Im Kreis Düren sind nicht alle Stellen an Grundschulen besetzt

Lehrerverband schlägt Alarm : Grundschule mehr Baustelle als Bullerbü

Lehrermangel und ungleiche Bezahlung des Lehrpersonals: Im Kreis Düren sind mehrere Leitungsstellen an Grundschulen nicht besetzt. Der Bildungsverband VBE schlägt nun Alarm und fordert bessere Arbeitsbedingungen für Grundschullehrer.

Mit Grundschulen verbinden viele noch ein romantisches Bild von Kindern, die aufmerksam und neugierig dem Unterricht folgen. Dabei haben die gesellschaftlichen Probleme auch die Primarstufen erreicht. „Bullerbü findet man in keiner Grundschule mehr“, sagt Tanja Küsgens. Die 42-Jährige muss es wissen, schließlich ist sie Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) im Kreis Düren und vertritt damit 400 Lehrerinnen und Lehrer. Inklusion, Integration, Digitalisierung – all diese Trends stellen auch die Grundschulen vor große Herausforderungen. Dazu gesellen sich Lehrermangel und in den Augen vieler die ungleiche Bezahlung des Lehrpersonals. Der Verband schlägt jetzt Alarm.

„Stau auf der A13“ nennt sich die Petition, mit der der VBE die Landesregierung an ihre Ankündigung erinnert,  die ungleiche Besoldung der Lehrkräfte zu beheben. Aktuell liegt das Einstiegsgehalt von Grundschullehrern bei A12, wohingegen der Start als Lehrkraft an Gymnasien mit A13 besoldet wird, was einer Differenz von etwa 600 Euro brutto monatlich entspricht. Darüber hinaus bestehen an der weiterführenden Schule bessere finanzielle Aufstiegschancen. In dieser Diskrepanz sieht Küsgens eine Ursache für den Lehrermangel: „Der Lehrerberuf an Grundschulen ist ähnlich fordernd wie an weiterführenden Schulen, wird aber deutlich schlechter bezahlt.“

Die Konsequenz sei, dass viele Stellen unbesetzt bleiben. Um die Lücken zu schließen, werden zunehmend Quereinsteiger eingestellt. Wer ein Diplom in Kunst, Sport, Musik oder Englisch vorweisen kann, kann in den Grundschuldienst treten. Nur: „Bei allem Engagement sind diese Menschen nicht speziell für die Arbeit an der Grundschule ausgebildet.“ Vor der ersten Unterrichtsstunde müssen keine zusätzlichen Qualifikationen erreicht werden. Dabei müsse man neben der Wissensvermittlung auch einen Erziehungsauftrag erfüllen, der laut Küsgens in den vergangenen zehn Jahren stetig gewachsen ist. Dies zeigt sich oft schon in der Zusammensetzung einer Grundschulklasse: „Wenn sich unter 28 Kindern vier mit besonderem Förderbedarf befinden, wird eine individuelle Förderung kaum noch möglich – da ändert auch die stundenweise Unterstützung von Sonderpädagogen nichts“, schildert Küsgens. Dies führe zu Schwierigkeiten bis hin zu Krankheit aufgrund der großen Belastung.

Wie viele solcher Quereinsteiger im Kreis Düren tätig sind, kann die für die Einstellung von Lehrern zuständige Bezirksregierung nicht sagen. Diese würden bei erfolgreicher Einstellung als reguläre Lehrkraft aufgeführt, hieß es auf Anfrage. Aktuell seien 722 Lehrkräfte an 40 Grundschulen im Kreis Düren tätig. Elf Lehrerstellen seien noch in der Ausschreibung. Vakant sind auch einige Leitungsstellen an Grundschulen. Fünf Grundschulen werden aktuell kommissarisch geführt. Auch dies führt Tanja Küsgens darauf zurück, dass die Mehrarbeit in einer Leitungsposition nicht adäquat vergütet wird.

Sie vertritt als VBE-Kreisvorsitzende 400 Lehrkräfte im Kreis Düren: Tanja Küsgens aus Kreuzau. Foto: ZVA/Patrick Nowicki

Kurios ist: Bei Vertretern der Landesregierung sind die Probleme an den Grundschulen bekannt. Bei einem Treffen der VBE-Vertreter im Kreis Düren mit dem Landtagsabgeordneten Dr. Ralf Nolten (CDU) überreichten sie einen symbolischen Strafzettel. In dem Gespräch mit dem Landespolitiker habe man darauf hingewiesen, dass man an Grundschulen originär ausgebildete Lehrkräfte und Unterstützung durch andere Professionen wie Schulsozialarbeiter benötige. „Viele arbeiten absolut am Limit“, meint Küsgens. Darüber hinaus warte man auf den Masterplan Grundschule, den die Landesregierung bis zum Ende des Jahres angekündigt habe.

Eine Möglichkeit, die das Land ergriffen hat, freie Posten an Grundschulen zu belegen, besteht darin, auf eine Stelle wartende Lehrer mit der Befähigung für Sekundarstufe II für zwei Jahre einzusetzen. Im Kreis sind vier solcher Seiteneinsteiger an Grundschulen tätig.

Dass die Grundschule an vielen Stellen einer Baustelle gleicht, zeigt die „Digitaloffensive“. Laut Küsgens werden Lehrkräfte zwar fortgebildet, aber die entsprechende Soft- und Hardware lässt noch auf sich warten. „Sprich: Ich kann jetzt schreiben, allein der Stift fehlt mir“, sagt Küsgens. Zuständig für die Ausstattung der Schulen ist der jeweilige Schulträger. Dieser lasse sich aber oft von pädagogischen Entwicklungen nur sehr schwer überzeugen, lautet die Kritik. Immer noch liege die Quote bei einem Computer für zehn Lehrkräfte. Dies führt zu deutlichen Engpässen, wenn zum Beispiel Zeugnisse geschrieben werden müssen. „Alleine aus datenschutzrechtlichen Gründen ist es schwierig, die Zeugnisse am eigenen PC zu Hause zu verfassen.“ Wenn es um die digitale Ausstattung geht, so lautet ihre Befürchtung, werden die Grundschulen auch in Zukunft weiterhin stiefmütterlich betrachtet.