Nörvenich: Individuell, klanglich rund und virtuos

Nörvenich: Individuell, klanglich rund und virtuos

„Ein virtuoses Klavierkonzerterlebnis” wünschte Klaus Mühlbauer, Vorsitzender der Nörvenicher Schlosskonzerte, den 170 Gästen, die zur Matinée in Schloss Nörvenich gekommen waren.

Er freute sich, im Rittersaal auch zahlreiche Dürener begrüßen zu können und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass dies vielleicht der Beginn „einer engeren Beziehung” werde. Anlass für diese zarten Bande war der 1976 in Düren geborene Pianist und Kammermusiker Johannes Freiburg, der anlässlich ihres 200. Geburtstages Werke von Robert Schumann (1810-1856) und Frédéric Chopin (1810-1849) spielte. Mit einem anspruchsvollen Programm würdigte der in Münster lebende Künstler die beiden großen Komponisten der Romantik.

Gleich zu Beginn schuf Freiburg mit Schumanns „Arabeske” op. 18 und dem „Blumenstück” op. 19 eine poetische Grundstimmung. Entstanden sind die kurzen Einzelstücke, als Schumann noch um seine spätere Frau Clara warb. Elfenhaft und zart, manchmal leidenschaftlich und hitzig war Freiburgs Interpretation, und sie bewahrte dennoch das musikalische Gewicht dieser Stücke. Mit der „Kreisleriana” op. 16 folgte Schumanns wohl bedeutendste Komposition für das Klavier. Das halbstündige Opus ist Chopin gewidmet und besteht aus acht Stücken, in denen Schumann die exzentrische Natur des Kapellmeisters Kreisler nachzeichnet. In dem Werk, das höchste Ansprüche an den Pianisten stellt, wechseln einzelne Gemütszustände in atemberaubendem Tempo und es zeigt geradezu ein Psychogramm des Komponisten Schumann. Johannes Freiburg gelang es, sämtliche Abgründe, wie draufgängerisches Ungestüm, Zerrissenheit oder Schwärmerei mit emotionaler Intelligenz, fesselnder Ausdrucksvielfalt und berauschender Technik zu spielen.

Den zweiten Teil des Konzerts widmete der studierte Pianist dem Klaviergenie Frédéric Chopin. Mit den Mazurken Nr. 1 und Nr. 4 op. 17 und „Impromptu” bewies der mehrfache Preisträger des Musikwettbewerbs „Jugend musiziert” sowie des Deutschen Tonkünstlerverbands (DTKV) erneut, dass er individuell, klanglich rund und virtuos spielen kann. Im „Nocturne b-moll” op. 9 Nr. 1 entfaltete Freiburg charmant und mit prächtiger Klangfarbe Chopins Welten voller Emotionen, ohne darin zu schwelgen. Mit dem „Scherzo Nr. 2 b-moll” op. 31, einfühlsam interpretiert, ließ Johannes Freiburg die Matinée im Schloss ausklingen. Das Publikum war hingerissen von seinem meisterhaften Spiel, denn unter seinen Händen klingen die Romantiker schwerelos und kraftvoll zugleich.

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