Düren: Jürgen Becker: „Religion ist, wenn man trotzdem stirbt”

Düren: Jürgen Becker: „Religion ist, wenn man trotzdem stirbt”

Zwei Dinge sind es, die Kabarettist Jürgen Becker besonders am Herzen liegen. Erstens: Religion ist, wenn man trotzdem stirbt. Zweitens: Religion ohne Humor ist vor allem eines - gefährlich.

Mit dem Tod kann der Mensch eigentlich ganz gut leben, nur die Sache mit humorlosen Fanatikern, die muss aus Sicht des genussfreudigen Rheinländers nun wirklich nicht sein.

„Solange der Umsatz stimmt, ist Toleranz kein Thema”, entwarf der Kabarettist sogleich einen möglichen Weg aus dem Dilemma. Mit einer gehörigen Portion Humor, auch der schwarzen Sorte, entführte Becker daher seine rund 1500 Zuschauer in der Arena Kreis Düren unter der Leitfrage „Ja, was glauben Sie denn?” in die Welt des Religiösen.

Wobei beispielsweise das Christentum aus rheinländischer Sicht schnell erklärt ist. An was erinnert die ganze Sache mit der Dreifaltigkeit? Also der Dreisatz Vater, Sohn und Heiliger Geist? Richtig! Ans Dreigestirn, an Prinz, Bauer und Jungfrau. „Das hat die Kirche bei uns Rheinländern geklaut”, schlussfolgerte Becker.

Noch ein paar Heilige zum Auffüllen der unendlichen Weiten im Himmel und noch ein paar Details, die sich in anderen Kulturkreisen bereits bewährt haben - fertig ist die Religion. „Eine Religion ohne Auferstehung können Sie allerdings nicht mehr am Markt platzieren”, gab Jürgen Becker potenziellern Stiftern mit auf den Weg.

Apropos ewiges Leben: Betrachte man die Kirchensteuer im Vergleich zu einer Lebensversicherung, sei die Rendite bei der Kirche deutlich besser. Welche Versicherung bietet schon ewiges Leben für die Beiträge der Kunden?

Mit spitzer Zunge und aufklärerischem Denkansatz analysierte Becker die Religionen der Welt. Mal dozierte er, mal schwadronierte er, immer unterhielt er seine Gäste im Hörsaal, Pardon, in der Arena.

Im Darwin-Jahr war Beckers Abstecher in die Evolutionstheorie beinahe Pflicht, Ausflüge in die Tagespolitik waren die Kür. Transzendentes mischte sich an diesem Abend mit Weltlichem und Unterirdischem.

Und die Moral von Jürgen beckers Theologie? Vereinfacht ausgedrückt: Letztlich ist es egal, woran der Rheinländer glaubt. Denn dem 1. FC Köln wird wohl nie ein Gott zum Sieg verhelfen...

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