Im Kreis Düren werden im Jahr 2017 113.548 Tonnen Müll abgeholt

Zahlen des Zweckverbands Entsorgungsregion West für 2017 : 436,5 Kilo: So viel Müll verursacht jeder im Kreis Düren pro Jahr

Wer in Vettweiß lebt, hat im Jahr 2017 statistisch insgesamt 118,8 Kilogramm Müll mehr verursacht, als ein Einwohner von Merzenich. Dies geht aus der aktuellen Statistik des Zweckverbands Entsorgungsregion West (ZEW) hervor.

Die Ursachen sind so vielfältig wie die Abfuhrtermine und Tonnengrößen. Wie der Müll entsorgt wird und wie die Gebühren auf die Einwohner verteilt werden, entscheidet schließlich jede Kommune selbst.

In Nordrhein-Westfalen obliegt es den Kommunen, den Müll einzusammeln, die Kreise müssen die Entsorgung organisieren. Dies führt dazu, dass man in Langerwehe eine 60-Liter-Restmülltonne buchen kann, die alle vier Wochen geleert wird, wohingegen die meisten Kommunen im Kreis Düren auf eine 14-tägige Leerung von mindestens 80-Liter-Tonnen setzen. „Große Restmülltonnen verleiten dazu, sie komplett mit Abfällen zu füllen, die man auch in die grüne oder gelbe Tonne stecken kann“, sagt der ZEW-Geschäftsführer Wilfried Kohl.

Dies allerdings reicht zur Erklärung der Zahlen nicht aus. In Heimbach fällt die hohe Hausmüllmenge im Vergleich zu anderen Kommunen auf. Konkret: 180,2 Liter pro Einwohner. Im benachbarten Nideggen wurden im Jahr 2017 im Schnitt 123,7 Kilogramm Hausmüll verursacht. Dieser Müll wird unmittelbar zur Müllverbrennungsanlage in Eschweiler-Weisweiler gebracht. Kohl nennt verschiedene Gründe für die Zahlen. In Heimbach befindet sich zum Beispiel das Feriendorf „Landal“.

Foto: grafik

„Der dort verursachte Müll wird auf die Einwohnerzahl Heimbachs umgerechnet, während die Feriengäste nicht als Einwohner gezählt werden“, schildert Kohl. Oft führt auch die Vermengung von Hausmüll und Restmüll von Betrieben zu höheren Pro-Kopf-Zahlen. Der genaue Grund bleibt dann im Dunkeln wie etwa in Titz, wo die Hausmüllmenge 180,8 Kilogramm pro Einwohner betrug.

Im gesamten ZEW-Gebiet schneidet der Kreis Düren bei der Hausmüllmenge schlechter ab als die anderen Gebiete: 141,4 Kilogramm stehen 147,9 Kilogramm pro Jahr und Einwohner gegenüber. Allerdings verursachten die Bewohner im Kreis Düren weniger Gesamtmüll, nämlich 436,5 Kilogramm pro Kopf im Jahr 2017, wohingegen der Durchschnitt im Verbandsbereich bei 447,9 Kilogramm lag. Die Müllmenge ist jedoch immer noch höher als im Jahr 1993, als noch 418,5 Kilogramm Müll pro Einwohner verursacht wurden. In den vergangenen Jahren ist die Zahl sogar weiter gewachsen. „Mit dem Konsum steigt auch die Müllmenge“, sagt Wilfried Kohl. Trends wie der Online-Handel, der zusätzlichen Verpackungsmüll verursacht, verstärken diese Entwicklung.

Zwar kann jeder mit seinem eigenen Verhalten dazu beitragen, dass die Müllmengen sich verringern, aber damit ist es in den Augen von Kohl nicht getan. „Die Entscheidungen müssen auf Ebene der Europäischen Union gefällt werden“, meint er. So hat die EU das Verschenken von Plastiktüten verboten. Zusätzlich solle man nachhaltiger einkaufen. Dies bedeutet zum Beispiel, dass man stabilere Möbel erwerben und diese nicht bei jedem Wohnungswechsel als Sperrmüll an den Straßenrand stellt. „Auch Geräte kann man reparieren lassen, statt sofort neue zu kaufen“, mahnt Kohl. Solche und ähnliche Hinweise geben die Abfallberatungsstellen.

Allerdings nehmen es manche Menschen mit der Mülltrennung nicht so genau. So landet immer wieder Restmüll in Biotonnen oder in gelben Säcken und Tonnen. Kohl spricht dann von „Fehlwürfen“. Der ZEW sammelte im Jahr 2017 insgesamt 63.000 Tonnen Bioabfall. 30.000 Tonnen davon verarbeitete er in den Kompostierungs- und Vergährungsanlagen selbst. Sechs Prozent oder 1800 Tonnen davon landeten letztlich in der Müllverbrennungsanlage, weil sie voller sonstigem Müll waren. Die ZEW machte dabei die Erfahrung, dass das soziale Umfeld auch in der Müllentsorgung sichtbar ist. In ländlichen Gebieten fällt das Eigenkompostieren leichter als im Wohnblock der großen Innenstädte.

Bei der Gesamtmüllmenge liegt Vettweiß mit 513,9 Kilogramm pro Einwohner im Jahr vorne, die geringste Menge musste im Schnitt von einem Menschen in Merzenich entsorgt werden, nämlich 395,1 Kilogramm. Der durchschnittliche Stadtbewohner Dürens verursachte im gleichen Zeitraum lediglich 800 Gramm Müll mehr. Im gesamten Kreis Düren wurden 113.548 Tonnen Müll im Jahr 2017 gesammelt.

Davon waren 38.750 Tonnen Hausmüll, 29.581 Tonnen Bioabfall, 17.374 Tonnen Papier und 12.122 Tonnen Leichtverpackungen (gelbe Tonne/Sack). Die restlichen Mengen: Sperrmüll (5286 Tonnen), Altholz (1060), Grünabfall (3314), Glas (5212), Elektroschrott (635) und Schadstoffe (215). Diese großen Mengen Müll führen dazu, dass die Müllverbrennungsanlage ausgelastet ist, was die Kosten pro verbrannter Tonne Müll senkt.

Die unterschiedlichen Abfuhrrhythmen und -systeme in den Kommunen verursachen auch einen Dschungel unterschiedlicher Gebührensätze. Die 14-tägliche Abfuhr der 120-Liter-Tonne kostete in Hürtgenwald im vergangenen Jahr 216,36 Euro, in Nörvenich hingegen 184,63 Euro und in Nideggen satte 364 Euro. Letztere Gemeinde will die Menschen mit dem hohen Preis für das 120-Liter-Gefäß dazu bewegen, auf eine kleinere und günstigere Variante umzusteigen. Auch dies ist ein Weg, Menschen zur Müllreduzierung zu bewegen.

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