Junge Mutter absolviert Teilzeitausbildung bei der Low-tec

Junge Mutter absolviert Teilzeitausbildung : Ein individueller Start ins Berufsleben

„Ich möchte weg von Hartz IV. Ich will einen Beruf, um den Kindern etwas bieten zu können“, sagt Cindy Klieber. Die 23-Jährige hat drei Kinder im Alter von sieben, sechs und fünf Jahren und ist alleinerziehend. Vor zwei Jahren hat sie in der Abendschule ihren Schulabschluss nachgeholt, in dieser Woche beginnt die Jülicherin mit einer Teilzeit-Ausbildung bei der Low-tec, um Malerin und Lackiererin zu werden.

„Die Teilzeitausbildung ist meine einzige Chance als Mutter von drei Kindern, in ein paar Jahren in den Job zu kommen“, sagt sie. Entsprechend nervös war Klieber an dem Tag, als beim Jobcenter das Gespräch über ihren weiteren Werdegang anstand. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich den Ausbildungsplatz bekomme“, gesteht sie. Grund zum Zweifeln gab es aber gar nicht, weil sie schon bei der vorangegangenen Maßnahme namens „Sprungbrett“, einer Art Praktikum, ihre Verlässlichkeit, Motivation und ihr Können unter Beweis gestellt hatte.

„Sprungbrett“ ist genau dafür da, um die Möglichkeiten der jungen Menschen auszuloten und zu klären, wie es weitergehen kann. In Zusammenarbeit mit drei Partnern – der Arbeitsmarktförderungsgesellschaft Low-tec, der Dürener Gesellschaft für Arbeitsförderung (DGA) und dem Sozialwerk Dürener Christen – bietet die Job-com 17 Gewerke an, in denen sich die Interessierten ausprobieren können. Weil Klieber schon von klein auf gern mit Farbe gearbeitet und zu Hause auch viel selbst gemacht hat, stand ihr Wunschberuf schon fest.

Werkstatt und Berufskolleg

Knapp drei Monate lang hat sie sich in der Werkstatt beweisen können und bekam nun das Angebot für eine sogenannte BaE, eine Berufsausbildung in einer außerbetrieblichen Einrichtung. Klieber wird hauptsächlich in der Malerwerkstatt der Low-tec arbeiten und besucht ein bis zwei Tage pro Woche ein Berufskolleg in Aachen. Die Fahrerei in die Kaiserstadt nimmt sie auf sich, weil es dort morgens etwas später losgeht und damit Zeit genug bleibt, die Kinder zum Schulbus und in die Kita zu bringen.

Beim Thema Teilzeit hätten viele Ausbildungsbetriebe und auch die Berufsschulen noch Nachholbedarf, kritisieren Silke Nießen von der Job-com und Constantin David von der Low-tec. Dessen Kollege Michael Zimmermann bekräftigt: „Wenn die Rahmenbedingungen besser wären, würden noch mehr junge Frauen diesen Weg gehen.“

Zimmermann ist Bereichsleiter bei der Low-tec und weiß: „Wer es einmal in die BaE geschafft hat, der hat viel Arbeit vor sich, ist aber auf dem richtigen Weg.“ So verlässlich und motiviert wie Cindy Klieber sind aber längst nicht alle jungen Menschen, mit denen die Job-com arbeitet. Knapp 3000 erwerbsfähige Leistungsberechtigte zwischen 15 und 25 Jahren sind es im Kreis Düren. Im Vorjahr gelang es, 390 junge Menschen in duale Ausbildungsplätze zu vermitteln. Aber die Schwierigkeiten mit der jungen Zielgruppe nehmen zu. „Bei einigen fehlt schon die Bereitschaft für ein erstes Beratungsgespräch. Manche gehen selten vor die Tür, isolieren sich. Das Umfeld junger Menschen ist nicht mehr so stabil wie es früher einmal war“, weiß Britta Hourtz (Job-com) zu berichten. Daher werde es immer schwerer, Jugendliche und junge Erwachsene zu erreichen, und die Job-com suche deshalb nach neuen Wegen der individuellen Ansprache.

„Individuell“ ist auch ein Stichwort, das gut zu Cindy Kliebers Ausbildung passt. Schließlich kann sie sich auf ein großes Netzwerk an Beratern und Unterstützern verlassen – vom Ausbilder über Sozialpädagogen vor Ort bis zum Projektpartner helfen alle bei diesem nächsten beruflichen Schritt. Worauf freut sich die 23-Jährige am meisten? „Auf die Arbeit, die Abwechslung. Das tut gut.“

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