Merode: In Ghana ist Jesus der zwölfte Mann auf dem Platz

Merode: In Ghana ist Jesus der zwölfte Mann auf dem Platz

„In Ghana sagen wir, dass Jesus der zwölfte Mann auf dem Platz ist“, erzählt Sheila Trostorf-Aminatey. Der Glaube und der Fußball — beides würde in dem westafrikanischen Land eine große Rolle spielen. Und so sei es nicht ungewöhnlich, dass Spieler und Fans der „Black Stars“ vor Spielbeginn ein Stoßgebet gen Himmel richten würden.

Sheila Trostorf-Aminatey lebt seit 14 Jahren in Deutschland. Sie lebt gerne hier. „Aber während der Weltmeisterschaft vermisse ich meine Heimat“, sagt sie. Sie weiß, wie Freunde und Verwandte dort den Fußball und die Nationalmannschaft feiern werden. „Es wird getanzt und getrommelt“, beschreibt Sheila Trostorf-Aminatey die Feiern während der WM, die ausgelassen und laut seien.

Sheila Trostorf-Aminatey hofft, dass Ghana heute Abend gewinnt.

Alles werde in den Nationalfarben geschmückt und nicht selten werde improvisiert: Ein Notstromaggregat, eine Kabeltrommel, zwei Fernseher — vor denen sich die Fans zum Fußballfest treffen würden.

Ein typisches Essen, das zum Fußballgucken gereicht wird, ist Banku. Banku ist ein ghanaisches Nationalgericht, eine Art Brei, der aus gesäuertem Mehl hergestellt wird. „Dazu gibt es gegrillten Tilapia-Fisch und Shito, eine scharfe Pfeffersoße“, sagt Sheila Trostorf-Aminatey und gerät ins Schwärmen.

„Es ist an der Zeit, dass endlich eine afrikanische Mannschaft den Titel gewinnt“, sagt die gebürtige Ghanaerin hoffnungsvoll, der U 20-Nationalmannschaft sei das 2009 schließlich auch schon gelungen. Und weil die Ghanaer „mittlerweile tollen Fußball“ spielen würden, schätzt sie die Chancen, bei der WM weit zu kommen, gar nicht so schlecht ein.

So wie das Spiel Deutschland gegen Ghana auch ein Duell der Brüder Jérôme und Kevin-Prince Boateng ist, so ist das Spiel auch ein kleines Duell zwischen der gebürtigen Ghanaerin und ihrem Mann Albert Trostdorf, dem Ortsvorsteher von Merode. „Der Haussegen hängt bei uns aber nicht schief“, sagen die Eheleute — egal, wer das Spiel für sich entscheidet.

Es wird sich ein wenig geneckt, mehr aber auch nicht. „Es geht schließlich nur um Fußball“, sagen die Eheleute lachend. Überhaupt: Sheila Trostorf-Aminatey lacht gerne und viel. „Wir sind ein fröhliches, entspanntes und offenes Volk“, sagt sie über die Ghanaer. Auch die Armut würde den Menschen die Lebensfreude nicht nehmen. Das Temperament der Menschen sei in Deutschland ganz anders. „Es hat einige Zeit gedauert, bis ich mich an das Leben hier gewöhnt hatte“, sagt Sheila Trostorf-Aminatey, die vor 14 Jahren ihrem Vater nach Deutschland folgte.

Mittlerweile hat sie auch in der internationalen Gospelkirche „Word of Faith Ministries — Wort des Glaubens“ eine Heimat gefunden. „Ähnlich wie Gospel-Songs klingen auch manche Fußballgesänge der ghanaischen Fans“, weiß die Chorleiterin. Sie hofft auf ein fröhliches Fußballfest: „Die Mannschaften spielen gegeneinander, aber wir Fans sollten das Miteinander in den Mittelpunkt rücken.“

Sheila Trostorf-Aminatey tippt übrigens auf 2:1 für die „Black Stars“, während ihr Gatte hofft, dass die Löw-Elf 2:1 gewinnt.