Düren: Improvisation erfolgt sehr melancholisch

Düren: Improvisation erfolgt sehr melancholisch

Zur Vorstellung seiner neuen CD machte der aus irakisch Kurdistan stammende Dürener Geiger Alan Arif den Zuhörern und sich selbst eine besondere Freude mit einem ungewöhnlichen Konzert.

Die vier Musiker auf der kleinen Bühne des Café International bewiesen, dass die Heimatsprache Musik ohne Grenzen ist. Winfried Simon von der Integrationsagentur der Evangelischen Gemeinde zu Düren erklärte die Organisation des Konzerts in Kooperation mit dem Verein „Kultur ohne Grenzen“, deren Vertreter er begrüßte.

Denn der „Irakisch-kurdische Sport- und Kulturverein“ (IKSK) spiele eine wichtige Rolle für die Integration und musikalische Entwicklung ihrer jungen und älteren Mitglieder. Menschlich und sozial noch wichtiger, betonte die Vorsitzende Aziz Roonak, sei die praktische Hilfe und Arbeit mit Flüchtlingen bei Behörden, Arztbesuchen und Sprachkursen.

Die Begeisterung und Freude vieler Freunde des IKSK war beim Konzert neben der Anerkennung professioneller Musikkenner deutlich spürbar. Nach dem furiosen Beginn des Quartetts mit Antonio Vivaldis „Sturm“ aus dem Jahreszeiten-Sommer bemerkte Johannes Esser, der Leiter der Cappella Villa Duria, dass die glänzende Geigerin Angelina Abadjava bei ihm schon ein Paganini-Solokonzert gegeben habe. Sie stammt aus Shumen in Bulgarien, hat in Sofia studiert und ist Mitglied im WDR-Funkhausorchester wie die Stuttgarterin Amrei Collman an der 2. Geige.

Virtuoses Spiel

Mit ihnen und Alan Arif trumpfte Alexander Pankov (Akkordeon) auf, setzte rhythmische und harmonische Akzente zum virtuosen Spiel der Geigen. Pankov hat an den Musikhochschulen von Novosibirsk und Köln studiert, ist international gefragter Solist und Ensemblespieler. Kein Wunder, dass im Programm drei russische Evergreens folgten, die aber wie symphonische Perlen temperamentvoll gespielt wurden, dynamisch variiert bis rasant arrangiert: „Schwarze Augen“ mit Spannung und Feuer, „Zwei Gitarren“ mit Seufzern und Tangofeeling, „Ein weiter Weg“ sehr melancholisch improvisiert.

Vor dem abschließenden „Miss Marple“ als westlicher Musikbeitrag kam endlich etwas von Alan Arifs eigenen Kompositionen und Arrangements mit zwei Stücken zur Geltung. Vor lauter Spielfreude und Bewegung im Saal war die detaillierte Würdigung der CD viel zu wenig beachtet worden. Deren neun Stücke enthalten in unterschiedlicher Besetzung drei eigene, vier von Alan Arif arrangierte kurdische Folkloretänze sowie einen Tango von Carlos Gardel und einen italienischen Song. Zu dieser farbigen Mischung, wie immer virtuos serviert, passt Alan Arifs Motto „Musik ist eine Sprache, in der sich jeder wiederfinden kann.“