Eine dramatische Schilderung: Vortrag von Dieter Heckmann zur „Allerseelenschlacht“

Eine dramatische Schilderung : Vortrag von Dieter Heckmann zur „Allerseelenschlacht“

Zum Auftakt der zahlreichen Gedenkveranstaltungen zu Beginn der sechstägigen „Allerseelenschlacht“ im Hürtgenwald vor 75 Jahren am 2. November 1944 stellte Dieter Heckmann vom Geschichtsverein Hürtgenwald im Museum in Vossenack die Chronologie der Kämpfe vor. Es wurde eine dramatische Schilderung.

Dieter Heckmann, Jahrgang 1942, beschäftigt sich seit 50 Jahren mit dem, was er über die Jahrzehnte immer mehr vor allem als „so sinnlos von Anfang an“ empfunden hat: Denn was waren die Kämpfe im Hürtgenwald seit dem 6. Oktober 1944, die erst einen taktischen Sieg von kurzer Dauer der deutschen Wehrmacht über die US-Armee brachten, mit dem Scheitern der Ardennenoffensive am 10. Januar tatsächlich die Niederlage, anderes als sinnlos?

Tausende „junger Soldaten zwischen 16 und 18 Jahren“ auf beiden Seiten, so Heckmann, fanden in den vier Monaten den Tod, die die Einheiten der US-Armee am Ende brauchten, um von der West- zur Ostseite des Hürtgenwaldes zu kommen. Die sechstägige „Allerseelenschlacht“ vom 2. bis zum 8. November 1944 ist zur Chiffre für diese Kämpfe geworden. Darüber ist schon und wird gerade wieder viel geschrieben. Es gibt Verfilmungen, vor allem auch die sorgfältige Ausstellung im Hürtgenwaldmuseum.

Doch Dieter Heckmann brachte den rund 25 Zuhörern im Vortragssaal des Museums das Grauen und die Sinnlosigkeit vor allem der „Allerseelenschlacht“ durch seine pointierte, auf den dramatischen Effekt setzende, Erzählung noch einmal näher. Heckmann kennt die Mythen, die sich um diese sechstägige Schlacht, die am Ende nichts entschied, ranken. „Es war die verlustreichte Schlacht auf europäischem Boden für die US-Armee“, so Heckmann. Doch warum ging die 28. Division der US-Armee unter dem Befehl von Courtney M. Hodges überhaupt das Risiko ein, mitten durch ein unwegsames, nur schlecht zuvor erkundetes dichtes Waldgelände, über den steilen, schmalen „Kall-Trail“ von Schmidt nach Vossenack und Kommerscheid zu kommen? Für Heckmann ist diese Entscheidung für das Verständnis dessen, was dann folgte, von zentraler Bedeutung. Er findet die Erklärung in Hodges‘ ganz persönlicher Traumatisierung bei der Schlacht bei Verdun im Ersten Weltkrieg: „Hodges war damals mit seiner Einheit um ein Waldgebiet herum gegangen, nicht hinein, und in einen Hinterhalt geraten. Viele seiner Kameraden fielen. Das wollte er nicht noch einmal erleben. Jetzt führte er seine Soldaten in den Hürtgenwald hinein.“

Als die US-Armee endlich – nach schwersten Verlusten auf beiden Seiten – Vossenack erreichte, folgte ein Häuserkampf, ein regelrechtes Gemetzel zum Beispiel auch in der Sakristei der Pfarrkirche, so Heckmann, der es vermied, Fragen von Schuld, von Täter oder Opfer zu stellen. Er deutete die Kriegsgräuel nur an. Dass die Vossenacker Pfarrkirche in den Tagen der Hürtgenwaldschlacht 16 Mal den Besitzer gewechselt habe, sei allerdings eine bloße Behauptung, meinte Heckmann zu diesem Detail: „Mir hat ein amerikanischer Zeitzeuge dazu nur gesagt, sie hätten ja keine Strichliste geführt‘“.

Gut 50 Minuten trug Dieter Heckmann so einiges aus seinem offenbar großen Wissen davon vor, wie es wirklich gewesen sein soll. Am Ende wurde auch die heutige Gemeinde Hürtgenwald nach dem Ende der Ardennenoffensive von der vorrückenden US-Armee besetzt. Die Wehrmacht hatte die Rur- und Urfttalsperre im Januar 1945 geöffnet, doch die Fluten konnten den Vormarsch der Alliierten von Aachen über Düren nach Köln nur verzögern.

Fünf Monate, nachdem sie die Westgrenze des Hürtgenwaldes erreicht hatten, waren die US-Soldaten zuvor erst an dessen Ostseite angekommen. Tausende Soldaten auf beiden Seiten, meist junge Männer zwischen 16 und 18 Jahren erlebten diesen absurden Zwischensieg oder diese Niederlage nicht mehr.

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