Arnoldsweiler/Merzenich: Ist der Zug fürs Terminal schon abgefahren?

Arnoldsweiler/Merzenich: Ist der Zug fürs Terminal schon abgefahren?

Ist das Containerterminal zwischen Arnoldsweiler und Merzenich schon gestorben, bevor die Planungen überhaupt begonnen haben? Haben die Diskussionen um das bei den Anwohnern umstrittene Projekt potenzielle Investoren verschreckt? Auch die CDU in der Stadt Düren hat mittlerweile Bedenken, ob nach einer Hängepartie das von der Rurtalbahn angestoßene Projekt noch Chancen auf eine Umsetzung hat.

Dürens Baudezernent Paul Zündorf ist angesichts einer „überemotionalisierten Diskussion“ und des noch zu stemmenden finanziellen Kraftaktes „zumindest sehr skeptisch“. Ist der Zug schon abgefahren? „Nein“, sagt Hans-Peter Nießen, Geschäftsführer der Rurtalbahn, auf Anfrage der DZ. „Fakt ist, dass der Prozess noch läuft“, weist er Gerüchte, die Planungen seien bereits im Stillen eingestellt worden, zurück.

Von der Idee bis zur Umsetzung könnten bei einem solchen Projekt „10 bis 15 Jahre“ vergehen.„Klar ist auch: Je länger es dauert, desto schwieriger ist es“, räumt Nießen ein. Vor anderthalb Jahren habe die Rurtalbahn das Gespräch mit der Innovationsregion Rheinisches Revier gesucht. Ein Gutachten soll die Chancen für Güterverkehrszentren in der Region ausloten. Von diesem Gutachten erhofft sich Nießen einen Impuls für das Projekt und eine Bestätigung des eigenen Gutachtens für den Standort. „Wir warten noch auf das Ergebnis, haben nichts abschlägiges beschieden bekommen“, sagt er. Auch die Gespräche mit den Häfen Rotterdam und Antwerpen seien nicht eingeschlafen. Nießen: „Investoren haben immer mehrere Eisen im Feuer. Sie schauen, wie es wo weitergeht. Schnelle Schritte wären ein Pluspunkt für Düren.“

Doch schnelle Schritte gab es bislang nicht. Nach wie vor gibt es weder die Zusage eines Investors, noch einen Betreiber für das Terminal. Für das immer wieder geforderte dritte Bahngleis zwischen Düren und Aachen gibt es nur Absichtserklärungen. Auch Geld aus Düsseldorf für die Terminal-Planung scheint fraglich. Proteste in der Bevölkerung gibt es seit der ersten Vorstellung der Idee.

Die CDU-Landtagsabgeordneten Josef Wirtz und Rolf Seel gehen nicht davon aus, dass das Land eine konkrete Förderzusage für das Terminal erteilt. In einer Anfrage an die Landesregierung wollten sie herausfinden, für welche Infrastrukturprojekte Fördermittel vorgesehen sind, und ob Güterverkehrszentren in Planung seien. „Wir haben das Terminal in Merzenich/Arnoldsweiler ganz bewusst nicht genannt“, sagt Wirtz auf Anfrage der DZ. Die Antwort, dass „kein Güterverkehrszentrum in Planung ist“, habe die Abgeordneten nicht überrascht. „Das wussten wir ja“, sagt Wirtz. Die Antwort auf die Frage nach Fördermitteln sei „nichtssagend“. Auch die CDU in der Stadt Düren geht davon aus, dass es keine Unterstützung aus Düsseldorf gibt. Eine Realisierung sei damit „mehr als fraglich“.

„Sehe keinen Konsens“

Doch Josef Wirtz sieht auch an anderen Stellen mehr als ein Jahr nach Vorstellung der Terminal-Idee viele offene Fragen. „Der regionale Konsens ist dringend geboten. Aber ich sehen ihn noch nicht“, urteilt Wirtz. Merzenich und Arnoldsweiler lehnten das Terminal ab, der Kreis stimme zu — und Düren setze „auf die Zeitschiene“. Wirtz: „Jeder agiert auf Zeit. Wenn es absehbar ist, dass es keinen Konsens gibt, sollte man das Projekt nicht weiter verfolgen“, sagt der Landespolitiker. Zumal ein Containerterminal kaum gegen den Willen der Bevölkerung durchgesetzt werden könne.

Der Dürener CDU-Stadtverbandsvorsitzende Thomas Floßdorf stößt ins gleiche Horn: „Wenn es keinen Investor und keine Fördermittel gibt, ist das Projekt gescheitert.“ Die Verwaltung der Stadt Düren soll nun prüfen, wie es um das Projekt steht. „Bald werden wir wissen, ob das Containerterminal nur ein Phantom ist“, sagt er.

Grundsätzlich habe die Diskussion aber das Augenmerk der Politik auf die Logistik gelenkt. Floßdorf verweist erneut auf den Vorschlag, auf Logistikflächen ohne ein Terminal im Gewerbegebiet Rurbenden/Talbenden zu setzen. „Ein Containerterminal erleichtert die Ansiedlung von Logistikunternehmen, aber es ist nicht die Voraussetzung“, findet Floßdorf. Und gerade in diesen Unternehmen würden Arbeitsplätze geschaffen. Die gute Anbindung an das Autobahnnetz sei von Vorteil.

„Wir brauchen kein Güterverkehrszentrum“, ist Rolf Delhougne, Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU im Kreis Düren, überzeugt. Die Mittelstandsunion hatte Mittwochabend zu einer Diskussionsrunde eingeladen. Auf dem Podium saß unter anderem Steffen Nestler, Geschäftsführer der Deutschen Güterverkehrszentrum-Gesellschaft Dresden. „Düren ist für den Bau eines Güterverkehrszentrums gar nicht auf dem Schirm“, sagte er.

„Es hätte wie bei der B 56 einen gemeinsamen Verstoß gebraucht“, findet der Dürener SPD-Bundestagsabgeordnete Dietmar Nietan. Einer müsse das „Heft in die Hand nehmen“ und alle an einen Tisch holen. Dies sei die Sache von Dürens Bürgermeister Paul Larue. Auf dieser Basis könne ein Vorstoß bei der Landesregierung noch Erfolg haben.

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