Jugendclub „Ernas Erben“ sieht sich das Schauspiel „Das kalte Herz“ an

Düren: Junge Schauspieler reizt die Rolle des Zuschauers

„Wenn alle Theaterstücke so wären wie dieses, würde ich nicht mehr ins Kino gehen“ sagt Annika Leisten, Mitglied im Jugendclub „Ernas Erben“. Sie ist begeistert von dem Schauspiel „Das kalte Herz“, das am Dienstagabend in einer Inszenierung des Rheinischen Landestheater Neuss im Haus der Stadt zu sehen war.

Sie ist gerne gekommen, um mit anderen jungen Leuten zusammen Theater zu schauen. Aber nicht ganz freiwillig. „Wer bei ‚Ernas Erben‘ selbst auf der Bühne stehen will, der muss auch bereit sein, sich Theaterstücke anzuschauen.“ Darauf besteht Marion Kaeseler, die die Gruppe leitet. „Beim Zuschauen kann man sich immer etwas abgucken“, weiß sie.

Mira Christoffels, die schon in einigen Stücken des Jugendclubs zu sehen war, pflichtet ihr bei: „Ja, man kann sich inspirieren lassen. Aber ganz wichtig finde ich es, dass man anschließend zu etwas Eigenem findet.“

Die Suche nach der eigenen Version von Bekanntem wäre ganz sicher auch im Sinne der Regisseurin Bettina Jahnke, die mit Hilfe der Autorin Rebekka Kricheldorf eine moderne Fassung von Wilhelm Hauffs Märchen „Das kalte Herz“ auf die Bühne gebracht hat. „Uns war es wichtig, den Stoff zu entstauben und trotzdem den Märchencharakter zu erhalten“, erklärte die Dramaturgin Alexandra Engelmann vor Beginn der Vorstellung im Rahmen einer Einführung, die natürlich auch von den Jugendclub-Mitgliedern besucht wurde.

Das Team hätte keine Verortung in der heutigen Zeit angestrebt, sondern eine Erlebbarkeit des alten Märchenstoffes — mit holzschnittartigen Figuren, grotesk, in einem künstlichen Raum. Mit Live-Musikern, die bekannte Popsongs von Rosenstolz („Lass es Liebe sein“), Peter Fox („Schüttel Deinen Speck“) und anderen anklingen ließen und die stets als Erweiterung des auf der Bühne Gesagten dienten.

Für die Mitglieder des Jugendclubs ist dieses Konzept voll aufgegangen. Sie lobten die Lichteffekte, die Bühne, die Schauspieler. „Die Maske der Darsteller ist geil“, sagte Mara Wienand. „Das sorgt für gute, unheimliche Effekte.“

Yasemin Sevinç konkretisierte: „Von vorne sah man nur eine weiße Fläche. Aber wenn man auf die Seiten geachtet hat, konnte man sehen, dass die eckigen Flächen, die auf den Gesichtern aufgebracht waren, sehr wirkungsvoll waren“. Sie fand auch: „Das Theatererlebnis motiviert uns für unser eigenes Theaterstück!“. Und das wird Ödön von Horváths Drama „Kasimir und Karoline“ sein, das im Mai 2018 aufgeführt werden wird.

Vor dem Theaterbesuch gab es bereits eine Probe zu dieser Inszenierung. Zufällig wurde dabei auch eine Prügelszene eingeübt. Ähnlich derjenigen, die am Dienstagabend auch in „Das kalte Herz“ zu sehen gewesen war zwischen diversen Akteuren im Kampf „Gut gegen Böse“. „Das war schon toll zu sehen, wie leicht und echt das aussehen kann“ urteilten Viktoria Pelzer und Belana Carstens im Anschluss.

An der Inszenierung hatten übrigens nicht nur die Jugendclub-Mitglieder ihren Spaß, sondern auch die anderen Gäste der Vorstellung, der man insgesamt mehr Zuschauer gewünscht hätte. Hauff strebte mit seinem Werk die Kritik der frühkapitalistischen Gesellschaft an. Die Darstellung des Kampfes zwischen Moral und Gewinnmaximierung ist heute aktueller denn je.