Hürtgenwalds Bürgermeister Axel Buch hört im nächsten Jahr auf

Interview mit Axel Buch : Noch viele Ideen, aber der Akku ist leer

Seit 20 Jahren sitzt der Christdemokrat Axel Buch auf dem Hürtgenwalder Bürgermeistersessel. Kein Zweifel, dass er in dieser langen Zeit der Eifelgemeinde seinen Stempel aufgedrückt hat. Bei der Kommunalwahl am 13. September 2020 wird sein Name nicht mehr auf dem Wahlzettel stehen.

Im Interview schildert er warum und spricht über seine Amtszeit.

Sie haben an Ihrem 65. Geburtstag bekannt gegeben, dass Sie nicht mehr für das Bürgermeisteramt in Hürtgenwald kandidieren. Wann haben Sie den Entschluss gefasst?

Axel Buch: Das kann ich so genau nicht sagen. Der Gedanke aufzuhören, hat sich in den vergangenen zwei Jahren immer mehr verdichtet.

Was sind Ihre Gründe?

Buch: Zum einen das Alter, zum anderen aber auch die Tatsache, dass viele Dinge sich gewissermaßen nach 20 Jahren abnutzen. Da kommt man an einen Punkt, an dem man spürt, jetzt muss ein neuer Kopf her, der auch einmal in eine andere Richtung denkt. Ich habe zwar noch viele Ideen für die Gemeinde, die für weitere 20 Jahre Bürgermeister reichen würden, aber irgendwann muss auch einmal Schluss sein.

Gibt es Dinge, die Sie gerne als Bürgermeister umgesetzt hätten, die Sie aber nicht realisiert haben?

Buch: Da gibt es das ein oder andere. Ich hätte vor allem touristisch gerne ein Highlight gesetzt. Vor einigen Jahren kamen die Pläne eines Wellnesshotels auf, das aber leider nie gebaut wurde, weil sich die Investoren zurückgezogen haben. Hürtgenwald hat touristisch zwar eine sehr gute Entwicklung genommen, aber wir stoßen bei den angebotenen Bettenzahlen einfach an Grenzen. Dies hemmt uns. Zum anderen liegt mir die Gewerbeentwicklung am Herzen. Ein neues Gewerbegebiet (Anm. der Redaktion: das Gewerbegebiet „Germeter“ im Norden Vossenacks) werde ich vielleicht noch auf den Weg bringen können. Die Gespräche mit der Bezirksregierung laufen, aber die Eröffnung werde ich nicht mehr als Bürgermeister erleben.

Sind interkommunale Gewerbegebiete für Hürtgenwald eine Option?

Buch: Natürlich, aber es ist auch wichtig, vor Ort Flexibilität zu schaffen. Wir haben Anfragen von kleineren Betrieben erhalten, für die wir kein passendes Angebot hatten. Vielleicht haben wir in der Vergangenheit als Gemeinde den Fehler gemacht, dass wir nicht ein Angebot entwickelt haben, sondern erst auf Anfragen gewartet haben. Egal wie arm oder reich eine Gemeinde ist, sie muss aktiv tätig werden und mit den Flächen an den Markt gehen.

Sie sprachen die touristische Entwicklung an. Woran scheitert es, Investoren für Hotelprojekte nach Hürtgenwald zu locken?

Buch: Dies liegt auch an der geographischen Lage in unmittelbarer Nähe zu Düren und Aachen, die als größere Städte erfahrungsgemäß interessanter für Großinvestoren sind. Hürtgenwald ist auch leicht von diesen Städten aus zu erreichen. Ein weiteres Manko ist sicherlich auch, dass die Bereitschaft der Menschen, im Dienstleistungsbereich tätig zu werden, nachlässt. Wir stellen kaum Neugründungen in der Tourismusbranche fest. Wir haben allerdings als Gemeinde das Glück, dass in den bestehenden touristischen Betrieben in Simonskall ein Generationenübergang gelungen ist.

Der „Eifel.Turm“ soll als Tourismusmagnet dienen. Wie sehen Sie das?

Buch: Die Vision ist nach wie vor gut, die Frage ist nur, wer setzt sie um. Der angedachte Standort für den Aussichtsturm bei etwa 570 Höhenmetern würde einen einmaligen Rundumblick bis in die Niederlande, nach Belgien, Köln und auch in die Eifel hinein ermöglichen. Einen solchen Weitblick findet man allenfalls noch in den Alpen. Die Idee des Künstlervereins unterstütze ich, aber eine Gemeinde wie Hürtgenwald kann den Bau nicht selbst leisten.

Nun ist Hürtgenwald ohnehin finanziell nicht auf Rosen gebettet. Sehen Sie Licht am Ende des Tunnels?

Buch: Es sind erste, kleine Schritte in die richtige Richtung erfolgt, aber da ist noch viel Potenzial vorhanden. Die Gemeinden müssen finanzielle Planungssicherheit erhalten, der Weg dahin spielt dann eine untergeordnete Rolle. Wenn ich bedenke, dass in absehbarer Zeit die Gewerbesteuereinnahmen von RWE in benachbarten Kommunen wegfallen, dann wird sich das auch auf uns wieder auswirken.

Hürtgenwald geriet negativ in die Schlagzeilen, als bekannt wurde, dass ein Verwaltungsmitarbeiter Geld veruntreut hat. Wie sehr hat Sie diese Situation belastet?

Buch: Ich habe in 20 Jahren zwei schlaflose Nächte gehabt. Dies war, nachdem wir den Sachverhalt aufgedeckt hatten. Die Sache hat mich persönlich betroffen gemacht. Auf andere Dinge ist man gewissermaßen vorbereitet, da hilft auch die Berufserfahrung. Ich war vor allem menschlich sehr enttäuscht.

Wie haben Sie verwaltungsintern Abläufe verändert?

Buch: Das Fatale an der Geschichte ist, dass das Vier-Augen-Prinzip von dem Mitarbeiter ausgehebelt wurde, indem er Unterschriften gefälscht hat. Deswegen machen wir für größere Beträge auch eine dritte Kontrollebene auf. Im Moment geht jede Rechnung über meinen Schreibtisch und wird von mir abgezeichnet. Dies kann aber keine Dauerlösung sein.

Wenn dies vielleicht ein negativer Höhepunkt war, welche Situation bleibt Ihnen besonders positiv in Erinnerung?

Buch: Da würden mir viele einfallen. Als politisch positivsten Moment nenne ich den Erhalt des Schulstandorts mit der Anbindung an den Schulverband Nordeifel. Dass uns dies gelungen ist, das war eine ganz wichtige Entwicklung. Wir bieten als kleine Gemeinde nach wie vor eine Bandbreite an Schulformen an.

Wie planen Sie denn Ihre Zeit nach dem Bürgermeisteramt?

Buch: Meine Familie hat aufgrund meiner Tätigkeit natürlich Einschränkungen erfahren müssen, da möchte ich ein bisschen zurückgeben. Eigentlich habe ich vor, einmal sechs Monate lang nichts zu tun. Aber ich glaube nicht, dass es sechs Monate werden. Ich beschäftige mich aber mit dem Gedanken, noch einmal ein Studium anzuschließen. Vielleicht etwas Historisches, weil Hürtgenwald eine bedeutende Geschichte hat, deren Ausmaß ich zunächst nicht erkannt habe. Ich habe auch Anfragen für ehrenamtliche Tätigkeiten. Was ich aber konkret mache, steht noch nicht fest.

Die Allerseelenschlacht jährt sich zum 75. Mal. Können Sie die Kontroverse über die historische Aufarbeitung nachvollziehen?

Buch: Die Geschichte, die Hürtgenwald erzählt, ist eigentlich ganz einfach: Krieg kennt keine Gewinner. Krieg bringt nur Leid über Menschen. Dies den jungen Menschen zu vermitteln, gerade in Zeiten, in denen rechte Tendenzen wieder aufblühen, ist eines der wichtigsten Anliegen.

Wenn Sie dem zukünftigen Bürgermeister oder der zukünftigen Bürgermeisterin einen Tipp geben könnten, welcher wäre das?

Buch: Ich würde raten, nicht auf schreiende Minderheiten zu hören, sondern mit Gelassenheit und Ruhe Entscheidungen zu treffen. Wer es nötig hat, laut zu brüllen, verkörpert nicht die Meinung der meisten Menschen.