Düren: „Jede vierte Frau wird Opfer von häuslicher Gewalt“

Düren: „Jede vierte Frau wird Opfer von häuslicher Gewalt“

„Gewalt an Frauen? Hier bei uns doch nicht.“ Brutalität im häuslichen Umfeld vermuten manche eher in Berlin oder Frankfurt als in Düren. Das wissen Sonja Waltl und Petra Müller aus persönlichen Gesprächen. Solche wollen sie auch am Samstag (11 bis 13 Uhr) wieder in der Kölnstraße führen, wenn sie am weltweiten Gedenktag gegen Gewalt an Frauen mit einem Infostand darauf aufmerksam machen, dass dies durchaus auch hier in der Region ein Thema ist.

Die beiden müssen es wissen. Sonja Waltl ist Mitarbeiterin im Dürener Frauenhaus, Petra Müller arbeitet ehrenamtlich im Vorstand des Vereins „Frauen helfen Frauen“, der das Frauenhaus unterhält. Sie engagieren sich mehrmals im Jahr öffentlichkeitswirksam.

Bei Aktionen wie der am Samstag kommen sie nicht nur mit jenen ins Gespräch, die die Problematik eher in Großstädten sehen, sondern erleben auch das Gegenteil: „Da kommen Frauen auf uns zu, die sagen, sie hätten selbst schon Gewalt erfahren. Statistisch wird jede vierte Frau Opfer von häuslicher Gewalt“, weiß Sonja Waltl.

Um in der Bevölkerung auf diesen Missstand aufmerksam zu machen, und betroffenen Frauen Ansprechpartner zu geben, verteilen sie am Samstag Taschentücher. „Wir haben die Nase voll! Keine Gewalt gegen Frauen“, steht darauf in großen Lettern und auch die Kontaktdaten der Beratungsstelle von „Frauen helfen Frauen“ sind zu sehen.

„Wir beraten Frauen, die Opfer von häuslicher Gewalt wurden und nehmen sie und ihre Kinder im Frauenhaus auf“, erklärt Waltl. Sie und ihre Kollegen haben acht Plätze für Frauen mit Kindern und kein Zimmer bleibt lange leer. In diesem Jahr haben dort bereits 31 Frauen und 33 Kinder Unterschlupf gefunden.

Das sind bereits jetzt mehr als 2016: 27 Frauen und 16 Kinder. Und das, obwohl sich die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in diesem Jahr noch mal verlängert hat, da bezahlbarer Wohnraum nur schwer zu finden ist.

In diesem Jahr gab es 100 Aufnahmeanfragen, von denen das Frauenhaus 51 ablehnen musste, weil es voll war. Dann werden die Hilfesuchenden an andere Einrichtungen verwiesen. Neben der Vollbelegung sind weitere Ablehnungsgründe zum Beispiel Drogenkonsum, Obdachlosigkeit oder psychische Probleme. In solchen Fällen können andere Hilfsstellen gezielter unterstützen.

Die steigenden Nutzerzahlen beim Frauenhaus sind aber kein eindeutiges Indiz für eine steigende Gewaltbereitschaft. Vielmehr hat Petra Müller in den vergangenen 20 Jahren etwas anderes festgestellt: „Viele Frauen haben Schuldgefühle, daraus erwächst Scham und sie denken, sie wären allein mit dem Problem. Aber an dieser Stelle spüre ich eine Veränderung. Immer mehr Frauen trauen sich, Hilfe zu holen“, sagt sie und hofft, auch am Samstag weiter auf dieses Ziel hinarbeiten zu können.

(wel)