Interview mit Kalle Pohl zum Abschied von der Kabarettbühne

Abschied von der Kabarettbühne : „Am liebsten mag ich schon den Hein Spack“

Kalle Pohl verlässt nach fast 40 Jahren die Kabarettbühne. Vor seinem Auftritt in Düren am 7. November spricht er unter anderem über seine Kunstfiguren und „7 Tage, 7 Köpfe“.

Er steht seit 1980 auf der Bühne, hat in zahlreichen Programmen ein Universum mit so liebenswerten Figuren wie Onkel Scheng, Willi Drickes, Hein Spack und Tante Mimi zum Leben erweckt. Auch mit ihrer Hilfe lässt Kalle Pohl einen Kabarettabend mit ihm zu einem Erlebnis werden, das wie ein gutes Gespräch unter Freunden mal zum Kreischen komisch ist und im nächsten Moment zum Nachdenken anregt. Am 7. November ist Kalle Pohl mit seinem Best-of-Programm im Komm Kulturzentrum zu Gast. Anke Holgersson sprach mit ihm über seine Bühnenkarriere, seinen ungewöhnlichen Weg dahin und über seine Dürener Wurzeln.

Fällt es Ihnen schwer, sich von der Kabarettbühne zu verabschieden?

Kalle Pohl: Ach klar. Aber es gibt schon ein paar gute Gründe, jetzt nicht mehr mit dem Auto kreuz und quer durch Deutschland zu fahren. Ich hab das Gefühl, sämtliche vollen Autobahnen und jedes einzelne Hotel Deutschlands gesehen zu haben. Wenn’s am schönsten ist, soll man ja bekanntlich sowieso aufhören.

Was war Ihr persönlicher Höhepunkt der Karriere?

Kalle Pohl: Da gab es mehrere. Nicht nur der Tag, an dem Rudi Carell anrief, um mich für seine Show „7 Tage, 7 Köpfe“ zu engagieren. Auch mein allererster Auftritt im Atelier-Theater. Ich hatte eine gesunde Naivität und habe Nummern auch unfertig präsentiert. Mit dem Kommentar: Och, weiter bin ich noch nicht. Die Leute haben sich kaputt gelacht. Ich frage mich immer noch, wie wir damals über die Runden gekommen sind bei sechs Mark Eintritt, Glühwein für alle und am Frauentag für jede Dame eine Nelke.

Gab es jemand aus Ihrem Dürener Umfeld, der Sie besonders gefördert hat?

Kalle Pohl: Nein, das kann ich wirklich nicht sagen. Meine Familie hatte auch immer Angst um mich. Dass ich in den 1970ern meinen Bausparvertrag aufgelöst habe, um mir eine Gitarre zu kaufen, hat schieres Entsetzen ausgelöst. Sowas wie ich es da machte, das war doch kein Beruf, das machte man im Karneval.

Es war einmal: Kalle Pohl zu seiner Zeit als Polizist. Foto: Anke Holgersson

Welche Ihrer Kunstfiguren mögen Sie am liebsten?

Kalle Pohl: Ich habe sie alle gern. Es war mir immer wichtig, mich nicht über sie zu stellen. Ich pflege ein gutes Verhältnis zu ihnen. Zu dem verschwurbelten Hinterhof-Philosophen Willi Drickes, der gewieften Tante Mimi, zu dem feinfühligen Onkel Scheng. Aber am liebsten mag ich schon den Hein Spack. Er mag ja naiv und etwas primitiv sein. Aber er hat auch etwas, das ich an ihm bewundere. Er hat den Mut, Dinge auszusprechen und sich dagegen zu positionieren.

Was würde er zu Ihrem Abgang von der Kabarettbühne sagen?

Kalle Pohl: Naja, wohl so etwas super Feinfühliges wie: Dat wurd ja auch langsam Zeit dumm Sau! Hör auf dommit!

Wie hat sich die Kleinkunst-Szene Ihrer Meinung nach im Laufe der Jahrzehnte verändert?

Kalle Pohl: Kleinkunst gibt es ja gar nicht nicht mehr. In den 1980er Jahren hatten wir 30 Kabarettisten. Heute haben wir 3000 Comedians. Es gibt gute neue, wunderbare Künstler. Aber der Boom hat auch irre Viele auf die Bühne gelockt, denen Talent und Fähigkeit fehlen.

1980 wurde die Pleußmühle besetzt, um sie zu retten, bevor später das Kulturzentrum Komm, in dem Sie in Düren spielen werden, daraus wurde. Sie waren damals kein Polizist mehr, aber wie wäre Ihnen zumute gewesen, wenn Sie als solcher hätten räumen müssen?

Kalle Pohl: Vermutlich genau so wie Anfang der 1970er Jahre bei der Anti-Vietnamkrieg-Demo am Amerika-Haus in Köln. Meine Freunde standen auf der anderen Seite. Ich habe mich zurückgehalten, während es Kollegen gab, die knüppelten. Aber es gibt nicht die Polizisten und die Demonstranten. Auf beiden Seiten gibt es kluge Menschen und es gibt Sackgesichter. Trotzdem bröckelte damals der Polizist und jemand in mir sagte: Trau dich auf die Bühne.

Was ist oder war Ihr Lieblingsplatz in Düren?

Kalle Pohl: Meine schönsten Erinnerungen habe ich an die Kinos in Düren. An die Nord-Lichtspiele, das UT, das Germania, die Schauburg.

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