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Düren: Junge Betrügerin lullt alte Nonne ein: Riesen-Schaden in der Eifel

Düren : Junge Betrügerin lullt alte Nonne ein: Riesen-Schaden in der Eifel

Mit Schauergeschichten über Notlagen hat eine 21-jährige Frau aus Düren eine 84 Jahre alte Ordensfrau in einem Eifelkloster dermaßen eingelullt, dass die Nonne, in dem Kloster zuständig für die Buchhaltung, immer wieder Darlehen gewährte.

Wie die Seniorin vor Gericht versicherte, geschahen die Auszahlungen in 18 Teilbeträgen zwischen 1000 und 22.000 Euro mit ausdrücklicher Zustimmung der damaligen Oberin.

Dabei kamen zwischen Dezember 2004 und November 2006 insgesamt 165.850 Euro „Darlehen” zusammen - Geld, das eigentlich für Baumaßnahmen oder Reparaturen zurückgelegt war.

Todesfälle, Operationen, Adoptionen und noch vieles mehr

Bei der Schilderung legte die Angeklagte offenbar viel Fantasie an den Tag. Und auch ihre schauspielerischen Fähigkeiten ließen das Herz der gutmütigen und vor allem gutgläubigen Ordensfrau erweichen.

„Wenn Sie gehört hätten, wie die Angeklagte das erzählt hat, hätten Sie das auch geglaubt”, sagte sie leise dem Vorsitzenden Richter. Gründe für die Notlagen waren der plötzliche Tod der Mutter, eine Operation für den Bruder, die Adoptionskosten für die jüngeren Geschwister, Wiedergutmachung für mehrere beschädigte Autos oder eine angebliche Kaution, um den jüngeren Bruder vor dem Gefängnis zu bewahren.

Selbst vor dem Gefängnis bewahrt wurde die bisher unbescholtene Angeklagte lediglich, weil sie nach Jugendstrafrecht verurteilt wurde. Die zweijährige Freiheitsstrafe wegen gewerbsmäßigen Betrugs in 18 Fällen wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Da vermutet wird, dass das Geld in undurchsichtige Kanäle geflossen ist und die Angeklagte selbst von Hartz IV lebt, machte das Gericht zur Auflage, 10.000 Euro an das geschädigte Kloster zurückzuzahlen.

Wegen Beihilfe zum Betrug angeklagt war eine 42 Jahre alte Tante der jungen Frau. Sie hatte auf Bitten ihrer Schwägerin eine Kurierfahrt zu dem Kloster gemacht, um dort 12.000 Euro zu kassieren.

Für diesen Dienst erhielt sie 800 Euro. Das Gericht verurteilte die Hartz-IV-Empfängerin zu 50 Tagessätzen à 5 Euro. Der Abt eines Nachbarklosters erklärte, es habe weitere Taten dieser Art gegeben. Er schätzt den Gesamtschaden auf 1,5 Millionen Euro.