Düren/Inazawa: Interview: Ex-Trainer der Powervolleys über sein Leben in Japan

Düren/Inazawa : Interview: Ex-Trainer der Powervolleys über sein Leben in Japan

Für Tommi Tiilikainen (30) ist seine erste Saison in Japan vorbei. Gerade ist der Finne, der in der vergangenen Saison die SWD Powervolleys trainiert hat, mit seinem neuen Team „Toyoda Gosei Trefuerza“ zweiter der japanischen Liga geworden.

Im Gespräch mit Sandra Kinkel erzählt Tommi Tiilikainen von seinem Leben in Japan, kaltem Kaffee und überwiegend weiblichen Volleyball-Fans.

Was machen Sie denn gerade in Inazawa, Ihrer neuen japanischen Heimat?

Tommi Tiilikainen: Gerade habe ich unsere Wohnung saubergemacht (lacht). Die Saison in der höchsten japanischen Liga ist gerade zu Ende gegangen. Ich habe jetzt 14 Tage frei.

Sie haben mit Ihrem Team die Silbermedaille gewonnen. Herzlichen Glückwunsch! Wie fühlt sich das an?

Tiilikainen: Das fühlt sich ziemlich gut an. Wir haben mit unserer Mannschaft Großartiges geleistet und etwas wirklich Besonderes erreicht. Aber natürlich ist es so, dass wir noch etwas viel Größeres hätten schaffen können. Wir hätten die japanische Meisterschaft gewinnen können. Deswegen gab es neben ganz viel Freude auch ein kleines Bisschen Enttäuschung.

Vor gut zehn Monaten haben Sie Düren und Europa verlassen. War es die richtige Entscheidung, nach Japan zu gehen?

Tiilikainen: Ich hoffe, dass ich Ihnen diese Frage in 30 Jahren endgültig und abschließend beantworten kann. Aber im Ernst: Natürlich war es die richtige Entscheidung, nach Japan zu gehen, weil es eine riesige Chance für mich war und weil es genau das war, was ich tun musste — und auch tun wollte. Es war immer mein Ziel, einmal in Japan zu arbeiten. Das darf ich jetzt tun.

Wie ist es, in Japan zu leben und zu arbeiten?

Tiilikainen: Ich mag es. Sehr sogar.

Geht das ein bisschen genauer, bitte?

Tiilikainen: Das Leben in Japan ist das genaue Gegenteil von dem Leben, das ich aus Finnland und Deutschland kenne. Auf den Straßen herrscht viel mehr Verkehr, Kaffee wird hier kalt getrunken, nicht warm. Die Kultur ist eine ganz andere. Das Leben in Japan ist für mich sehr neu, aber es ist auch sehr spannend und interessant. Das Gute ist: Volleyball funktioniert hier genauso wie in Europa.

Stimmt das wirklich? Zumindest hat Volleyball in Japan einen völlig anderen Stellenwert als in Deutschland. Ist es nicht viel populärer?

Tiilikainen: Ja, das ist natürlich richtig. Volleyball hat in Japan eine unglaublich lange Tradition. Das ist hier wirklich so etwas wie ein Volkssport. Die Klubs befinden sich alle im Besitz von großen Firmen. Unser Verein heißt „Toyoda Gosei Trefuerza“ und gehört zur Toyota-Gruppe. Neben der Volleyballmannschaft gibt es bei uns im Verein noch eine Handballmannschaft und ein Basketballteam. Alle drei sind übrigens sehr erfolgreich.

Was genau ist Ihre Aufgabe? Sind Sie Cheftrainer wie bei den Powervolleys?

Tiilikainen: Nein, ich bin der „Match Coach“ des Teams, das heißt, meine Aufgabe ist es, die Spieler während der Partien von der Seitenlinie zu coachen. Natürlich bin ich aber auch beim Training dabei.

Wie viele Leute gehören zum Trainerstab?

Tiilikainen: Insgesamt acht. Es gibt einen Cheftrainer, zwei Assistenz-Coaches, einen Fitnesstrainer und einen Übersetzer, um nur einige zu nennen.

Apropos Übersetzer: In Ihrem Jahr in Düren haben Sie nicht so gut Deutsch gelernt, weil in einem internationalen Team wie den Powervolleys ja sowieso Englisch die Trainingssprache war. Sprechen Sie schon Japanisch?

Tiilikainen: Kaum, aber ich möchte es unbedingt lernen. Anfangs war ich sehr mit anderen Dingen beschäftigt, weil ich so unglaublich viel lernen und verstehen musste. Mittlerweile habe ich angefangen, ernsthaft Japanisch zu lernen. Es ist eine sehr schwierige Sprache. Ich verstehe schon sehr viel, aber mit dem Sprechen und Lesen hapert es noch. Übrigens ist unser Team hier auch international. Unser Cheftrainer kommt aus Schweden. Der Fitness-Coach ist Kroate.

Wir haben schon kurz darüber gesprochen: Volleyball ist in Japan unglaublich populär. Wie viele Leute kommen zu den Heimspielen Ihrer Mannschaft?

Tiilikainen: Es gibt hier nicht so ein System mit Heim- und Auswärtsspielen wie in Deutschland. Wir sind während der Saison eigentlich jede Woche unterwegs, um unsere Spiele auszutragen. Man kann sagen, dass wir im Schnitt schon zwischen 3000 und 8000 Zuschauer haben. Und jedes Spiel der ersten Liga wird im Fernsehen übertragen.

Das heißt, nach einem knappen Jahr in Japan sind Sie schon so etwas wie ein Star?

Tiilikainen: Nein, das heißt es nicht. Ich werde jedenfalls noch nicht auf der Straße angesprochen.

Wie sind die japanischen Fans?

Tiilikainen: Es sind überwiegend Frauen. Das ist jetzt kein Witz. Der weitaus größte Teil unserer Zuschauer ist weiblich. Fast alle tragen Trikots, es gibt eigene Lieder, mit der die eigenen Mannschaften unterstützt werden und DJs in den Arenen. Volleyball in Japan ist schon eine riesige Show.

Also so wie Sie es mögen und sich auch in Düren gewünscht hätten.

Tiilikainen: Ja, ganz genau so.

Haben Sie noch Kontakt nach Düren?

Tiilikainen: Ja, ich habe Kontakt zu einigen Spielern und auch zu Stefan Falter. Und ich habe mir einige Sätze der Powervolleys im Internet angeschaut. Das hat Spaß gemacht. Die Jungs haben eine gute Saison gespielt. Dass das Rückspiel in Innsbruck so deutlich verloren wurde, ist sehr schade. Ich hoffe, Düren schafft es bis ins Halbfinale. Das haben die Jungs und auch Stefan Falter wirklich verdient.

Bleiben Sie in Japan?

Tiilikainen: Ja, ich habe noch für ein Jahr einen Vertrag. Nach dem Urlaub spielen wir den Asien-Cup, danach habe ich etwas länger frei und werde mit meiner Frau nach Europa reisen.

Können Sie sich vorstellen, länger dort zu arbeiten? Wollen Sie Cheftrainer werden?

Tiilikainen: Dazu kann und möchte ich nichts sagen. Aber ich kann mir schon vorstellen, länger in Japan zu bleiben. Ich bin niemand, der sein Leben lange im Voraus plant. Und wer weiß schon, was die Zukunft für einen bereithält?

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