Interview mit Imker Peter Hendle aus Heimbach zum Weltbienentag

Weltbienentag am 20. Mai : Blumen sind das A und O bei der Insektenrettung

Der Weltbienentag wurde erst im vergangenen Jahr aus der Taufe gehoben und wird am Montag zum zweiten Mal gefeiert. Aus diesem Anlass gibt Peter Hendle Einblicke in sein Hobby. Der 69-jährige Heimbacher ist beim größten der fünf Imkervereine im Kreis, dem Imkerverein „Rurtal“ Düren, Obmann für Gesundheit.

Er spricht im Interview mit unserer Redakteurin Anne Welkener darüber, warum weniger das Bienensterben als die Bienengesundheit im Kreis Düren relevant ist und warum sein Verein optimistisch in die Zukunft blickt.

Herr Hendle, man hat das Gefühl, am Thema Bienen und vor allem am Bienensterben, gerade nicht vorbeizukommen. Teilen Sie den Eindruck?

Peter Hendle: Ja, das Thema ist seit vier oder fünf Jahren in aller Munde. Anfangs waren wir davon sehr begeistert, aber mittlerweile sind wir ein bisschen skeptisch.

Warum?

Hendle: Die Honigbiene wird beim Imker gehegt und gepflegt. Sorgen machen muss man sich eher um die Wildbienen – die eigentlich Solitärbienen heißen – aber vielmehr noch allgemein um alle Insekten. Es sollte nicht vom Bienensterben, sondern von einem Insektensterben die Rede sein. Die Euphorie der Bienenrettung ist eigentlich gut gedacht, aber von einigen nicht gut gemacht. Auf keinen Fall sollte man beispielsweise Honig als Futter für Bienen rausstellen. Der könnte mit Sporen belastet sein und sie krank machen.

Was hilft den Insekten wirklich?

Hendle: Blumen. Die sind das A und O, weil sich die Insekten ernähren und reproduzieren können. Und Insektenhotels. Früher konnten die Solitärbienen ihre Legeröhren in den Fugen von Häusern bauen. Heutzutage wird das in den aufgeräumten Siedlungen mit glatt verputzten Häuserfassaden schwer.

Wenn das Bienensterben kein Thema für die Honigbienen ist, was sind dann aktuelle Herausforderungen im Kreis?

Hendle: Die größte akute Bedrohung für die Honigbiene ist die Varroamilbe. Die rafft Völker dahin. Mit dem Bienenverkauf ohne Gesundheitszeugnisse wurde die Seuche verbreitet, das ist in Deutschland seit zehn bis zwölf Jahren akut. Genau wie die Bösartige Faulbrut, eine anzeigepflichtige Tierseuche. Die ist für den Menschen ungefährlich, unter Bienen aber hochansteckend und tödlich. Es gibt große Sperrbezirke bei Stockheim, Derichsweiler und Langerwehe, da dürfen keine Völker hin- oder weggebracht werden. Früher wurden befallene Völker meist vernichtet, heute können wir relativ gut dagegen vorgehen. Das kostet aber viel Aufwand und Geld.

Apropos Geld: Ist die Imkerei ein teures Hobby, oder bekommt man das mit dem Honigverkauf wieder rein?

Hendle: Man muss natürlich erst mal Geld investieren, bevor man mit dem Honig wieder etwas verdient. Aber im Schnitt hält sich das schon die Waage, würde ich sagen.

Wie steht es bei der Imkerei um den Nachwuchs?

Hendle: Sehr gut. Unser Imkerverein hatte vor etwa 15 Jahren eine Mitgliederstagnation. Der sind wir mit Neuimkerschulungen begegnet. Das Interesse ist so groß, dass wir die Teilnehmerzahl auf 40 begrenzen mussten und jetzt darüber nachdenken, eine zweite Schulung pro Jahr anzubieten. Das Interesse an der Imkerei zieht sich durch die ganze Gesellschaft. Wir hatten sogar eine Familie im Kurs, die mit drei Kindern teilgenommen hat.

Muss man für die Imkerei eigentlich einen großen Garten haben?

Hendle: Ich bin seit 38 Jahren Imker und hatte nie Grundstücke, auf denen man hätte imkern können. Meine neun Völker habe ich an drei verschiedenen Orten untergebracht. Zwei Gelände stellen mir Privatleute zur Verfügung und eins die Stadt Heimbach. Aber wer einen Garten hat, kann auf 100 bis 200 Quadratmetern drei bis vier Bienenvölker unterbringen. Ich kenne genug Stadtrandimker, die ihre Bienenstöcke auf dem Garagendach haben.

Herr Hendle, wenn Sie an den Weltbienentag in zehn Jahren denken: Was soll sich bis dahin tun?

Hendle: Ich wäre froh, wenn wir die Situation mit der Varroamilbe im Griff haben. Wir bekommen unsere Bienen nicht mehr milbenfrei, aber wir müssen es schaffen, die Belastung unter der Schadschwelle zu halten. Dafür ist es aber enorm wichtig, das Wissen weiterzugeben. Die neue Generation Imker ist unsere Zukunft, die lernen von Anfang an, mit den Problemen umzugehen.

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