Düren: „Jugend 2020“: Düren soll attraktiver für junge Leute werden

Düren: „Jugend 2020“: Düren soll attraktiver für junge Leute werden

„Wir müssen die Stadt auch für Jugendliche attraktiv machen“, ist Berthold Becker vom Jugendamt der Stadt Düren überzeugt. Antworten auf die Fragen, wie das gehen soll, welche Stärken und Schwächen es gibt, finden sich in den mit „Jugend 2020“ überschriebenen neuen Leitlinien der Kinder- und Jugendarbeit, die Becker am Dienstag im Jugendhilfeausschuss erstmals vorgestellt hat.

Im DZ-Interview spricht er über die Entstehung dieser Leitlinien — und die Vorstellungen der Kinder und Jugendlichen.

Warum brauchen Politik und Verwaltung Leitlinien der Kinder- und Jugendarbeit?

Becker: Um einen Plan zu haben in welche Richtung sich die Kinder- und Jugendarbeit entwickeln soll.

Wer hat sich an der Erstellung beteiligt?

Becker: Die Leitlinien sind in einem breit angelegten Dialog mit Kindern und Jugendlichen, mit Fachkräften, Ehrenamtlichen und anderen Interessierten entwickelt worden. Es gab Sozialraumkonferenzen, Workshops mit Vereinen und Verbänden und die Jugendkonferenz „Jugend macht Stadt“.

Ist diese Beteiligung repräsentativ?

Becker: Ich bin mir nicht sicher, ob sie in wissenschaftlicher Hinsicht quantitativ repräsentativ ist. Qualitativ ist sie das in jedem Fall. Hier wurden die Personen einbezogen, die viele Angebote bereits nutzen. Zusätzlich haben wir auch viele Jugendliche erreicht, die Interesse zeigen und sich einbringen wollen. Wir haben Rückmeldung von mehr als 1600 Personen.

Wo liegen die Stärken Dürens?

Becker: Zu unseren Stärken gehört die offene Kinder- und Jugendarbeit, die dezentral in alle Stadtteile ausgerichtet ist. Es gibt pädagogische Fachkräfte, die den Kindern und Jugendlichen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Die damit verbundene Stärkung des Ehrenamts ist wichtig, das bezieht sich besonders auf das Engagement in den Vereinen und Verbänden. Hier sind mehr als 4500 Kinder und Jugendliche aktiv. Jugendarbeit geht es auch um Chancengleichheit, gerade in der Bildung. Kein System reagiert so kurzfristig auf gesellschaftliche Entwicklungen wie die Kinder- und Jugendarbeit.

Was bedeutet das für das große Thema Kinderarmut?

Becker: Wir sind nah dran an den Familien und können dort ansetzen. Eine Stärke ist die Schulsozialarbeit. Die Leitlinien sollen die Möglichkeiten beschreiben, die wir mit fünf Fachkräften haben. Eine große Stärke ist die vernetzte Arbeit aller Akteure, weit über die Grenze des Amtes hinaus.

Wo liegen Schwächen?

Becker: Die Leitlinien zeigen auf, dass wir uns bei den Jugendlichen über 16 Jahren mehr engagieren müssen. Hier sind die Vereine stark, aber die Jugendlichen, besonders Schüler, fordern ein Jugendcafé, bei dessen Betriebsführung sie sich auch einbringen wollen. Auch eine Multifunktionshalle ist in den Wünschen aufgeführt. Überhaupt ist die Raumfrage ein wesentlicher Punkt. Das Roncalli-Haus im Dürener Süden ist verkauft und wird bald nicht mehr zur Verfügung stehen. In Arnoldsweiler ist angekündigt, dass ab Frühjahr 2017 die Räume nicht mehr zu nutzen sind, in Gürzenich und Lendersdorf stehen räumliche Veränderungen an. Das Projekt an der Eiswiese ist noch in Planung. Die Jugendheime sind in die Jahre gekommen und wenig attraktiv für Jugendliche. Alles, was als Alternative angeboten wird, fällt kleiner aus. Darum die Leitlinie „Jugend braucht Raum“. Das ist quantitativ und qualitativ gemeint.

Wie können neue Räume gefunden werden?

Becker: Wir müssen uns davon verabschieden, dass das Dürener Modell (die Träger bringen den Raum ein, die Stadt zahlt die Personalkosten, Anmerkung der Redaktion) so noch trägt. Was die Raumfrage angeht, brauchen wir ein Investitionsprogramm, um die baulichen Veränderungen und eventuell notwendigen Neubauten mit den freien Trägern realisieren zu können. Das ist eine Forderung der freien Träger, die in den Leitlinien berücksichtigt wurde.

Was geschieht mit den Leitlinien?

Becker: Die Parteien können sich nun mit der vorgeschlagenen Vorgehensweise auseinandersetzen. Der Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses und die Stellvertreter waren eingebunden, ganz neu sind die Themen für die Politik nicht.

Was erhoffen Sie sich?

Becker: Dass das Thema „Jugend in Düren“ breit diskutiert wird und einen hohen Stellenwert bekommt, auch bei Haushaltsberatungen im Stadtrat. Wir unterstützen Jugendliche mit besonderem Förderungsbedarf und helfen bei deren Entwicklung. Vergessen dürfen wir aber auch nicht, dass die Ausgestaltung von Angeboten für Jugendliche in einer Stadt etwas darüber aussagt, wie interessant und lebenswert Jugendliche ihre Stadt erleben und in Erinnerung halten. Auch das spielt eine Rolle, wenn es nach Ausbildung oder Studium um die Frage des Wohnortes geht.

Mehr von Aachener Zeitung