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In Hambach wurden privat mehr als 17.000 Masken genäht

17.000 Behelfsmasken verteilt : Hilfsaktion von Haustür zu Haustür in Hambach

Eigentlich fing es ganz klein an: Ihre erste Schutzmaske nähte Ute Fuchs aus Hambach Ende März, als ihre Tochter auf ihrer Arbeitsstelle, einer Arztpraxis, keine mehr zur Verfügung hatte. Das war der Beginn einer Hilfsaktion, bei der inzwischen mehr als 17.000 Masken genäht wurden.

Kurz nachdem sie ihr erste Maske genäht hatte, erreichte Fuchs via Angelika Schiffers aus Hambach der beunruhigende Hilferuf eines Seniorenheimes, das ebenfalls dringend Schutzmasken benötigte. Eine beispiellose Aktion begann.

Schnell stellte sich heraus, dass es sich insgesamt um zehn Pflegeheime handelte, der sofortige Bedarf bei 800 bis 1000 Masken lag. „Ich habe spontan meine Hilfe zugesagt, kam aber ins Grübeln, wie ich das alleine in so kurzer Zeit schaffen soll“, so die selbständige Nageldesignerin. Also startete sie in der Whatsapp-Gruppe der örtlichen KG „Böschremmele“, in der sie aktives Mitglied ist, einen Aufruf mit der Bitte um Hilfe und Materialspenden in Form von alten Bettlaken, Bettwäsche aus Baumwolle oder Leinen und natürlich Gummiband. Was nun folgte ist eine außerordentliche Hilfsaktion, bei der am Ende ehrenamtlich und unentgeltlich mehr als 17.000 (!) Masken für gemeinnützige Einrichtungen, Geschäfte, Praxen und private Haushalte genäht wurden.

Innerhalb von zwei Tagen fanden sich die ersten 16 Mitstreiter, die voller Tatendrang bei der Sache waren. Teilweise liefen die Nähmaschinen heiß, mehrere Geräte mussten in dieser Zeit repariert werden. „Eine ging ganz über den Jordan“, erinnert sich Näherin Martina Adrian. Von immer mehr fleißigen Händen wurde geschnitten, geliefert, genäht, gebügelt und „genudelt“. Denn als das Gummiband knapp wurde, brauchte es eine kreative Lösung für die Befestigung. Also wurde ein Ballen Jerseystoff in Streifen geschnitten und zu schmalen Bändchen „genudelt“. Der feste Kern der Nähgruppe bestand aus rund 20 Personen, dazu kamen viele „Teilzeitarbeiter“. Manche aus der Gruppe stellten die Masken vom Schneiden des Stoffs bis zum Bügeln der fertigen Maske komplett selbst her, andere übernahmen einzelne Arbeitsschritte.

„Jeder hat geholfen, wie und wo er konnte“, sagt Ute Fuchs. Und zu Beginn, in Zeiten der Kontaktsperre wegen des Coronavirus, funktionierte das Ganze tatsächlich kontaktlos. „Wir haben die Sachen an die Haustüre gehängt oder einen Korb hingestellt“, berichtet Hans Radermacher. Material oder zu bügelnde Masken wurden dann von Maria Sieben von einem Haushalt zum anderen gebracht. Die gesamte Organisation lief über eine Whatsapp-Gruppe, manche Teilnehmer kennen sich daher bis heute nicht persönlich. Denn es waren nicht nur Hambacher beteiligt, auch in Krauthausen, Niederzier und Daubenrath gab es emsige Unterstützer. Dabei war es nicht nur der Wunsch, helfen zu wollen, der die Nähgruppe motivierte. „Durch das Arbeiten sind wir sehr gut durch den Beginn dieser schwierigen Coronazeit gekommen“, erzählt Mitstreiterin Marianne Vontz.

Auch die Familie von Ute Fuchs war von Anfang an mit Begeisterung bei der Sache: ihre 89 Jahre alte Mutter half bei der Qualitätskontrolle, die dreijährige Enkelin sorgte für Aufmunterung – der Kindergarten war ja auch geschlossen. Die von den ehrenamtlichen Helfern angefertigten Stoffmasken gingen unter anderem an die Gut-Köttenich-Gruppe, die Lebenshilfe Aachen, AWO Niederzier, Wohnanlage Sophienhof Niederzier, Altenheim St. Hildegard Jülich, Lebenshilfe Düren, Caritas Jülich, Gemeinde Niederzier, Stephanusschule Selgersdorf, Burg Binsfeld, Physiopraxis Hufmann Jülich, Physiopraxis Zajac und Leroy Niederzier, Praxis Dr. Lich Kreuzau, Friseursalon Marita Jansen Hambach, Friseursalon Sonja Domath Jülich, Kranbau und Fördertechnik Jürgen Sieben, Wohnungslosenhilfe Düren und viele private Haushalte.

Von überall her erreichten Dankesschreiben, Pralinen, Stofftiere oder andere Präsente die Nähgruppe, berichtet Ute Fuchs. Mittlerweile haben die Ehrenamtler das Nähen eingestellt und hoffen, dass das auch nicht wieder nötig wird. Beschlossen haben sie auf jeden Fall, dass sie sich am 2. August in großer Runde endlich einmal alle persönlich kennenlernen.