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Industriekonzert: Liederabend mit Sybilla Rubens

Industriekonzert im Haus der Stadt : Äußerst einfühlsame Interpretation

Nicht zum ersten Mal stand bei den Industriekonzerten der Vereinigten Industrieverbände ein Liederabend auf dem Programm. Aber zum ersten Mal wurde er von einer Frauenstimme gestaltet.

Die Sopranistin Sibylla Rubens – begleitet vom Pianisten Götz Payer – wandelte dabei nicht auf den gewohnten Pfaden der herausragenden Kunstliedkomponisten Robert Schubert und Franz Schumann.

Nicht zum ersten Mal stand bei den Industriekonzerten der Vereinigten Industrieverbände ein Liederabend auf dem Programm. Aber zum ersten Mal wurde er von einer Frauenstimme gestaltet. Die Sopranistin Sibylla Rubens – begleitet vom Pianisten Götz Payer – wandelte dabei nicht auf den gewohnten Pfaden der herausragenden Kunstliedkomponisten Robert Schubert und Franz Schumann. Vielmehr schlug sie einen großen Bogen vom Barockkomponisten Henry Purcell über die Klassiker Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart bis zum großen Romantiker des Klavierlieds Johannes Brahms.

Die drei Lieder „An Evenig Hymn“, „Music for a while” und „The Blessed Virgin’s Expostulation” des 1695 im Alter von 36 Jahren viel zu früh verstorbenen Barockkomponisten Purcell hatte die Sängerin als Einstieg in den Liederabend gewählt. Hier zeigte sich ihre schlanke, nicht mit Vibrato überfrachtete Stimme als hervorragend geeignet für die klaren Linien der Barockmusik.

Gleichwohl zeigte sich schon hier eine von starkem gestischen und mimischen Einsatz hervorgerufene äußerst intensive Interpretation, die sämtliche Musik und Text innewohnenden Emotionen für den Zuhörer unmittelbar nachvollziehbar machten. Sibylla Rubens verstand es, das Publikum vom ersten Ton an in ihren Bann zu ziehen.

Hatte man nun gedacht, eine hervorragende Barocksängerin zu hören, so konnte man sich  davon überzeugen, dass die Sängerin auch im Opernfach zu Hause ist; hatten doch die Lieder von Mozart teilweise Operncharakter. Und wieder war es Sibylla Rubens´ zu Herzen gehende Stimme, die es in beeindruckender stimmtechnischer, intonatorischer und artikulatorischer Perfektion verstand, das Publikum auf eine Reise durch diese Kleinodien der Musikliteratur mit zu nehmen. Götz Payer begleitete mit ebenso feinem wie elegantem Anschlag sehr einfühlsam; ließ es sich aber auch nicht nehmen, wo angebracht, durchaus „in die Vollen“ zu gehen.

Geschichte einer Meerjungfrau

Die Canzonetten von Joseph Haydn spielen innerhalb seines überwältigenden Gesamtschaffens zu Unrecht eine eher untergeordnete Rolle, was gleichermaßen für die Mozart-Lieder gilt. Innerhalb dieser fünf Lieder galt es, einen Bogen zu spannen von der koketten Geschichte einer Meerjungfrau, die einen Jüngling in ihre Welt zu locken versucht (“The Mermaid’s Song“), bis hin zum beinahe depressiven Besingen der Einsamkeit des Wanderers in der Nacht. Auch hier zeigte sich das hohe Niveau der Sopranstimme von Rubens, die in allen Tonlagen gleichermaßen sicher, natürlich und unangestrengt klang.

Der letzte Abschnitt der Reise galt Johannes Brahms. Auch hier waren es überwiegend nicht die weithin bekannten Lieder, sondern es galt, eher unbekannte Schmuckstücke der Kunstliedliteratur zu entdecken, wie „Salamander“, ein interessantes Gleichnis auf die Abgründe der Liebe. Darüber hinaus fiel hier auf, dass von sieben Liedern ganze fünf von Mädchen „erzählen“, davon drei, die sich einfach nur „Mädchenlied“ nennen.

Das Publikum jedenfalls konnte sich dem intensiven und hochemotionalen Gesangsvortrag nicht entziehen, quittierte manche Koketterie mit hörbarem Lächeln und jedes einzelne Lied mit begeistertem Applaus.