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Konzert: Johann Sebastian Bach und seine Söhne

Konzert : Johann Sebastian Bach und seine Söhne

Es geht nicht nur um die Generationenfrage einer einzigen Familie sondern auch um eine der Musikgeschichte: Das Ensemble StilArt zeichnet den Übergang von Barock zur Frühklassik nach.

Die Familie Bach hat zweifellos einige der berühmtesten deutschen Komponisten zur Musikgeschichte beigetragen und füllt unzählige Seiten der einschlägigen Handbücher. Doch eine künstlerisch-bachische Familienzusammenführung bekommt man nicht so häufig mit. Das Ensemble StilArt hat bei den Tonspuren diesem Mangel nun abgeholfen und den „Alten“ zusammen mit vier seiner Söhne auf die Tagesordnung gesetzt: Johann Sebastian (1685–1750), den Vater, und Wilhelm Friedemann (1710–1784), Carl Philipp Emanuel (1714–1788), Johann Christoph Friedrich (1732–1795) und Johann Christian (1735–1782).

Diesem Übergang spürten Annie Laflamme, Darja Großheide (beide Traversflöte), Elisabeth Wand (Cello) und Michael Borgstede (Cembalo) bei ihrem Konzert nach.

 Der „alte Bach“ war mit der Cellosuite in G-Dur BWV 1007 vertreten, einer Folge aus Einleitung und zwei Tanzsätzen. Aus den Saiten des Instruments perlten und hüpften die ernsthafte Würde des Schreittanzes und die ausgelassene Lustigkeit des Springtanzes. Typisch Bach, hätte man selbst sagen können, wenn man das Programmheft nicht zur Hand gehabt hätte.

 Bachs Söhne ihrerseits tollten und tobten um ihren Vater herum und schlugen mitunter wortwörtliche Kapriolen, die freilich in den Tönen zu hören waren; die Musiker indes bedienten ihre Werkzeuge ohne große Luftsprünge. Da, wo der Papa oftmals auf Gemessenheit des Ausdrucks und Ausgefeiltheit der Form setzt, wirken die Knaben eher unbesorgt, ja zuweilen ungestüm und ziehen die Plauderei vor, sind weniger ernst als vielmehr innig. Alle zeichnen sich in unterschiedlicher Weise durch ihre recht eigenwillige Melodieführung aus, durch die manche Läufe jäh abbrechen und neu ansetzen oder sich beständig emporschrauben und dann ausbrechen und wieder in sich zusammensinken.

Auch eine gewisse Rastlosigkeit und Hektik war herauszuhören – befürchteten sie etwa, mit dem großen Vater nicht Schritt halten zu können? Doch diese Sorge, wenn sie sie hatten, war ganz unbegründet. Jeder für sich war ein Meister der fünf Linien, und schließlich wird ein Künstler nicht daran bemessen, wie gut er den Künstlervater nachzuahmen versteht.

Trotz einiger technischer Schwierigkeiten, einer bockigen Flöte und einem ganz unbachisch dudelnden Mobiltelefon, das den C. P. E. Bach etwas durcheinanderbrachte, erwiesen sich auch die vier Musiker als Meister ihres Fachs. Sie trugen die ausgewählten Kompositionen abwechslungsreich, lebendig und mit viel Einsatzfreude vor und konnten ihre eigene Liebe zu Bach und seinen Söhnen auf ihre zahlreichen Zuhörer übertragen, die das durch langen Beifall kundtaten.

 Mit den Tonspuren wird es am 21. Februar um 19:30 Uhr weitergehen. Dann wird das Ensemble La Villanella Basel zu Gast sein, das auf Gambe, Cembalo und Blockflöte selten zu hörende Musik vom Anfang des 17. Jahrhunderts spielen wird.