Düren: Im Amtsgericht sind häufiger Wachtmeister gefragt

Düren: Im Amtsgericht sind häufiger Wachtmeister gefragt

Der Ton am Amtsgericht Düren wird schärfer, der Umgang rauer. Das ist eine Tendenz, die Amtsgerichtsdirektor Ulrich Conzen festgestellt hat. „Das passiert aber weniger bei Strafsachen als bei Familiensachen, bei denen wegen der nicht selten starke Emotionen mit im Spiel sind“, erläutert der Jurist.

Es geht also um Sorgerecht, Unterhalt und Ähnliches. Gelegentlich sind sogar besondere Sicherungsmaßnahmen nötig, um einen geregelten Ablauf der Verhandlungen zu gewährleisten. „Wenn ein Richter es wünscht, sind die Wachtmeister zur Sicherheit auch im Sitzungssaal dabei“, erklärt Conzen. Außerdem dürften sich manche Personen nur in Begleitung eines Wachtmeisters im Gerichtsgebäude bewegen. Die Regel sei das aber nicht.

Ulrich Conzen ist Direktor des Dürener Amtsgerichtes. Foto: Sarah Maria Berners

In der jüngeren Vergangenheit spricht der Amtsgerichtsdirektor von drei Fällen, in denen es eine „Gefährdungslage“ gegeben habe, die auch gemeinsam mit der Polizei bewertet werde. In einem der Fälle habe es sich beispielsweise um eine Familiensache gehandelt, bei der eine Person einen salafistischen Hintergrund gehabt habe. Zudem sei der raue Umgang im Gerichtssaal auch eine Frage der Mentalität und des kulturellen Hintergrundes. „Es gibt Menschen, die haben ein Problem damit, dass eine Frau als Richterin zum Beispiel über das Sorgerecht entscheidet“, erklärt Conzen.

Die Zahl der Jugendstrafsachen ist im Vergleich zu den beiden Vorjahren gesunken, während die Kurve am Amtsgericht Jülich kontinuierlich nach oben weist.

„In diesen Verfahren geht es zum Beispiel um Ladendiebstahl oder Schwarzfahren, aber auch um das sogenannte ‚Abziehen‘ von Handys und Geld. Dabei handelt es sich im Grunde genommen schon um Raub. So etwas macht man nicht fahrlässig. Da gehört kriminelle Energie dazu“, betont Conzen. Gerade bei Jugendstrafsachen sei das Gericht auf schnelle Urteile aus. „Das Jugendrecht soll erzieherisch wirken“, unterstreicht Conzen. Der Teufel stecke jedoch im Detail, zum Beispiel wegen komplizierter Terminabsprachen.

Eine Abteilung, die besonders viel zu tun hat, ist das Betreuungsgericht. Dort steigen die Fallzahlen seit Jahren kontinuierlich an. Lagen sie im Jahr 2011 noch bei 3843, lagen sie 2015 bei 4226. „Das spiegelt die demografische Entwicklung wider“, erklärt Ulrich Conzen. Allerdings handele es sich nicht nur um gebrechliche Menschen, sondern auch um Menschen, die eigenständig leben, beispielsweise aber bei finanziellen Dingen Hilfe benötigen würden.