Düren: Jaromir Zachrich: „Ich glaube, dass ich nicht genug vom Volleyball verstehe“

Düren : Jaromir Zachrich: „Ich glaube, dass ich nicht genug vom Volleyball verstehe“

Jaromir Zachrich hört auf. Der Kapitän der SWD Powervolleys beendet seine Karriere. Acht Jahre hat der 33-jährige Mittelblocker in Düren gespielt, 13 Jahre war der frühere Nationalspieler insgesamt in der Bundesliga aktiv. Im Gespräch mit Sandra Kinkel erklärt er die Gründe seines Abschieds.

Wie schwer ist Ihnen die Entscheidung gefallen, Ihre Karriere zu beenden?

Zachrich: Das war bisher die schwierigste Entscheidung meines Lebens. Für mich war immer entscheidend, wie viele Spielanteile ich hatte. Und es ist kein Geheimnis, dass ich in der vergangenen Saison nur sehr wenige hatte. Ich habe die Entscheidung des Trainer akzeptiert. Für mich war es aber Anlass, mich zu hinterfragen. Irgendwann bin ich zu dem Entschluss gekommen, meine Karriere zu beenden.

War es keine Option für Sie, den Verein zu wechseln?

Zachrich: Es hätte verschiedene Optionen gegeben. Ich kenne die Bundesliga in- und auswendig und habe nicht das Gefühl, in einem anderen Verein wirklich neue Erfahrungen machen zu können. Vielleicht wäre es emotional reizvoll gewesen, zu einem ausländischen Verein zu wechseln, aber da hat dann doch meine Vernunft gesiegt. Ich bin 33 Jahre alt und möchte endlich mein Lehramts-Studium abschließen. Außerdem bin ich familiär in der Region gebunden. Zudem habe ich immer noch das Gefühl, dass meine Aufgaben in Düren noch nicht vollständig abgeschlossen sind.

Wie meinen Sie das?

Zachrich: Ich habe immer versucht, mich in Düren auch abseits des Spielfeldes einzubringen. Und es war mir ein Anliegen, den Volleyball in Düren voranzubringen. Das Projekt „Allianz macht Schule“ hat mir schon immer sehr am Herzen gelegen. Und es freut mich sehr, dass ich das weitermachen kann.

Wie funktioniert das Projekt?

Zachrich: Kurz gesagt, gehen wir in Schulen in der Region und versuchen, Kindern und Jugendlichen Spaß am Volleyball zu vermitteln.

Bleibt Düren Ihr Lebensmittelpunkt?

Zachrich: Ich denke, die Chance, dass das so ist, ist sehr groß. Aber im Ernst: Mein Leben ist vom Sport sehr geprägt. Ich bin es gewohnt, häufiger meinen Wohnort und mein Umfeld zu wechseln. Gleichwohl habe ich die Region lieb gewonnen und bin mittlerweile sehr verwurzelt hier.

Was bedeutet Ihnen die Stadt?

Zachrich: Man muss dieser Stadt eine Chance geben, das habe ich in den ersten zwei Jahren aber überhaupt nicht gemacht. Wenn man Düren diese Chance gibt, gibt es unzählige spannende Kleinigkeiten, die diese Stadt wirklich reizvoll machen.

Nennen Sie bitte ein Beispiel!

Zachrich: Die Kinderbetreuung zum Beispiel. Dass die Kita-Plätze in Düren demnächst kostenlos sind, ist für junge Familien wie uns wirklich toll. Außerdem helfen die Menschen einander. Das gibt es längt nicht überall. Und ich habe nach acht Jahren Düren ein bisschen die rheinische Mentalität angenommen und gelernt, offen auf Menschen zuzugehen.

Was bedeuten Ihnen die Powervolleys — immerhin haben Sie hier weit mehr als die Hälfte Ihrer Profi-Karriere verbracht?

Zachrich: Ich habe mich im Verein immer wohl- und sehr aufgenommen gefühlt. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass die Menschen mich wertgeschätzt haben.

Welches Potenzial hat der Verein?

Zachrich: Die Deutsche Volleyballliga zieht gerade extrem an. Man kann fast schon von einem Umbruch sprechen. Unser Verein muss sich klar positionieren und versuchen, mit den Großen mitzuhalten. Es war immer meine Vision, mit Düren den Pokal oder die Meisterschaft zu gewinnen. Und ich denke, diese Vision sollte der Verein immer noch haben.

Sie waren sowohl unter Michael Mücke als auch unter Bundestrainer Vital Heynen Co-Trainer. Können Sie sich vorstellen, als Coach zu arbeiten?

Zachrich: Ganz verneinen möchte ich es nicht, weil ich als Co-Trainer sehr viel gelernt habe. Aber eigentlich sehe ich mich nicht als Trainer. Sie werden jetzt vielleicht lachen, aber ich glaube, dass ich nicht genug vom Volleyball verstehe, um meinen eigenen Ansprüchen an einen Trainer zu genügen. Ich habe andere Stärken. Ich kann gut kommunizieren und mit Leuten Visionen entwickeln und Ziele umsetzen.

Werden Sie demnächst freizeitmäßig Volleyball spielen?

Zachrich: Ich weiß nicht, ob es mir gelingen kann, Volleyball wirklich nur als reinen Spaß zu sehen. Das kann ich mir nur ganz schwer vorstellen. Ich werde aber ganz sicher andere Sportarten ausprobieren. Handball hat mir an der Uni immer sehr viel Spaß gemacht. Ich habe fest vor, beim Birkesdorfer TV zu fragen, ob die vielleicht noch jemanden brauchen können.