Kleinhau: Jugend-Europa-Meisterschaft in Kleinhau: 250 Fahrer am Start

Kleinhau: Jugend-Europa-Meisterschaft in Kleinhau: 250 Fahrer am Start

In Bruchteilen einer Sekunde ist das Malheur passiert: „Ich bin in der Kurve weggerutscht. Durch den Sturz habe ich mir das Bein leicht verdreht”, erzählt der 16 Jahre alte Patrick Reichelt.

Auch sein Kumpel Robin Goldamer handelt sich bei den Rennen immer wieder mal blaue Flecken ein - aber deswegen zu jammern, das würde den jungen Motocrossfahrern im Traum nicht einfallen.

Patrick und Robin sind zwei von 250 Fahrern, die sich in Kleinhau zur Jugend-Europa-Meisterschaft eingefunden haben. Bei diesen dritten von insgesamt vier Rennen trifft die Zweirad-Elite aus sechs Nationen aufeinander. Zum zweiten Mal richtet der MSC Kleinhau dieses internationale IMBA-Jugendwochenende (IMBA ist der Zusammenschluss der Amateur-Motocrossverbände in Europa). Gas geben dürfen auch die Schrauber der Fahrer: Für sie wurde extra eine Senioren- beziehungsweise Veteranengruppe eingerichtet.

Mit bis zu 90 Stundenkilometern preschen die Jugendlichen auf ihren Maschinen übers Gelände, machen dabei Fünf-Meter-Sprünge. Da will man sich lieber nicht ausmalen, welche Körperteile bei einem Sturz in Mitleidenschaft gezogen werden könnten. Die Grundregel lautet: „Angst darf man nicht haben”, sagt Patrick, „wohl aber Respekt”.

Während Patrick seine Verletzung fast schon wieder vergessen hat, sorgt sich sein Vater doch noch ein wenig. „Für mich wäre es schlimmer, jetzt zu Hause zu sein. So bin ich zur Stelle und kann ihm helfen, falls etwas passiert”, erklärt Thorsten Reichelt. Ohne die Unterstützung von „Papa” geht es nicht: „Mein Vater ist auch mein Mechaniker. Er fährt mit mir zu allen Veranstaltungen, sonst ginge es auch gar nicht”, sagt Patrick. Wieviel Geld allein für Benzin bei der An- und Abreise zu den international stattfindenden Rennen draufgeht, will Vater Thorsten gar nicht so wissen. „Das Motocross fahren macht Patrick Spaß, und das alleine zählt.” Das Vater-Sohn-Gespann ist fast jedes zweites Wochenende in Sachen Motocross unterwegs. Um nicht in Hotels nächtigen zu müssen, wurde extra ein Campingbus angeschafft.

Dass Vater und Sohn viel Zeit miteinander verbringen, spürt jeder. Es besteht eine enge Bindung zwischen den beiden Männern - das verraten Körpersprache und ihre Blicke. Für Adrian Braun, Vorsitzender des MSC, ist Motocross aber nicht nur ein Familiensport, sondern auch eine Plattform für langlebige Freundschaften.

Durch den Sport haben sich auch Patrick und Robin kennengelernt. Auf der Rennstrecke sind die beiden Konkurrenten, was aber für die Jugendlichen nicht im Widerspruch steht. Ganz im Gegenteil: Gemeinschaftlich wird während der Pausen der Dreck von der Speichen geschrubbt. Das ist wichtig, „weil zusätzliches Gewicht die Geschwindigkeit verringert”, erklärt Patrick. Was sagen eigentlich die Mädels eigentlich zum Sport? „Die finden Motocross gut. Das hat man schon Pluspunkte”, gesteht Robin lachend.