Sorge um ein Gutachten zur Rur: Industrie im Kreis Düren fürchtet Wassermangel

Sorge um ein Gutachten zur Rur : Industrie im Kreis Düren fürchtet Wassermangel

Seit Jahrhunderten leben nicht nur die Papierfabriken zwischen Kreuzau und Linnich vom Wasser der Rur und der von ihr abgehenden Mühlenteiche, sondern auch Teile der Metall- und Textilindustrie bis hin zur Chemiebranche. Aktuell sind es mehr als 30 Firmen mit rund 7000 Arbeitsplätzen, die unzähligen Zulieferbetriebe nicht mitgerechnet. Die Firmen haben zum Teil unbefristete, noch aus dem Königreich Preußen stammende Rechte zur Wasserentnahme.

Die im Verein „Industrie – Wasser – Umweltschutz“ (IWU) zusammengeschlossenen Betriebe aber haben nun Angst, dass ihnen sprichwörtlich das Wasser ausgehen könnte.

Hintergrund ist ein vom Land NRW in Auftrag gegebenes Gutachten, das Aussagen zur künftigen Wasserführung in der Rur treffen soll, erklärt IWU-Geschäftsführer Dr. Stefan Cuypers. Die Unternehmen befürchten, dass die bisher zugesagte Mindestabgabemenge von fünf Kubikmetern pro Sekunde am Staubecken Obermaubach aus Gründen der Gewässerökologie reduziert werden könnte, will heißen, dass weniger Wasser im Rurbett verbleiben könnte, um dem Lachs, vor allem aber Kleinstlebewesen optimale Lebensbedingungen zu bieten.

Damit stünde den Unternehmen für die Produktion deutlich weniger Wasser zur Verfügung. Dabei wurmt die Betriebe vor allem, dass die Gutachtenerstellung ergebnisoffen erfolgt, erklärt der IWU-Vorsitzende Matthias Simon, seines Zeichens Geschäftsführer des Dürener Spezialpapierherstellers Kanzan. Das heißt: Die Interessen der Industrie und der mit ihr verbundenen Arbeitsplätze werden nicht von vorneherein berücksichtigt.

Ein verheerendes Signal

„Somit gibt es schon während des Prozesses keine Investitionssicherheit mehr“, kritisieren Simon und Cuypers und sprechen von einem verheerenden Signal nicht nur für die Familienunternehmen, sondern auch für die international aufgestellten Konzerne, die ihre Investitionsentscheidungen für einen bestimmten Standort davon abhängig machten, ob Wasser als zwingend erforderliches Produktionsmittel dauerhaft, rechtssicher und kostengünstig zur Verfügung steht. „Für die Wertschöpfung in der Region dürfen wir aber nicht riskieren, dass Arbeitsplätze verloren gehen“, betont Matthias Simon auch mit Blick auf den anstehenden Strukturwandel im Rheinischen Revier. „Wir glauben nicht, dass es im Sinne unserer Region, ihrer Menschen und Arbeitsplätze liegen kann, wenn wir parallel zum Ausstieg aus der Kohle auch unsere Industrie nachhaltig schwächen.“

Daher haben die IWU-Betriebe einstimmig eine Deklaration verabschiedet. Mit ihr fordern sie die Landesregierung auf, umgehend zu erklären und zu gewährleisten, dass jetzt und zukünftig die Wasserversorgung der Firmen an der Rur zwischen Kreuzau und Linnich sichergestellt ist. „Wir unterstützen die ökologische Aufwertung der Rur“, versichert Simon, „aber die Interessen der Industrie müssen berücksichtigt werden“.