"Allersellenschlacht": Gedenkfeier offenbart strittige Museumszukunft

75 Jahre „Allerseelenschlacht“ : Gedenkfeier offenbart strittige Museumszukunft

Mit einer kleinen Gedenkfeier im Hürtgenwald-Museum wurde am Samstag des 75. Jahrestages der „Allerseelenschlacht“ gedacht. Dabei wurde erneut offenkundig: Die Frage, wie man museal die Ereignisse zwischen dem 2. November 1944 und Februar 1945, als die Hürtgenwaldorte von der US-Armee schließlich besetzt waren, didaktisch darstellt, ist immer noch ein umstrittenes Thema.

„Vor fünf Jahren haben wir des 70. Jahrestages mit einem Fest gedacht. Das kann man jetzt, zum 75. Jahrestag, nicht einfach wiederholen.“ Gleich zu Beginn seines Grußwortes machte Axel Buch (CDU), Bürgermeister der Gemeinde Hürtgenwald, klar, dass es alles andere als einfach sei, sich richtig zu erinnern. Nicht nur für ihn ist die derzeitige Ausstellung im Museum „Hürtgenwald 1944 und im Frieden“ problematisch. Er wisse auch von den meisten Bürgern in der Gemeinde, „dass sie nicht immer daran erinnert werden wollen. Die gehen bewusst nicht hier ins Museum“, erklärte Buch. Er sprach von einer fatalen begrifflichen Bindung. Bei den meisten werde Hürtgenwald nur mit der Schlacht assoziiert.

Die Gemeinde Hürtgenwald, betonte der Bürgermeister weiter, befinde sich noch in einem Findungsprozess, „welches Geschichtsbild wir künftig im Museum vermitteln wollen.“ Daher habe man auch zum 75. Jahrestag der „Allerseelenschlacht“ entschieden, sich nicht aktiv an den Feierlichkeiten zu beteiligen. Buch lobte jedoch die vom Museumsverein organisierten Veranstaltungen zum Jahrestag, unter anderem eine Buchlesung des Romans „Allerseelenschlacht“ mit Autor Olaf Müller, als „angemessen“.

In welche Richtung eine Neukonzeption der Schau gehen könnte, deutete Buch zugleich an: „Hier sind auf beiden Seiten, der US-Armee wie der Wehrmacht, mehr als 30.000 Menschen zu Tode gekommen. Sie wurden in einer sinnlosen Schlacht gemetzelt, verkrüppelt. Das ist die Botschaft von Hürtgenwald. Nicht eine Darstellung der kriegsstrategischen Ziele!“

Auch Franziskanerpater Laurentius U. Englisch, der eigentlich nach einigen Worten aus seinem Manuskript ein Gebet mit den Anwesenden sprechen sollte, wich von seiner Vorlage ab und bezog im Vortragssaal des Museums klar Stellung zum Streitthema: „In der Bergpredigt heißt es: Wie kann ich den Anderen heilen? Hier aber sieht man: Wie kann ich den Anderen verletzen“, erklärte der 80-jährige Geistliche, der die Schauräume eine „Waffenschau“ nannte.

Angesichts dieser klaren und auch harten Kritik an der Arbeit des Museumsteams, das zum 75. Jahrestag der „Allerseelenschlacht“ im Hürtgenwald am Sonntag auch einige Sonderführungen ins Gelände anbot, musste der Museumsvereinsvorsitzende Rainer Valder klar Position beziehen. „Es geht nicht an, dass man die Arbeit unserer Ehrenamtlichen einfach so wegwischt“, lautete seine Erwiderung. Er stellte klar: „Wir sind keine Fachleute.“ Aber man sei offen für eine „neue Perspektive, ein neues Narrativ. Wenn es dann da ist, werden wir uns gerne damit beschäftigen“.

Für die musikalische Umrahmung des Festaktes, der so klar machte, dass in Vossenack, wo die Front während der „Allerseelenschlacht“ zeitweise mitten durch die Pfarrkirche verlief, die Frage der didaktischen Vermittlung der Ereignisse von vor 75 Jahren alles andere als geklärt ist, sorgte das Blechbläserquintett Eifelblech unter Leitung von Renold Quade.