Düren: Integrationsrat: Zwischen „Alibi-Funktion“ und politischer Teilhabe

Düren: Integrationsrat: Zwischen „Alibi-Funktion“ und politischer Teilhabe

Nurullah Celik ist Realist. Wenn er über die Wahl des Integrationsrates spricht, blickt der 43-Jährige nicht durch die sprichwörtlich rosarote Brille. „Im Prinzip hat der Integrationsrat eine Alibi-Funktion“, sagt Celik. „Die eigentliche Arbeit findet woanders statt“, sagt er.

In den Vereinen, in den Stadtteilen — dort werde erfolgreiche Integrationsarbeit geleistet. „Jeden Tag, ohne dabei große Aufmerksamkeit zu erwecken.“

Der Integrationsrat, bilanziert Celik, habe „faktisch keine Macht“. Er berate nur die Politik, kläre die Formalien. Seine Entschlüsse können angehört werden, sie müssen aber nicht umgesetzt werden. Und dennoch kandidiert der Dürener mit türkischen Wurzeln für eines der 13 Mandate für Migrantenvertreter. Er führt die „Liste des Vertrauens“ an. „Der Integrationsrat ist eine Chance, das Thema überhaupt in die Öffentlichkeit zu bringen“, findet Celik. Es sei wichtig, Flagge zu zeigen, das Gespräch zu suchen.

Wie Yousef Momen (CDU) und Saffet Akkas (SPD) war Nurullah Celik bislang Mitglied des Vorgängergremiums, des Integrationsausschusses. Künftig wird ein Großteil der Mitglieder von Migranten direkt gewählt, nur wenige Mitglieder kommen über ein Stadtratsmandat in dieses Gremium. „Ich wünschte mir, dass alle Migranten Wahlrecht bei Kommunalwahlen hätten“, sagt Saffet Akkas. Das wäre für ihn „richtige politische Teilhabe“. Aber solange dieser Schritt noch nicht getan sei, müsse die politische Arbeit eben so gut wie möglich im Integrationsrat stattfinden. „Wir verstehen uns als Sprachrohr der Vereine und Menschen“, sagt Yousef Momen. Er fordert uneingeschränkte gesellschaftliche Teilhabe für Migranten — zeitgleich müssten sich aber auch Migranten einbringen. „Integration ist keine Einbahnstraße“, sagt er. Wer Rechte hat, habe auch Pflichten.

Nermin Ermis, die auf Platz 1 der Liste von Bündnis 90/Die Grünen für den Integrationsrat steht, hat viele Themen, die sie im Fall ihrer Wahl im Integrationsrat künftig ansprechen möchte. Sei es die Förderung einer zweiten Fremdsprache wie Türkisch in den Schulen, seien es die Themen Rassismus und Gewalt gegen Frauen oder die Unterbringung von Asylbewerbern in der Stadt. „Ich kenne die Probleme der Ausländer in dieser Stadt und möchte etwas für sie tun“, sagt sie.

Hilfestellungen bei Behördengängen, bei Gesprächen in Schulen oder beim Ausländeramt: Integration sei die Politik der kleinen Schritte. Nermin Ermis, Yousef Momen, Saffet Akkas und Nurullah Celik sind bereit, auch schwierige Aufgaben anzugehen. Sie wollen Brücken bauen, die Menschen unterschiedlichster Kulturen miteinander verbinden, für mehr Chancengleichheit sorgen. „Es fehlt noch das Wir-Gefühl in dieser Stadt“, findet Nermin Ermis. Das soll sich ändern. Lieber heute als morgen. „Mit unserer Arbeit können wir etwas bewirken“, ist Nurullah Celik überzeugt. Er wünscht sich, dass am Sonntag möglichst viele Migranten in Düren zur Wahl gehen.

Mehr von Aachener Zeitung