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Der kleine Prinz: Berührende Inszenierung im Klosterkeller Vossenack

Der kleine Prinz : Berührende Inszenierung im Klosterkeller Vossenack

Die bekannte Geschichte des kleinen Prinzen ließ das Marionettentheater „De Strippkes Trekker“ im Kloster-Kulturkeller in Vossenack aufleben.

Seit Jahrzehnten spielt das Marionettentheater „De Strippkes Trekker“ das Stück „Der kleine Prinz“. Das Buch mit dem Originaltitel „Le Petit Prince“ erschien 1946 in Frankreich und wird seit den 50-er Jahren in Deutschland angeboten.

Dass dieses Märchen für Kinder und Erwachsene nichts an Aktualität verloren hat, zeigten die „Strippkes Trecker“ im Palazzo Puppazzi im Vossenacker Kloster-Kultur-Keller mit ihrer Inszenierung. Sie bildete den Auftakt zum herbstlichen Figurentheater-Festival. „Dieses Stück ist uns ein Herzensanliegen“, sagte Bruder Wolfgang Mauritz, der den Kloster-Kultur-Keller leitet. „Wir widmen den heutigen Abend allen Toten der Kriege in dieser Welt.“

Zur Vorführung: Leise Musik erklingt zur Einstimmung, der kleine Prinz erscheint in einer Wüstenlandschaft, wo er einem Piloten begegnet, der mit seinem Flugzeug abgestürzt ist. „Bitte, zeichne mir ein Schaf“, spricht das höchst ungewöhnliche Männchen den Mann an. Obwohl er ganz andere Sorgen hat, widmet sich der Pilot dem kleinen Kerl und zeichnet nach mehreren Versuchen eine Kiste, in der das Schaf steckt.

Dies akzeptiert der kleine Prinz. Dabei lernt der Pilot allmählich, dass dieses sehr merkwürdiges Wesen von einem anderen, sehr kleinen Planeten stammt, auf dem sich drei Vulkane und eine Blume befinden. Der Prinz liebt die Sonnenuntergänge und ist auf die Erde gekommen, um Freunde zu finden. Als er sich um seine Blume sorgt, die nur vier Dornen hat, um sich vor dem Schaf zu schützen, tröstet ihn der Pilot mit Hingabe.

In mehreren Szenen mit detailreichen und liebevoll ausgestatteten Bühnenbildern lassen die Puppenspieler die Begegnungen des kleinen Prinzen lebendig werden. Er lernt einen König kennen, der, in Purpur gekleidet, auf seinem Thron sitzt und dem es hauptsächlich ums Befehlen geht. Aber der König ist nicht dumm: „Man muss von jedem fordern, was er leisten kann. Die Autorität beruht vor allem auf der Vernunft.“

Der Säufer dagegen ist eine verkommene Gestalt. Umgeben von Flaschen, trinkt er, um zu vergessen. Ganz rasch verlässt ihn der kleine Prinz und trifft auf einen Geschäftsmann. Dieser hat einen großen Kopf, weil er offensichtlich viel denken muss, sitzt an einem Tischchen und schreibt Zahlen in ein dickes Buch. Seine Zigarre ist ausgegangen, aber er hält sich für einen ernsthaften Mann und zählt ununterbrochen die Dinge, die ihm anscheinend gehören. Auch die Sterne. „Aber du bist für die Sterne zu nichts nütze“, stellt der kleine Prinz fest.

Am beeindruckendsten war die Begegnung mit dem klugen Fuchs – das plüschige Tier will ein Freund sein. Im Publikum herrschte aufmerksame Stille, als er dem Prinzen sein Geheimnis mitteilt, das viele als Zitat kennen: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

Es macht sich wohl jeder im Zuschauerraum seine eigenen Gedanken, als der kleine Prinz kurz vor seinem Tod zum Piloten sagt: „Es ist zu weit. Ich kann diesen Leib da nicht mitnehmen.“

Mit lang anhaltendem Applaus dankte das Publikum der Spielertruppe für die Kunst, die Strippen zu ziehen, die Texte zu sprechen, mit Licht und Musik eine unnachahmliche Atmosphäre zu schaffen.

Weitere Termine des Herbst-Speci-Spektacel findet man auf www.kloster-kultur-keller.de.

(ale)