundlagentraining nach DFB-Vorgaben. Sogar drei Mädchen trainiert Schenks Trainer-Crew. Eines davon ist Lisa Venrath, die in Linnich wohnt, allerdings für Bad Neuenahr in der U17-Bundesliga die Handschuhe anzieht. Über die Torwartschule hat sie in Michelle Düppengießer sogar eine Freundin gefunden, die bereits ein Probetraining für die U12 der Rheinland-Pfälzer absolvierte. Möglicherweise können die beiden schon bald eine Fahrgemeinschaft in das benachbarte Bundesland bilden.

Das volle Spektrum

„Wir wollen das volle Spektrum an Trainingsmöglichkeiten bieten, die Torleute spezialisieren sich für gewöhnlich später erst auf ihre Paradedisziplin. Wir haben Kontakte zu allen Proficlubs der Region. Teilweise melden sich sogar Scouts anderer Vereine, um die Torhüter zu beobachten“, weiß Schenk, dass es einen ganz entscheidenden Unterschied zwischen seiner Schule und einem „normalen“ Verein gibt: „In meiner Torwartschule sind die Torhüter keinem Druck ausgesetzt. Wir sortieren nicht aus, sondern fördern auch Torwarte, bei denen das Herz und der Wille eine größere Rolle spielen als das Talent.“

Die Übungseinheiten finden entweder in der Soccerhalle Merzenich oder auf der Kunstrasenanlage in Schophoven statt. Jeder Schlussmann wird nahezu rundum versorgt: „Wir stellen ein Torwarttrikot, das nach jedem Training von uns gewaschen wird. Außerdem werden alle Schüler mit Handschuhen versorgt, wann immer neue gebraucht werden.

Hinzu kommen ein Sweatshirt und ein T-Shirt — beide dürfen sie natürlich gerne jeden Tag tragen“, lacht Harald Schenk, der auf die Rückennummern seiner Hintermänner aufmerksam macht: „Jede Nummer wird nur ein Mal vergeben.“ Von den Jahrgängen 2008 bis 2000 nimmt ein guter Mix das Angebot wahr — und wird belohnt: „Nach den ersten 25 Trainingseinheiten bekommt man einen Stern auf sein Trikot gedruckt. Bei 50 Einheiten folgt der zweite Stern, bei 75 der dritte, bei 100 der vierte, danach werden die Schritte größer.“

Fünf Sterne

Heißester Anwärter für seinen bereits fünften Stern, den es bei 150 absolvierten Trainingsstunden gibt, ist Jeremy Marx, der schon auf 128 Übungsstunden zurückblickt und von Anfang an dabei ist — er trägt die Rückennummer 3. Einer, der ihm ganz dicht auf den Fersen ist, ist Jan Strauch. Der U13-Torwart von Alemannia Aachen verpasst nahezu keine von Schenks Einheiten, kommt bereits auf 114 Extratrainings. Ein Umstand, der sich auszahlt: Strauch wechselt im Sommer zur Mönchengladbacher Borussia.

Neue Schützlinge

Es sei im Übrigen nicht problematisch, neue Schützlinge zu finden. „Ich hätte nie gedacht, dass der Ansturm so groß ist, habe eine Warteliste mit zehn Leuten. Was mir fehlt, sind eher weitere qualifizierte Trainer — oder solche, die es werden wollen“, klagt Schenk möglicherweise auf hohem Niveau, unterstreicht aber in einem, wie wichtig ihm ist, dass sein Konzept über allem anderen steht. Er weiß: „Talent ist nicht immer der entscheidende Faktor.“ Jan Mock jedenfalls scheint ein gewisses Talent mitzubringen.

Schließlich durfte er sich sogar schon bei einem Probetraining bei Borussia Mönchengladbach vorstellen. Zunächst bleibt er aber bei den Play-it Juniors. „Auch wenn er sich gut präsentiert hat, das sollte man in diesem Alter noch nicht überbewerten. Wichtig ist, dass er sein Selbstbewusstsein dadurch weiter verstärkt hat“, meint Schenk väterlich. Jan Mock bekam erst kürzlich seinen ersten Stern: „Das ist schön, ich bin richtig stolz!“ Nun gilt es am Ball zu bleiben.

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